Hells Angels vs. Bandidos in Holland Rockerkrieg droht sich auf Deutschland auszuweiten

Im Süden der Niederlande bekriegen sich Hells Angels und Bandidos mit großer Brutalität - die Rocker verfügen sogar über Raketenwerfer. Die Polizei fürchtet, der Konflikt könnte auch auf Deutschland übergreifen.

Hells Angels in Holland (2007): Mit Raketenwerfern bewaffnete Rocker
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Hells Angels in Holland (2007): Mit Raketenwerfern bewaffnete Rocker

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Das Städtchen Sittard im Süden der Niederlande war den Deutschen bislang am ehesten als Geburtsort des Fußballtrainers Huub Stevens bekannt. Ein malerischer Ort mit Cafés und Kneipen, historischen Kirchen, holländische Provinz eben.

Ausgerechnet hier aber kommt es seit Wochen immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den verfeindeten Motorradbanden Hells Angels und Bandidos. Molotow-Cocktails flogen, Schüsse fielen. Bei einer Durchsuchung entdeckten Beamte nach offiziellen Angaben fünf Raketenwerfer, automatische Waffen und mehrere Kilogramm Munition. Zuletzt gingen vor der Rockerkneipe "Dug Out" 15 Bandidos auf drei Red Devils los, dabei handelt es sich um eine Unterstützergruppierung der Hells Angels. Erst als scharf geschossen wurde, ergriffen die Angreifer die Flucht.

Der Bürgermeister der Gemeinde ordnete daraufhin die vorübergehende Zwangsschließung der Bar an. Sein Amtskollege aus einer benachbarten Gemeinde, der vor einiger Zeit ähnliche Maßnahmen gegen einen Treffpunkt der Hells Angels getroffen hatte, steht seither unter Polizeischutz.

"Brisante Situation"

Hintergrund des Konflikts ist nach Einschätzung der Ermittler der Umstand, dass sich in Sittard die erste Bandidos-Ortsgruppe in den Niederlanden gegründet hat. Dort sind traditionell die rivalisierenden Hells Angels besonders stark vertreten. Pikanterweise besteht der Klub, der von deutschen Bandidos-Filialen unterstützt worden sein soll, aus ehemaligen Hells Angels, die zuvor aus ihrer Bande ausgeschlossen worden waren. "Es ist eine wirklich brisante Situation", sagt ein niederländischer Beamter.

Die deutsche Polizei fürchtet nun, dass der Rockerkrieg sich auch über die Grenze ausdehnen könnte. Es lägen Informationen darüber vor, heißt es in einer vertraulichen Analyse der Behörden, dass holländische Hells Angels planten, Klubheime der Bandidos in Deutschland zu attackieren. Die Rocker würden bereits entsprechende Schutzmaßnahmen treffen. Es sei davon auszugehen, dass die Hells Angels sich für die Angriffe schwer bewaffneten.

Ein Sprecher der Bandidos sagte auf Anfrage, er könne sich ein Ausbreiten der Fehde nach Deutschland nicht vorstellen: "Das glaube ich nicht." Dennoch sind die Polizeibehörden im Grenzgebiet nach Informationen von SPIEGEL ONLINE aufgefordert, die Klubheime der Bandidos besonders im Auge zu behalten und mögliche Verteidigungsvorkehrungen zu melden.

Angespanntes Verhältnis

Das stets schwierige Verhältnis zwischen Rockergangs und Staatsmacht gilt als besonders belastet, seitdem die Polizei sich bundesweit zu einem harten Kurs gegen die Gangs entschieden hat. Vereins- und Kuttenverbote haben die Szene in Aufruhr versetzt und viele Rocker empört. Die Bandidos hätten ihren Mitgliedern daher die Weisung erteilt, nicht mehr mit Beamten zu sprechen, heißt es in einer Analyse der Behörden. "Das ist nicht richtig", sagt ein Sprecher des Klubs dazu auf Anfrage. "In der Regel kennt man sich vor Ort und kommt klar." Jedoch habe es einige Fälle gegeben, in denen Absprachen nicht eingehalten worden seien. "Deshalb sind unsere Leute vorsichtig, was eine vertrauensvolle Zusammenarbeit anbelangt", so der Bandido.

Die Hells Angels wiederum haben eine direktere Form der Kommunikation mit dem Staat gefunden. Wie SPIEGEL ONLINE erfuhr, schickte der Rocker Axel L. vor einiger Zeit eine E-Mail an das Düsseldorfer Innenministerium. Darin lud er die Beamten zu einem Treffen des Klubs nach Baden-Württemberg ein. Allerdings fiel der Ton seiner Nachricht etwas harsch aus.

"Hallo liebe Sklaven der rechtsbeugenden Fraktion des unfähigen Innenministers von NRW", schrieb der Rocker ganz locker. "Hiermit möchten wir euch einladen, vorausgesetzt euer Master erlaubt es euch, an dem Auftritt sich nicht einschüchtern lassender mündiger Bürger in Stuttgart teilzunehmen."

Dass Staatsdiener der Einladung gefolgt sind, darf bezweifelt werden.

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Jörg Diehl ist Chefreporter von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Joerg_Diehl@spiegel.de

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