Doppelmord von Herne Marcel H. zu lebenslanger Haft verurteilt

Er tötete ein Kind und einen früheren Schulfreund: Das Landgericht Bochum hat Marcel H. wegen zweifachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt - möglicherweise muss der 20-Jährige noch in Sicherungsverwahrung.

Marcel H. (r.) und sein Anwalt Michael Emde
DPA

Marcel H. (r.) und sein Anwalt Michael Emde


Im Prozess um den Doppelmord von Herne ist das Urteil gefallen. Marcel H. muss lebenslang ins Gefängnis. Zudem stellte das Bochumer Landgericht die besondere Schwere der Schuld fest. Eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren gilt damit als ausgeschlossen. Die Richter behielten sich wegen der Gefährlichkeit des Angeklagten auch die spätere Unterbringung in der Sicherungsverwahrung vor. Die beiden Morde seien "eine völlig anlasslose Tötung" gewesen, sagte Richter Stefan Culemann in seiner Urteilsbegründung.

Der 20-Jährige hatte vor dem Bochumer Landgericht über seinen Verteidiger gestanden, im März 2017 erst einen neunjährigen Nachbarsjungen und anschließend einen 22-jährigen früheren Schulfreund umgebracht zu haben.

Das Gericht folgte mit seinem Urteil den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Der Anwalt des Angeklagten stellte in seinem Schlussvortrag keinen konkreten Antrag für das Strafmaß.

H. hatte sich im Prozess nicht zu den Vorwürfen geäußert und auch keinerlei Reaktionen gezeigt. Er hoffte auf eine mildere Verurteilung nach dem Jugendstrafrecht. Das wäre möglich gewesen, weil er zur Tatzeit noch nicht 21 Jahre alt war.

"Psychopathische, narzisstische und sadistische" Elemente

Eine Gutachterin forderte jedoch, der 20-Jährige sollte nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden. H. sehe zwar jugendlich aus, tatsächlich sei seine Persönlichkeit aber schon ausgereift, sagte Rechtspsychologin Sabine Nowara. Problematisch seien vor allem "psychopathische, narzisstische und sadistische" Elemente. Diese könnten im Jugendstrafvollzug kaum mehr korrigiert werden.

Obwohl der Angeklagte noch zu Hause gewohnt und seine Freizeit mit Computerspielen verbracht habe, gingen die Richter von einer bereits ausgereiften Persönlichkeit aus.

Die Anklage sprach in ihrem Plädoyer von "schrecklichen Taten" und einer "grundlosen Ermordung von zwei völlig unschuldigen, jungen Menschen". Marcel H. habe nach den Morden die Öffentlichkeit gesucht und sich durch die Veröffentlichung von Bildern der Leichen im Internet in "menschenverachtender Weise" über die Opfer ausgelassen. Außerdem habe er während seiner dreitägigen Flucht "ganz erheblich für Angst in der Bevölkerung rund um Herne" gesorgt.

Zum Motiv gibt es nur Vermutungen. In Betracht kämen Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben, Macht- und Größenfantasien sowie "Befriedigung des eigenen Sadismus und Angeberei", sagte der zuständige Staatsanwalt. H. habe insgesamt 120-mal auf seine beiden Opfer eingestochen.

SPIEGEL-TV-Video: Was trieb Marcel H. an?

SPIEGEL TV

wit/AFP/dpa



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