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Frank Hanebuth: Hells-Angels-Boss soll für Bombenanschlag verantwortlich sein

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Hells Angel Hanebuth, spanische Beamte: "Wenn der Frank sagt, dass es nicht geht, dann ok, geht es nicht" Zur Großansicht
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Hells Angel Hanebuth, spanische Beamte: "Wenn der Frank sagt, dass es nicht geht, dann ok, geht es nicht"

Drohungen, Messerangriffe, Briefbombenattrappen: Spanische Ermittler werfen Hells-Angels-Boss Frank Hanebuth vor, Angehörige und Geschäftspartner eines mutmaßlichen Millionenbetrügers terrorisiert zu haben. Dabei wurde in Bayern sogar ein Sprengsatz unter ein Auto montiert.

Hamburg - "Wir müssen es nur schaffen, dass er es überweist, weil er ist zu feige, um seinen Kopf hinzuhalten, und das werden wir nur über seine Familie schaffen", sagt Chris am Telefon. "Er muss den Druck von seiner Familie kriegen, verstehst du?", pflichtet Paul ihm bei. "Genau, und über seine Schwiegereltern", ergänzt Chris.

Die zwei Ganoven palavern noch eine Weile weiter, fachsimpeln in ihrem obskuren Telefonat darüber, wie es gelingen könnte, den mutmaßlichen Anlagebetrüger Christian H., 52, einzuschüchtern und so zur Rückzahlung einer hohen Summe zu bewegen.

Irgendwann sagt Jochen, der ebenfalls zugeschaltet ist: "Ich bin bei Chris, in Bezug darauf, dass wir in den nächsten zwei oder drei Wochen wissen müssen, wie man alles macht. Wenn der Frank sagt, dass es nicht geht, dann ok, geht es nicht." Dann müsse man einen anderen finden, "der das regeln kann".

Hüne aus Hannover

Bei Frank, da sind sich die spanischen Ermittler sicher, handelt es sich um den Hells-Angels-Boss Frank Hanebuth, 49. Der Hüne aus Hannover wurde im Juli bei einer Großrazzia in der mallorquinischen Finca seines Freundes Paul E., 72, festgenommen und sitzt in Madrid in Untersuchungshaft. Nach offiziellen Angaben werfen die Behörden Hanebuth und Co. Drogen- und Menschenhandel, Geldwäsche, Bestechung und Erpressung vor.

Doch was heißt das genau?

Das Protokoll des abgehörten Gesprächs vom 17. Januar 2012 und zahlreiche weitere interne Unterlagen der spanischen Polizei, die SPIEGEL ONLINE und dem NDR-Politikmagazin "Panorama 3" vorliegen, zeigen nun erstmals, welche Verstrickungen den deutschen Chefrocker Hanebuth zu belasten scheinen. Demnach geht es unter anderem um einen Bombenanschlag auf das Auto der Nichte von Unternehmer Christian H. - und um fortgesetzte Attacken auf dessen Familie und Geschäftspartner.

Das Motiv: Geld.

Denn laut Polizei soll H. über seine in Dubai gemeldete Firma APL bis zu 11.000 Menschen mit dubiosen Anlage-Deals um ihr Vermögen gebracht haben. Den angerichteten Gesamtschaden schätzen die spanischen Beamten auf 138 Millionen Euro. Der Anwalt von Christian H. wollte sich "mit Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen" derzeit nicht zu der Angelegenheit äußern.

"Beziehungen zu Hells Angels genutzt"

Ein Opfer des dubiosen Geschäftsmachers H. soll der Österreicher Christian D. sein, der sich den Dokumenten zufolge womöglich zur Gegenwehr entschloss. Er habe "seine Beziehungen zu den Hells Angels in Deutschland genutzt und (…) die Anschläge in Auftrag gegeben", heißt es in einem Ermittlungsbericht der spanischen Polizei, in dem die Aussage eines Zeugen wiedergegeben wird.

Tatsächlich deponierten Unbekannte am 28. März 2013 am bayerischen Ammersee unter dem Auto der Nichte von Christian H. eine Bombe, zugleich wurde ein Brandsatz gezündet. Zu einer Explosion kam es aber nicht, weil das Fahrzeug schnell gelöscht werden konnte.

Die Schwiegermutter und zwei Geschäftspartner des lange Zeit abgetauchten H. erhielten zudem Briefbombenattrappen.

Büros und Wohnhäuser der Menschen um Christian H. - in Österreich, Deutschland und den Niederlanden gelegen - wurden in einer Dezember-Nacht 2012 mit Tierblut und Kadaverteilen beschmiert.

Michael K. wiederum, einen mutmaßlichen Komplizen von Christian H., griffen zwei Unbekannte mit Pfefferspray an und schnitten ihm ins Gesicht. Auf Englisch verlangten die Männer nach Millionensummen, ehe sie flüchteten.

Lange Zeit standen die Angehörigen und Freunde des inzwischen inhaftierten H. unter Polizeischutz. Noch immer leben sie in Angst und in der Ungewissheit: Wer steckt hinter den Anschlägen?

Kampfsporttrainer und Szenegröße

Die spanischen Ermittler schließen aus abgehörten Telefonaten und abgefangenen E-Mails, dass die Spur des Schreckens zu Frank Hanebuth und seinem väterlichen Freund Paul E. führt. Die frühere hessische Rotlichtgröße E. hatte sich vor Jahren nach Mallorca zurückgezogen, möglicherweise ging er von dort aus seinen Geschäften nach.

