Leichensuche bei Hells Angels Rocker sollen Folterkammer betrieben haben

Drogen, eine Leiche, rohe Gewalt: Laut einem Pressebericht haben die Hells Angels in der Kieler Innenstadt einen Folterkeller betrieben. Er soll sich auf dem Gelände einer Autowerkstatt befinden. In der Nähe sucht die Polizei mit schwerem Gerät nach einem Toten, der womöglich einbetoniert wurde.

DPA

Kiel - Nach der Großrazzia gegen die Hells Angels werden immer grausigere Details bekannt. Die Polizei hat in der Nähe von Kiel stundenlang nach einem seit zwei Jahren vermissten Türken gesucht, dessen Leiche möglicherweise einbetoniert worden ist. Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass sich die Leiche des Mannes im Fundament einer Lagerhalle der Hells Angels nahe Altenholz bei Kiel befinden könnte. Als Hintergrund werden Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit Drogengeschäften vermutet.

Außerdem gibt es laut einem Pressebericht Hinweise, dass die Rocker eine Folterkammer in der Kieler Innenstadt betrieben haben. Der Keller soll sich auf dem Gelände einer Kfz-Werkstatt in Kiel in der Preußerstraße befinden, schreiben die "Kieler Nachrichten". Dort sei vor zwei Jahren der damals 47-jährige Türke Tekin Bicer über mehrere Stunden hinweg misshandelt und anschließend getötet worden. Das vermuteten die Ermittler, wie aus dem Durchsuchungsbeschluss der Polizei hervorgehe.

Fast 200 Ermittlungsverfahren

Bei einer groß angelegten Durchsuchungsaktion in Schleswig-Holstein und Niedersachsen hatten mehr als tausend Beamte, darunter auch Kräfte der Anti-Terror-Einheit GSG 9, sowie über 60 Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft zahlreiche Bordelle, Kneipen und Wohnungen durchsucht, die dem verzweigten Imperium der Rocker-Organisation zugerechnet werden.

In Hannover wurde das Haus des führenden Hells-Angels-Mitglieds Frank Hanebuth durchsucht. Die Polizisten seilten sich aus einem Hubschrauber in den Garten des Hells-Angels-Anführers ab. Sie erschossen den Hund des Mannes.

Fünf Mitglieder der Führungsspitze des verbotenen Kieler Clubs der Hells Angels wurden festgenommen, wie die Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt (LKA) mitteilten. Zahlreiche Schusswaffen, Messer, Macheten, Computer und Handys wurden beschlagnahmt.

Insgesamt führt die Staatsanwaltschaft im Kampf gegen Rockerkriminalität fast 200 Ermittlungsverfahren gegen 69 Beschuldigte. In Kiel zeigte die Polizei starke Präsenz, um für mögliche Zwischenfälle gewappnet zu sein.

jbr/dpa

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