Hells Angels Kaiserslautern wegen Rocker-Prozess im Ausnahmezustand

Eine Stadt in Aufruhr: Der Prozess gegen zwei Mitglieder der Hells Angels, die einen anderen Rocker getötet haben sollen, hat Kaiserslautern in den Ausnahmezustand versetzt. Hunderte Polizisten waren im Einsatz, um die verfeindeten Gruppen auseinanderzuhalten.

"In memory of Dirk": Mitglieder des Motorradclubs Outlaws gedenken ihres toten Freundes
DPA

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Kaiserslautern - Die erste Kontrolle gab es bereits an der Autobahnabfahrt Kaiserslautern, Kilometer vom eigentlichen Schauplatz des Geschehens entfernt. Etwa tausend Anhänger der rivalisierenden Rocker-Gangs Hells Angels und Outlaws waren angereist, in der Innenstadt herrschte teilweise Chaos. Hunderte Polizisten waren im Einsatz. Bis zum Landgericht kamen die meisten Bandenmitglieder gar nicht durch. Dort müssen sich seit Dienstag zwei Hells Angels wegen Mordes an einem Regionalchef der Outlaws verantworten.

Nach einer Stunde wurde der Prozess jedoch bereits vertagt. Ein Verteidiger hat einen Besetzungseinwand gegen das Gericht vorgebracht. Seinen Worten zufolge müsste eine andere Kammer des Hauses das Verfahren führen. Nicht einmal die Anklageschrift konnte verlesen werden. Der Prozess, der von starken Sicherheitsvorkehrungen begleitet wird, soll am 7. Januar fortgesetzt werden.

Der Platz um das Landgericht ist komplett abgeriegelt, wer ins Gebäude wollte, musste sich extremen Überprüfungen unterziehen - nicht einmal der Präsident des Gerichts kam um die Kontrolle herum. Selbst die Schuhe mussten Gerichtsbesucher ausziehen, auch sie werden nach Waffen durchsucht. Wer einmal im Gebäude ist, darf nur in Polizeibegleitung zu den Toiletten gehen.

Die Sicherheitskräfte wollen auf Nummer sicher gehen und weitere Rache-Taten zwischen Hells Angels und Outlaws verhindern. Denn auch der vor Gericht verhandelte Fall war letztlich ein Racheakt: Einer der Angeklagten war Ende Juni, wenige Tage vor dem Mord in Bad Kreuznach, mit einem Outlaw aneinandergeraten und verletzt worden. Mit zwei Komplizen pickte er sich ein paar Tage später mehr oder weniger willkürlich einen Outlaw heraus. Das Trio verfolgte und tötete den 45-Jährigen laut Anklage in der Nähe von Stetten im Donnersbergkreis. Ein weiterer Tatverdächtiger ist bis heute auf der Flucht.

Mindestens bis März soll vor dem Landgericht unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen verhandelt werden. Die Outlaws haben bereits schriftlich erklärt, was sie von dem Verfahren erwarten: "Wir gehen davon aus, dass die Täter strafrechtlich voll zur Rechenschaft gezogen werden."

jjc/dpa

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