Fahndung nach mutmaßlichem Kindsmörder 1400 Hinweise - aber keine heiße Spur

Trotz mehrerer Großeinsätze hat die Polizei den mutmaßlichen Kindsmörders Marcel Heße noch nicht aufgespürt. Die Ermittler werten Hunderte Hinweise aus - und eine offenbar verstörende Audiobotschaft.

Fahnder vor einem Krankenhaus in Mönchengladbach
DPA

Fahnder vor einem Krankenhaus in Mönchengladbach


Bei der Fahndung nach dem mutmaßlichen Kindermörder Marcel Heße aus Herne im Ruhrgebiet ist die Polizei am Donnerstag zu mehreren Großeinsätzen ausgerückt. "Wir haben die Vermutung, dass er sich immer noch in NRW aufhält", sagte ein Sprecher der Polizei Dortmund.

Eine heiße Spur gibt es jedoch immer noch nicht - obwohl mehr als 1400 Hinweise aus ganz Deutschland bei den Ermittlern eingingen. "Wir werten diese mit Hochdruck aus", teilten die Behörden mit. Die Polizei habe ihren Einsatz in und um Herne noch einmal verstärkt. Es kämen auch Bereitschaftspolizisten zum Einsatz, Polizisten verteilten Handzettel und Fahndungsplakate, hieß es weiter.

Die Ermittler werteten unter anderem eine digitale Audiobotschaft mit Schilderungen zu der Tat aus. "Wir nehmen an, dass sie vom Täter stammt", sagte ein Polizeisprecher. Dieser beschreibe in der Aufnahme seine Eindrücke nach dem Mord an dem neunjährigen Jaden. Auffallend sei die Gefühlskälte des jungen Mannes. Die Polizei machte keine Angaben, wie sie auf die Botschaft stieß.

Der neun Jahre alte Junge war am Montagabend in Herne erstochen im Keller seines Nachbarn Marcel Heße gefunden worden. Nach Angaben der Polizei verbreitete der 19-Jährige Fotos im Internet, die ihn blutverschmiert neben dem toten Kind zeigen. Heße soll den Jungen unter einem Vorwand in sein Haus gelockt haben.

Fahndungsfoto des mutmaßlichen Täters
Polizei Bochum/dpa

Fahndungsfoto des mutmaßlichen Täters

In der Nacht zu Donnerstag liefen bei Wilnsdorf im Siegerland laut Polizei Fahndungsmaßnahmen mit zahlreichen Streifenwagen, Diensthunden und einem Hubschrauber. Am Nachmittag wurde die Suche ergebnislos eingestellt. Auch ein Krankenhaus in Mönchengladbach wurde durchsucht - allerdings ohne den Flüchtigen zu finden. Eine Zeugin hatte angegeben, den 19-Jährigen zuvor gesehen haben. Die Ermittler schließen inzwischen aus, dass es sich um den Gesuchten handelte.

Die Polizei wies darauf hin, dass der Täter sich bei seiner Tat an der rechten Hand verletzt haben könnte. "Wer kann Angaben zu einem Mann machen, der sich am Abend des 06.03.2017 oder an den darauffolgenden Tagen in einem Krankenhaus, Apotheke oder bei einem Arzt wegen einer Verletzung an der rechten Hand hat behandeln lassen?", heißt es in einer Mitteilung. Heße wird als etwa 1,75 Meter groß mit einer sehr schlanken Statur beschrieben. Er ist Brillenträger und hat kurze blonde Haare.

Außerdem veröffentlichte die Polizei das Foto eines Hundes. Sie fragte, wer Angaben zu dessen Besitzer machen könne. "Das könnte uns in unseren Ermittlungen ein Stück voranbringen", sagte eine Polizeisprecherin. Wie der Hund mit der Tat oder dem mutmaßlichen Täter in Verbindung steht, teilte die Polizei nicht mit.

Die Polizei bittet um Angaben zum Besitzer des Hundes
DPA/ Polizei Dortmund

Die Polizei bittet um Angaben zum Besitzer des Hundes

Der mutmaßliche Mörder gilt als gefährlich. Zeugen sollen ihn nicht ansprechen, sondern den Notruf wählen. Er ist seit Montagabend auf der Flucht und hat offenbar angedeutet, dass er weitere Verbrechen verüben könnte. Im Internet tauchen immer wieder Bilder auf, die ihn auf seiner Flucht zeigen sollen.

Hinweise auf ein mögliches zweites Opfer haben sich bislang nicht bestätigt. Am Mittwoch hatte sich ein Unbekannter im Internet als der Gesuchte vorgestellt und beschrieben, dass er eine Frau überwältigt habe, um an ihre Daten für einen Bankzugang sowie Computer und Telefon zu gelangen. "Wir nehmen das sehr ernst, allerdings gibt es bislang keine Hinweise auf eine vermisste Frau, auf die die Beschreibung passt", hieß es dazu von der Polizei.

mxw/dpa/AFP

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