Schießerei unter Hells Angels Kopfstoß mit Konsequenzen

Drei Monate nach einer Schießerei zwischen Hells Angels in Frankfurt klären sich die Hintergründe der Bluttat allmählich auf. Als Auslöser gilt ein Streit in einem Hotel.

SPIEGEL TV

Von und Claas Meyer-Heuer


Im Internet präsentiert sich das Steigenberger Airport Hotel als "Top- Adresse für geschäftliche Events" in Frankfurt. Auch die fünf Hells Angels wissen Lage und Komfort der Luxusherberge durchaus zu schätzen, als sie sich Anfang März zu einem Krisengespräch versammeln.

Es geht um alte Streitigkeiten, vielleicht auch um Geld, ganz sicher aber um Respekt und Anerkennung. Doch die Unterredung endet in einem Desaster - und führt einige Monate später wohl zu einer wilden Schießerei mit zwei Schwerverletzten.

An diesem Tag im März sitzen sich im Steigenberger zwei Fraktionen von Hells Angels gegenüber, die unversöhnlicher kaum sein könnten, obschon sie sich nach außen als "Brüder" präsentieren müssen. Auf der einen Seite sind da Walter Burkard, genannt "Schnitzel-Walter", der mächtige Frankfurter Anführer der Bande, und sein langjähriger Vertrauter Horst R., genannt "der Graue".

Auf der anderen Seite treten auf: Ugur Y., der schon einmal den Salafisten-Prediger und Hells-Angels-Sohn Pierre Vogel beschützte, sowie Munir H., der Monate später bei der Schießerei in Frankfurt verletzt werden wird. Als eine Art Schlichter soll Aygün Mucuk fungieren, Boss der Hells Angels in Gießen.

Gepanzerte Limousine und Bodyguards für den Boss

Doch die Aussprache im Steigenberger endet nach Informationen von SPIEGEL TV schon nach sechs Minuten. Kein Ergebnis, dafür neue Aggressionen. Tische und Stühle fallen um. Munir H. versetzt Horst R. einen Kopfstoß und bricht ihm die Nase. Ausgerechnet R., dem Strippenzieher und Strategen.

"Der Graue" gilt als Elder-Statesman der Höllenengel, als Meister der Klubdiplomatie. Das Hotelpersonal wählt 110, Ugur Y. und Munir H. fliegen schon bald aus der Bande. Beide Seiten bewaffnen sich. Angels-Boss Burkard bewegt sich fortan in einem gepanzerten Audi A8 durch Frankfurt, Bodyguards begleiten ihn.

Am Vatertag begegnen sich die Streithähne dann wieder, wohl eher zufällig. In seinem weißen Mercedes-Geländewagen rollt Munis H., 41, an seinen ehemaligen Kumpanen vorbei, die auf dem Friedrich-Stoltze-Platz in einem Café sitzen. H. soll provozierende Gesten in Richtung der Rivalen gemacht haben, dann fallen Schüsse. H. wird getroffen, ebenso sein Beifahrer Emir K., 20.

Fotostrecke

4  Bilder
Schießerei in Frankfurt: Eskalation unter Brüdern

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE ermittelt die Staatsanwaltschaft seither gegen Denis T., 35, und Athanasios A., 55, wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung. A. konnte zuletzt in Rumänien gefasst werden, T. ist weiter flüchtig. "Welcher Beschuldigte was genau gemacht hat, muss noch geklärt werden", sagt eine Sprecherin der Behörde auf Anfrage.

Beide Rocker sind langjährige Mitglieder der Hells Angels in Frankfurt. T. gehörte schon 2011 dem Hells-Angels-Ableger "Frankfurt" an. A. wiederum war damals schon im Charter "Westend", das Walter Burkard führte. Der hessische Innenminister Boris Rhein (CDU) verbot beide Klubs seinerzeit, weil "der Zweck und die Tätigkeit des Vereins den Strafgesetzen zuwiderlaufen", wie es in den Verfügungen hieß.

Mit den Schüssen vom Vatertag scheint nun der seit geraumer Zeit bei den Hells Angels schwelende Konflikt zwischen Traditionalisten und jungen Wilden wiederaufzuflammen. (Lesen Sie hier die Hintergründe zum "Bruderkrieg".) Und Frankfurt könnte erneut zum Schauplatz ihrer brutalen Hahnenkämpfe werden.

"Alles super, alles schön"

Denn am Main stehen sich mit dem Chef des verbotenen Charters "Westend", Walter Burkard, und seinem Gießener Konkurrenten Aygün Mucuk die beiden Anführer der verfeindeten Fraktionen fast täglich auf den Füßen: Im Juli 2014 schoss "Westend"-Rocker Jürgen "Fips" F. den Kontrahenten Mucuk vor dem Katana Club im Bankenviertel nieder. Notwehr - urteilte ein Gericht.

Doch seither sind die Gräben tief, auch wenn die Höllenengel zuletzt zu einer Form der friedlichen Koexistenz gefunden zu haben schienen. "Man ging sich aus dem Weg", sagt ein Beamter.

Bei einer Box-Gala in Offenbach begegnen sich Burkard und Mucuk vor einiger Zeit wieder. Sie geben sich vertraut und demonstrieren Nähe. Auch "Fips", der Mucuk vor dem "Katana" eine Kugel in die Brust gejagt hatte, sitzt an diesem Abend im Publikum, irgendwann hockt sich Mucuk zu ihm. Ein kurzes Geplänkel, freundliche Worte. Dem Reporter von SPIEGEL TV sagt Mucuk schließlich: "Alles super, alles schön!"

Sehen Sie mehr zu dem Thema im SPIEGEL TV Magazin am Sonntag um 22.30 Uhr auf RTL.
  • Hells Angels - Bruderkrieg zwischen Altrockern und jungen Migranten

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.