Als Autounfall getarnt "Aktenzeichen XY" bringt 30 Hinweise zu Mord in Hessen

Adem Bozkurt wurde 1997 per Genickschuss getötet. Doch die Ermittler gingen lange von einem Autounfall aus. Nun wollen sie den Mord aufklären - auch mit Hilfe der ZDF-Sendung

Polizeipräsidium Mittelhessen / DPA

Mehr als 30 Hinweise haben Ermittler nach der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" zu einem als Unfall getarnten Mord erhalten. Darunter seien auch einzelne konkrete Angaben zu Personen, die mit der mehr als 20 Jahre zurückliegenden Tat im Zusammenhang stehen könnten, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Gießen.

Am Vorabend hatte die Ermittlungsbehörde den aufsehenerregenden Fall dem TV-Publikum vorgestellt - und an Zeugen appelliert, sich zu melden. Die Ermittler gehen davon aus, dass es Mitwisser gibt.

In dem Fall geht es um den Mord an Adem Bozkurt im April 1997. Der Mann aus Bad Nauheim war tot in seinem Wagen in Ober-Mörlen (Wetteraukreis) gefunden worden. Erst vor etwa dreieinhalb Jahren gab ein Zeuge den Ermittlern zufolge den Hinweis, dass der Mann umgebracht worden sei. Bei den folgenden Untersuchungen stellte sich heraus, dass der 45-Jährige offenbar durch einen Genickschuss getötet worden war.

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Vermeintlicher Autounfall: Der Fall Adem Bozkurt

Wie konnten die Ermittler das damals übersehen? "Wir gehen davon aus, dass der Täter eine kleinkalibrige Waffe verwendet hat", sagte Staatsanwalt Thomas Hauburger. Das Einschussloch sei nur wenige Millimeter groß gewesen und habe sich unter Haaren befunden. Die blutigen Verletzungen des Opfers hätten sich mit dem Unfall erklären lassen.

Es habe sich auf den ersten Blick auch kein Verdacht auf einen Mord ergeben. Nur bei Anhaltspunkten auf ein Fremdverschulden dürfe aber überhaupt eine Obduktion angeordnet werden. Für die Polizei habe sich das Geschehen damals wie ein Unfall dargestellt.

Belohnung für Hinweise ausgelobt

Nach dem Zeugenhinweis seien jedoch umfangreiche Ermittlungen eingeleitet worden, hieß es. Zeugen seien befragt, der Unfallhergang noch einmal rekonstruiert worden. Die in der türkischen Stadt Izmir bestattete Leiche sei exhumiert worden. Experten hätten festgestellt, dass Bozkurt offensichtlich mit einem Schuss ins Genick getötet worden sei.

Die Ermittler gehen mittlerweile von Mord aus. Nach der überraschenden Wende in dem Fall hatten sie zwischenzeitlich schon drei Verdächtige im Visier. Bereits Ende 2016 durchsuchten sie Wohnungen und vernahmen die drei als Beschuldigte. Es habe sich jedoch kein dringender Tatverdacht ergeben, die Männer hätten deshalb nach der vorläufigen Festnahme wieder freigelassen werden müssen.

"In der Folgezeit wurden weitere aufwendige Ermittlungen, teils auch im Ausland, geführt", erklären Polizei und Staatsanwaltschaft. Diese seien aber bislang ohne durchschlagenden Erfolg geblieben.

Die Ermittler haben eine Belohnung in Höhe von insgesamt 10.000 Euro ausgelobt. Hinweise nimmt die Polizei in Friedberg unter der Telefonnummer 06031-601234 entgegen.

wit/dpa



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