Doppelmord von Herne Lebenslange Haft für Marcel H. gefordert

Marcel H. tötete zwei Menschen. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft gefordert, den 20-Jährigen zur Höchststrafe zu verurteilen.

Marcel H. (Mitte) und sein Anwalt Michael Emde (links) vor dem Landgericht Bochum
DPA

Marcel H. (Mitte) und sein Anwalt Michael Emde (links) vor dem Landgericht Bochum


Die Staatsanwaltschaft hat im Doppelmord-Prozess gegen Marcel H. lebenslange Haft und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert. Außerdem soll die spätere Anordnung der Sicherungsverwahrung vorbehalten bleiben. Das wäre die Höchststrafe.

Staatsanwalt Danyal Maibaum sprach in seinem Plädoyer im Bochumer Landgericht von "schrecklichen Taten" und einer "grundlosen Ermordung von zwei völlig unschuldigen, jungen Menschen". Marcel H. habe nach den Morden selbst die Öffentlichkeit gesucht und sich durch die Veröffentlichung von Bildern der Leichen in "menschenverachtender Weise" über sie ausgelassen.

Außerdem habe er während seiner dreitägigen Flucht "ganz erheblich für Angst in der Bevölkerung rund um Herne" gesorgt. "Eltern waren verunsichert, haben ihre Kinder nicht zur Schule gebracht", sagte Maibaum. "Alle hatten Angst, dass der Angeklagte weiter zuschlagen könnte."

Als mögliche Motive des Angeklagten nannte er Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben, Sadismus und Angeberei. Er habe von Macht und Größe fantasiert. Marcel H. habe insgesamt 120mal auf seine beiden Opfer eingestochen und später sogar versucht, einen Fuß abzutrennen, um ihn im Internet als Trophäe zu präsentieren.

Marcel H. hat über seinen Verteidiger zugegeben, Anfang März 2017 zunächst den neunjährigen Nachbarsjungen Jaden und anschließend einen ehemaligen Schulfreund, den 22-jährigen Christopher, umgebracht zu haben. Im Prozess selbst hat sich H. nicht zu den Vorwürfen geäußert und auch keinerlei Reaktionen gezeigt. Vor Gericht verzichtete er auch auf sein Recht auf das "letzte Wort" vor der Urteilsverkündung.

Anwalt Til Heene, der im Prozess einen Halbbruder Jadens vertritt, sagte in seinem Plädoyer über den Angeklagten: "Wer aus tiefster Überzeugung derartige Taten begeht, muss damit leben, als Monster bezeichnet zu werden."

In einem Brief an seine Mutter hatte Marcel H. kürzlich erste Anzeichen von Reue gezeigt. Ihm sei erst jetzt bewusst geworden, was er für "einen Schaden" angerichtet habe. Unterzeichnet war der Brief mit der Grußformel: "Dein ratloser Sohn Marcel."

Im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft hält Verteidiger Michael Emde eine Verurteilung zu lebenslanger Haft nach Erwachsenenstrafrecht für falsch. Marcel H. habe eindeutig Reifeverzögerungen und müsse daher auf jeden Fall nach Jugendstrafrecht verurteilt werden.

"Er saß doch nur vorm Computer, spielte Ballerspiele und wenn er rausging, hat er mit einem Holzschwert auf Bäume eingehauen", sagte Emde in seinem Plädoyer. Er sei deshalb auf jeden Fall eher einem Jugendlichen als einem Erwachsenen gleichzusetzen.

SPIEGEL TV: Was trieb Marcel H. an?

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bbr/dpa



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