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Rheinland-Pfalz: Behörden verbieten Hells-Angels-Klub in Neuwied

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DPA

Polizeieinsatz gegen Rockerklub

In Rheinland-Pfalz geht die Staatsmacht erneut gegen die Hells Angels vor: Innenminister Roger Lewentz hat nun einen Ableger der Rockerbande aus Neuwied verboten.

Mit einem Großeinsatz ist die Polizei am Donnerstagmorgen gegen die Motorradbande Hells Angels in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen vorgegangen. Vorausgegangen war den Durchsuchungen die Entscheidung des Mainzer Innenministers Roger Lewentz, einen Ableger des Klubs in Neuwied zu verbieten.

Davon gehe "ein klare Signal an die kriminelle Rockerszene aus", sagte der SPD-Politiker. "Unser Rechtsstaat ist handlungsfähig und wird keinerlei Kriminalität dulden und mit aller Härte dagegen vorgehen." Die Hells Angels äußerten sich auf Anfrage bislang nicht zu dem Vorgang.

Das Verbot gründet auf Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Koblenz. Diese hatte Ende Juli 2015 neun Rocker des nun geschlossenen Charters Bonn mit Sitz im rheinland-pfälzischen Neuwied angeklagt - unter anderem wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, schwerer Körperverletzung, räuberischer Erpressung und Bedrohung.

Der Prozess läuft derzeit vor dem örtlichen Landgericht. Demnach sollen die Hells Angels einen "Alleinvertretungsanspruch" auf ein Territorium im Bonner Umland erhoben und diesen mit Gewalt durchgesetzt haben. Der Bande gehört auch der Vater des Salafistenpredigers Pierre Vogel an. Gegen ihn wird ebenfalls ermittelt.

Lokal geltende Verbote werden umgangen

Angeführt wurde die rheinland-pfälzische Filiale der Hells Angels lange Zeit von dem Rockerboss Karl-Heinz B., der im März 2010 auf schreckliche Art und Weise für Aufsehen gesorgt hatte. Damals tötete B. den Polizeioberkommissar Manuel K., 42, mit Pistolenschüssen. Der Beamte wollte morgens mit seinem Spezialeinsatzkommando das Haus des Rockers stürmen, woraufhin der aus dem Schlaf gerissene B. erst "Verpisst euch!" rief und dann durch die geschlossene Tür feuerte.

Das Landgericht Koblenz verurteilte den Rocker daraufhin wegen Totschlags zu fast neun Jahren Gefängnis, doch der Bundesgerichtshof hob die Entscheidung auf und sprach B. schließlich frei. Der Hells Angel habe sich von Mitgliedern der rivalisierenden Bandidos bedroht gefühlt und in irrtümlicher Notwehr geschossen, so das Gericht.

Die Innenminister von Bund und Ländern haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Rockerklubs verboten. Dennoch ist die Zahl der in den Gangs organisierten Männer kontinuierlich gestiegen. Allerdings sind sie inzwischen nicht mehr so eindeutig den möglicherweise geschlossenen örtlichen Gruppierungen zuzurechnen.

Im Unterschied zur Vergangenheit tragen die Rocker mittlerweile häufig Kutten, die sie als Mitglieder ausländischer Niederlassungen der Banden ausweisen oder die gar keinen örtlichen Bezug mehr erkennen lassen. So sollen die Verbote ausgehebelt werden. Dass sich einzelne Rocker wegen eines Vereinsverbots von der Szene gelöst haben, ist nicht bekannt.

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