Hells Angels Rocker klagen gegen Verbot ihres Vereins

Der Rockerklub "Hells Angels MC Bonn" aus Rheinland-Pfalz wehrt sich gegen sein Verbot. 14 Mitglieder klagen vor dem Oberverwaltungsgericht in Koblenz.

Polizeieinsatz gegen Rockerklub (Archiv)
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Polizeieinsatz gegen Rockerklub (Archiv)


Vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) Rheinland-Pfalz klagen 14 Rocker gegen das Verbot ihres Vereins "Hells Angels MC Bonn". Das bestätigte ein OVG-Sprecher in Koblenz. Zu den Klägern gehört auch der ehemalige Chef der Rockerbande. Er muss sich seit Januar mit sieben weiteren Hells Angels wegen mutmaßlicher Revierkämpfe und Körperverletzung vor dem Koblenzer Landgericht verantworten.

Der Mainzer Innenminister Roger Lewentz (SPD) hatte drei Tage vor der Landtagswahl am 13. März den Rockerklub mit Sitz im rheinland-pfälzischen Kreis Neuwied verboten und aufgelöst .

Die 14 Rocker wollen auch mit einem Eilantrag die aufschiebende Wirkung des Vereinsverbots erreichen. Wann eine Entscheidung fällt, ist dem OVG-Sprecher zufolge noch offen. Die Rocker nannten sich trotz ihres rheinland-pfälzischen Vereinssitzes "Hells Angels MC Bonn", da sie sich einst von einer Bonner Rockergruppierung abgespalten hatten.

Lokal geltende Verbote werden umgangen

Angeführt wurde die rheinland-pfälzische Filiale der Hells Angels lange Zeit von dem Rockerboss Karl-Heinz B., der im März 2010 auf schreckliche Art und Weise für Aufsehen gesorgt hatte . Damals tötete B. den Polizeioberkommissar Manuel K., 42, mit Pistolenschüssen. Der Beamte wollte morgens mit seinem Spezialeinsatzkommando das Haus des Rockers stürmen, woraufhin der aus dem Schlaf gerissene B. erst "Verpisst euch!" rief und dann durch die geschlossene Tür feuerte.

Das Landgericht Koblenz verurteilte den Rocker daraufhin wegen Totschlags zu fast neun Jahren Gefängnis, doch der Bundesgerichtshof hob die Entscheidung auf und sprach B. schließlich frei . Der Hells Angel habe sich von Mitgliedern der rivalisierenden Bandidos bedroht gefühlt und in irrtümlicher Notwehr geschossen, so das Gericht.

Die Innenminister von Bund und Ländern haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Rockerklubs verboten. Dennoch ist die Zahl der in den Gangs organisierten Männer kontinuierlich gestiegen. Allerdings sind sie inzwischen nicht mehr so eindeutig den möglicherweise geschlossenen örtlichen Gruppierungen zuzurechnen.

Im Unterschied zur Vergangenheit tragen die Rocker mittlerweile häufig Kutten, die sie als Mitglieder ausländischer Niederlassungen der Banden ausweisen oder die gar keinen örtlichen Bezug mehr erkennen lassen. So sollen die Verbote ausgehebelt werden. Dass sich einzelne Rocker wegen eines Vereinsverbots von der Szene gelöst haben, ist nicht bekannt.

wit/dpa

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