Hells-Angels-Rivalen Mongols Neuer Rockerclub alarmiert Berliner Polizei

In Berlin hat sich ein neuer Rockerclub gegründet, der vor allem gewalttätige Migranten rekrutiert. Die Mongols gelten als Erzfeinde der Hells Angels - und als sehr gefährlich.

Mongols in Bremen: Attacke in der Nacht

Mongols in Bremen: Attacke in der Nacht

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Hamburg - Das Bild, das im Netz kursiert, ist eine Kampfansage an die Hells Angels, eine offene Provokation. Es zeigt 17 junge Männer in dunklen Jacken, die zwei Kutten der Kamera entgegenstrecken: "Mongols Berlin" ist auf den Lederwesten zu lesen - und über der Aufnahme steht eine Beleidigung, die direkt an die Höllenengel gerichtet ist. Die Polizei ist alarmiert.

Wie aus einem SPIEGEL ONLINE vorliegenden Bericht des Landeskriminalamts hervorgeht, schätzen die Ermittler das aggressive Auftreten eines weiteren Rockerclubs in der Hauptstadt als außerordentlich brisant ein. Bei einem Aufeinandertreffen der Mongols und der Hells Angels sei "mit körperlichen Auseinandersetzungen ggf. auch unter Verwendung von Waffen und sonstigen gefährlichen Gegenständen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu rechnen", notierte ein Beamter.

Der "Gefährdungsbewertung" zufolge wurde bereits am frühen Montagmorgen ein Mitglied der Mongols von zwei bislang unbekannten Tätern in Berlin-Tegel niedergestochen. Der 33-Jährige sei vor seiner Wohnung abgefangen, beschimpft ("Scheiß Mongole!") und am Oberschenkel verletzt worden. Das Duo konnte flüchten.

Ehemaliger Bandido

Laut LKA-Bericht hatte die Polizei am 7. Januar in Bremen erstmalig sechs Männer in Kutten des Mongols MC Berlin festgestellt. Einer von ihnen sei ein ehemaliges Mitglied der Bandidos, drei andere entstammten demnach den in der Hauptstadt berüchtigten arabischen Großfamilien A., O. und R. Vier Tage später fiel auch einer Berliner Funkstreife ein Mongole auf der Autobahn 35 auf.

"Mit einem offensiven Auftreten von Mitgliedern des Mongols MC Berlin ist ab sofort zu rechnen", schrieb der LKA-Beamte. Es sei davon auszugehen, dass die Strukturen des Clubs inzwischen gefestigt seien und der Konkurrenz von Hells Angels und Bandidos entgegengetreten werden könne. Daher sollten Polizisten - wann immer möglich - die in der Stadt auftretenden Mongols fotografieren und identifizieren: Aufklärung ist angesagt.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE rekrutieren sich die Berliner Mongols ähnlich wie der Bremer Ableger des Clubs vor allem aus Angehörigen arabischer und kurdischer Clans. Teilweise sollen verwandtschaftliche Beziehungen zwischen den Mitgliedern der beiden Chapter bestehen. Die meisten Mongols seien bereits als Gewalttäter in Erscheinung getreten, hieß es.

Eine Anfrage beantworteten die Neu-Rocker nicht. Erkenntnissen anderer Landeskriminalämter zufolge traten die Höllenengel-Erzfeinde auch schon in Hessen und Baden-Württemberg auf. Die Hells Angels wollten diese Entwicklung ebenfalls nicht kommentieren.

Ermittler fürchten Rockerkrieg

Im August hatte der Schwerkriminelle Mustafa B. gemeinsam mit knapp zwei Dutzend Mitgliedern seiner Sippe einen Ableger des internationalen Motorradclubs Mongols in Bremen gegründet. Es war das erste Mal, dass in Deutschland Angehörige eines muslimischen Zuwanderer-Clans, der der Organisierten Kriminalität zugerechnet wird, auf diesem Feld tätig wurden.

Auch die Ermittler an der Weser fürchten deshalb, dass es zu einem neuen Rockerkrieg kommen könnte, der schnell auch andere Städte infizieren würde. Denn in Bremen sind seit vielen Jahren die Hells Angels ansässig, die 2006 bereits die Konkurrenz der Bandidos aus der Stadt geprügelt hatten. Es folgte eine jahrelange Fehde der beiden Gangs mit drei Toten und jeder Menge Verletzten.

Den Bremer Mongols scheint es bei ihrem Trip in die Welt der Rocker kaum um das "Easy Rider"-Feeling zu gehen. Die Zuwanderer haben nach Erkenntnissen der Polizei weder Motorräder noch die notwendigen Führerscheine. Wenn sie über die Discomeile der Stadt rollen, dann in PS-starken Autos. Lediglich Mustafa B. machte die Fahrerlaubnis - und verunglückte zwei Wochen später tödlich mit seinem Bike.

Drogen-Handelswege erschließen

Das Landeskriminalamt (LKA) vermutet daher, es gehe den Mitgliedern des Ethno-Clans darum, neue Strukturen und Handelswege zu erschließen. Mongols sollen in den USA und in Südeuropa in Drogengeschäfte verwickelt sein. Eine Zusammenarbeit könnte sich da für die Bremer lohnen.

Schon jetzt beherrscht die Sippe nach Überzeugung der Polizei den Rauschgiftmarkt der Stadt. Der Clan zählt zu den Mhallamiye-Kurden, die in den achtziger Jahren aus dem Libanon eingewandert sind. Integration ist für viele von ihnen ein Fremdwort, sie leben vorwiegend von Sozialleistungen und Geschäften wie Drogenhandel und Prostitution. Die meisten wohnen in Bremen, Berlin und Essen. Allein in der Hansestadt rechnet die Polizei 2600 Kurden zu der Sippe, gegen jeden zweiten ermittelte sie bereits. 66 Familienmitglieder gelten als Top-Täter.

Über viele Seiten im Polizeicomputer erstrecken sich auch die Einträge der meisten Bremer Mongols. Ibrahim M., nach Einschätzung der Ermittler der Nachfolger von Mustafa B. an der Spitze des Clubs in Bremen, wird allein mit 147 Taten in Verbindung gebracht, von Körperverletzung bis zum illegalen Waffenbesitz. Motorrad fahren durfte er bislang nicht, es fehlte die entsprechende Erlaubnis.

Der Deutschland-Boss der Bande, Bernhard D., hatte daher von den Bremer Neulingen verlangt, dass sie allesamt bis zum Frühjahr einen Führerschein Klasse A vorweisen können. Andernfalls hätten sie den Club wieder verlassen müssen. Von wegen. Es folgte ein unübersichtlicher interner Machtkampf, die Polizei verkündete bereits vorschnell das Ende der Bremer Rocker, doch die sägten wohl stattdessen ihren bisherigen Boss ab und machten weiter.

"Ich will mit diesen Leuten", so zürnt D. nun, "nichts mehr zu tun haben."

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