Hells Angels Polizei warnt vor Bruderkrieg unter Rockern

"Geringe Anlässe können zur Eskalation der Situation führen": Das nordrhein-westfälische LKA ist nach SPIEGEL-Informationen besorgt - wegen einer Fehde zwischen jungen und alten Rockern bei den Hells Angels.

Mitglied der Rockergruppe Hells Angels (Archiv): Interner Konflikt
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Mitglied der Rockergruppe Hells Angels (Archiv): Interner Konflikt

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Die Polizei fürchtet neuerliche gewaltsame Auseinandersetzungen unter den Hells Angels in Deutschland. Wie aus einem vertraulichen Lagebericht des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamts (LKA) hervorgeht, sorgen sich die Beamten wegen eines internen Konflikts der Rockerbande. Dabei geht es um eine blutige Fehde zwischen den jungen Wilden der Gang und den etablierten Altrockern. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Die neue Ausgabe finden Sie hier.)

Der Konflikt sollte eigentlich auf einem Treffen im Dezember in Magdeburg beigelegt werden. Laut LKA verständigten sich die Hells Angels dort darauf, die aufmüpfige Rockerjugend in bestehende Klubstrukturen zu integrieren. Sie sollte dabei "von Mentoren begleitet werden", heißt es in dem Papier.

Doch offensichtlich haben die Kriminalisten arge Zweifel an der Friedensfähigkeit der Bandenmitglieder. Die Gefährdungslage könne sich jederzeit verschärfen, so das LKA. "Geringe Anlässe können zur Eskalation der Situation führen."

Erst im Sommer 2014 gab es unter Hells Angels vor einer Frankfurter Bar eine Schießerei. Dabei wurden vier Rocker schwer verletzt.

Der mächtige Berliner Hells Angel André Sommer hatte im Interview mit SPIEGEL TV Versäumnisse bei der Nachwuchsgewinnung eingeräumt. "Wenn man zu schnell wächst, bleibt einfach zu wenig Zeit, um alte Werte zu vermitteln", sagte Sommer. "Das ist ein Fehler, der auch unseren Klub eingeholt hat."

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - erhältlich ab Samstagmorgen und schon heute ab 18 Uhr im digitalen SPIEGEL.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
gympanse 18.04.2015
1.
Wieso werden diese kriminellen Vereinigungen, wo die meisten Handlanger nicht mal einen Motorradführerschein besitzen, nicht einfach bundesweit verboten so wie es in Berlin der Fall ist?
Wiedereinaussteiger 18.04.2015
2.
Weil die Bundesrepublik Deutschland ein Rechtsstaat ist. Weil die Staatsorgane, die eine kriminelle Vereinigung verbieten wollen (und deren Vermögen einziehen), gerichtsfest werden beweisen wollen, DASS das eine kriminelle Vereinigung sei - dass das Gewinnerzielen überwiegend auf illegalen Tätigkeiten und auf Organisation beruhe. In diesem Game sind hochrangige Interessen beteiligt. Man erinnere sich nur der endlosen Jahre, die der Hannoveraner Oberrocker als Pate Das Rotlichtviertel der östlichen Innenstadt von Hannover "sauber und ruhig" hielt. Dies anzunehmen mit Wissen und Billigung wohl von den höchsten Stellen, d.h. Ministerpräsidenten Gerhard Schröder, Gerhard Glogowski, Sigmar Gabriel, bis Wulff und u.U. noch anfangs David McAllister. Bis man dann doch mal die Schnauze voll hatte von den Typen, und ihnen die Buden dicht machte. Kam mit einem Hubschrauber über ein Landgut des Oberrockers nach Celle raus, und erschoss dort einen jungen Hund... Man sinniert schon über eine Umkehr der Beweislast. Dass die Rocker würden belegen müssen, dass ihr vermögen aus astreinen Quellen stamme. ....Das aber sollte sich jeder gut überlegen, ob man das will: hinterher behauptet ein Kriminalbeamter, meine Schusterwerkstatt oder Autowaschstraße sei eine Tarnexistenz der absurdistanischen Mafia - und nun sei es mal an mir, bitteschön nachzuweisen, dass da alles sauber sei. ... Immerhin, auch das sollte man wissen und berücksichtigen, ist die Tätigkeit der Staatsanwaltschaften in Deutschland weisungsgebunden: der Justizminister hat den Daumen darauf. Dto. hat man damit indirekt die Polizeiarbeit am Wickel. Wenn da etwas geschieht, was der Hohen Politik und deren interessierter Sponsorenschaft zuwiderläuft, gibt es schnell mal einen Anruf aus dem Ministerium, allzu starke Polizei-Aktivitäten "steuergelderschonend zurückzufahren" - und tut das dann ein kleiner Staatsanwalt oder ein halbhoher Polizist nicht, dann ist er unbotmäßig (den Öbersten nicht gehorsam genug..) und kann weiteres Befördertwerden oftmals vergessen.
rggd 18.04.2015
3.
Weil wir keine Diktatur sind, sondern eine Demokratie, in der es - Gott sei dank - Gesetze gibt, die auch für Organisationen gelten, die teils in kriminellem Milieu vertreten sind.
eunegin 18.04.2015
4. Kriminelle unter sich
solange sich diese kriminellen Typen nur gegenseitig und ohne Schaden für Dritte an die Gurgel gehen, kann das ja sogar fast als Lösungsansatz angesehen werden. Es ist unglaublich, dass Verbrecherbanden derart offen agieren können!
Badischer Revoluzzer 18.04.2015
5. Das Problem der Altrocker
ist die Konkurrenz untereinander. Jeder Club versucht durch Masse an Mitglieder auch mehr Macht und Einfluß zu bekommen. Dabei bemerken die Clubs nicht, daß sie die letzten Dumpfbrüder von der Straße holen, ihnen eine Jacke verpassen und dann dürfen die dann "mitmachen". Die Altrocker leben noch ihre Ideologie, die meisten Jungaspiranten fühlen sich mit der Jacke stark und denken sie hätten jetzt Narrenfreiheit. Meist sind es aber nur primitive Haudraufs mit Motorradclubanschluß. Zu mehr reicht der Kopf nicht.
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