Der Polizei zufolge sollen Hanebuth und E. mehrere Männer angeheuert haben, die Christian H. und dessen Familie attackierten. Dabei handelt es sich den Dokumenten zufolge unter anderem um den Kampfsporttrainer Karsten W., 48, aus Niedersachsen, gegen den in der Vergangenheit schon wegen Menschenhandels zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung ermittelt wurde, sowie um die Szenegröße Jochen H., 45, aktenkundig wegen diverser Betrugsdelikte.

Der Rechtsanwalt von Hanebuth, Götz von Fromberg, wollte sich zu den Vorwürfen derzeit nicht äußern. Ihm lägen noch keine übersetzten Unterlagen vor, sagte er. "Persönlich halte ich es jedoch für undenkbar, dass mein Mandant mit diesen Sachen etwas zu tun hat", so von Fromberg. Der spanische Verteidiger Hanebuths ließ eine Anfrage bislang unbeantwortet. Der Rocker selbst hatte bislang stets betont, er habe sich auf Mallorca nichts zuschulden kommen lassen und daher auch nichts zu befürchten.

Die Indizien gegen Hanebuths Freund Paul E. allerdings wiegen schwer. So erhielt Thrombose-Paul, wie er im Milieu heißt, im März 2012 per E-Mail eine Liste mit den Namen, Adressen und Telefonnummern der Familie H. "Die Ziele müssen zur selben Uhrzeit aufgesucht werden und von jeweils zwei Personen", schrieb der noch nicht eindeutig identifizierte Auftraggeber zur Erläuterung und gab noch einen Tipp: "Es wird auch Menschen geben, die wissen, wo die Kinder zur Schule gehen."

Wenig später schloss der Unbekannte, der eine in den Vereinigten Arabischen Emiraten registrierte E-Mail-Adresse nutzte, "mit der Bitte um den Kostenvoranschlag, vielen Dank und freundlichen Grüßen". Seinen Namen nannte er nicht.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 78 Beiträge
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1. Aha! Und wieso bitte
mrs.sophie 29.10.2013
können nicht deutsche Behörden solche Dinge wie die spanischen? Sucht man immer noch nicht genau genug bei Herrn H. und seiner Organisation? Hat er (immer noch) Schutz durch Herrn RA v. Fromberg, Herrn Altkanzler Schröder (das ist der mit der echten Männerfreundschaft zu so lupenreinen Demokraten wie Putin aus Russland)? Unerträglich und ein Chapeau für die spanischen Behörden!
2.
testthewest 29.10.2013
Zitat von sysopDPADrohungen, Messerangriffe, Briefbombenattrappen: Spanische Ermittler werfen Hells-Angels-Boss Frank Hanebuth vor, Angehörige und Geschäftspartner eines mutmaßlichen Millionenbetrügers terrorisiert zu haben. Dabei wurde in Bayern sogar ein Sprengsatz unter ein Auto montiert. Hells Angels: Hanebuth soll für Bombenanschlag verantwortlich sein - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/hells-angels-hanebuth-soll-fuer-bombenanschlag-verantwortlich-sein-a-930490.html)
Wieso werden diese hundsgemeinen Kriminellen (Menschenhandel, Drogenhandel, Erpressung, Schutzgeld) eigentlich immernoch "Rocker" genannt? Die haben doch gar nichts mehr besonderes mit Musik, egal ob "Rock" oder was anderes, zu tun. Ausdrücke wie "Chefrocker" sind gradezu grotesk. Chef einer kriminellen Vereinigung - das ist er.
3. Da hat wohl jemand...
labbimen 29.10.2013
den Falschen abgezogen. Mein Mitleid hält sich irgendwie in Grenzen.
4. Also irgendwie wundert......
klaas_klever.1 29.10.2013
man sich, oder auch nicht, warum hier so die harte Kante gezeigt wird, gleichzeitig aber über Jahre still gehalten wird, wenn es um Clans wie Chaker in Berlin oder Miri in Bremen geht. Hat die Justiz schonj so die Hosen voll, dass sie da kneift, oder ist es nicht opportun, wenn unser Bundespräsident sich ja schonn Sorgen macht, dass es immer Menschen sind mit brauner Hautfarbe und dunklen Haaren, die im öffentlichen Raum angegriffen werden ? Willkommen in der Bananenrepublik und vielen Dank, Ihr erzkonservativen Wähler für über 40 % für Mutti.
5.
cs01 29.10.2013
Also bis jetzt haben die spanischen Behörden gar nichts, außer einem Vornamen. Ein bischen dünn für eine Verurteilung, ich hoffe da kommt noch mehr.
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Die großen Rockerklubs
Hells Angels
Hells Angels ist die Abkürzung für den berüchtigten Hells Angels Motorcycle Club und zugleich die Bezeichnung für ihre Mitglieder. Von den Rockern, die typischerweise Harley-Davidson-Motorräder fahren, gelten viele als gewalttätig und kriminell; die Angels sind eine der umstrittensten Biker-Vereinigungen.
Bandidos
Die Bandidos sind ein Rocker- und Motorradclan, der aufgrund nachgewiesener Nähe einzelner Mitglieder zur organisierten Kriminalität umstritten ist. Die langjährige Feindschaft zwischen den Bandidos und den Hells Angels führte immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen unter den Rockern.
Outlaws MC
Einer der größten und ältesten Motorradklubs der Welt. Der Outlaws MC taucht, wie alle anderen großen Bikergangs auch, regelmäßig in den Verfassungsschutzberichten der Länder auf.
Gremium MC
Der letzte große Motorradklub deutschen Ursprungs, der sich bisher keiner internationalen Biker-Vereinigung, wie z. B. den Hells Angels, Bandidos oder den Outlaws, angeschlossen hat. Laut Berichten des Verfassungsschutzes steht der Verein immer wieder in Verbindung mit illegalem Menschen-, Drogen- und Waffenhandel.

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