Gericht zum Fall Tahir Ö. Berliner Polizei ließ Rocker-Mord geschehen

Der Fall des in einem Berliner Wettbüro erschossenen Tahir Özbek wird seit vier Jahren verhandelt. Nun hat ein Gericht festgestellt: Die Polizei ließ den Rocker-Mord absichtlich geschehen - um einen Hells-Angels-Boss zu fassen.

Angeklagte Rocker vor Gericht (Archiv)
DPA

Angeklagte Rocker vor Gericht (Archiv)


Das Landeskriminalamt Berlin hat nach Einschätzung des Landgerichts einen Rocker-Mord billigend in Kauf genommen, um Mitglieder der Hells Angels festnehmen zu können. Das geht aus einem rechtlichen Hinweis hervor, den das Gericht den Verfahrensbeteiligten gegeben hat. Demnach hatten die Beamten bereits Monate zuvor Anhaltspunkte dafür, dass der Mord geschehen solle.

Der Fall von Tahir Özbek wird bereits seit vier Jahren vor dem Berliner Langericht verhandelt. Özbek wurde am 10. Januar 2014 in einem Wettbüro in Berlin Reinickendorf erschossen. Den Ermittlern zufolge gab es Hinweise, dass die Hells Angels einen Racheakt gegen Özbek planten und wussten, wo er sich aufhielt.

Dennoch reagierte die Polizei nicht, der damalige Innensenator Frank Henkel räumte im April 2014 ein, dass die Ermittler die Gefährdungslage "falsch bewertet" hatten.

Zehn der elf Angeklagten gehören zu den Hells Angels. Unter ihnen auch Rocker-Boss Kadir Padir, der den Mord in Auftrag gegeben haben soll. SPIEGEL TV hatte 2014 zuerst über den Fall berichtet. Sehen Sie den Beitrag von damals hier:

SPIEGEL TV

Seit Beginn des Prozesses befasste sich die Kammer auch mit der Frage, ob das Landeskriminalamt vor der Tat entsprechende Hinweise auf eine Tötung von Tahir Özbek hatte. In dem Hinweis des Gerichts heißt es nun, die Kammer sehe die Möglichkeit, dass "Kräfte des Landeskriminalamts bereits seit Ende Oktober 2013 von einer drohenden Tötung Tahir Özbeks durch Personen aus dem Umfeld des Hells Angels MC in Berlin aufgrund einer tätlichen Auseinandersetzung Kenntnis hatten".

Die Polizei habe aber "bewusst und unter billigender Inkaufnahme der Tötung zwingend gebotene polizeiliche Maßnahmen" unterlassen, "um die potentiellen Tatbeteiligten nach einer Tatbegehung strafrechtlich zu verfolgen". Weiter hieß es, die Kammer gehe "von einer Verletzung des Grundsatzes des fairen Verfahrens" aus (Art. 6 Abs. 1 Satz 1 MRK)".

Multimediaspezial zum Prozessauftakt

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