Dorffest in Hessen Amateurfußballer sollen mit "Ausländer raus!"-Rufen verjagt worden sein

Besucher eines Festes in Hessen sollen ein Fußballteam ausländerfeindlich beschimpft haben. Ein Video zeigt, wie aufgeladen die Stimmung war. Die Kripo geht dem Verdacht der Volksverhetzung nach.


Eine Konfrontation bei einem hessischen Dorffest beschäftigt den Staatsschutz des Polizeipräsidiums Osthessen. Es geht um ausländerfeindliche Parolen und Aggressionen gegen eine Amateurfußballmannschaft, die bei der Feier war.

Der Vorfall ereignete sich an einem Wochenende Mitte Juli. Die Amateurfußballer der Sportvereinigung Dietesheim, eines Vereins aus dem Kreis Offenbach, waren zum Trainingslager im Main-Kinzig-Kreis. Am Abend des 14. Juli besuchten Mannschaft und Betreuer - etwa 20 Personen - ein Dorffest im Birsteiner Ortsteil Fischborn. Dort eskalierte die Lage.

Konkret sollen an dem Abend ausländerfeindliche Parolen gerufen worden sein. Daran besteht kein ernsthafter Zweifel. Ein Dietesheimer Spieler postete auf Facebook ein Video, das offenbar an dem Abend aufgenommen wurde. Darin ist zu hören, wie Personen "Ausländer raus!", "Ihr seid alle tot!" sowie "Du Hurensohn" rufen. Die Aufnahme ist dunkel, eindeutig Personen zuzuordnen sind die Äußerungen nicht.

Ein Fußballer soll an dem Abend geschlagen und dabei leicht verletzt worden sein, teilt Polizeisprecherin Anke Vitasek mit. Nachdem die Polizei an dem Abend eingetroffen sei, habe der Mann aber keinen Strafantrag gestellt.

Auf Facebook beschreibt der Dietesheimer Spieler auch, dass die Schuhe eines Mannschaftskollegen, dessen Migrationshintergrund erkennbar sei, bereits vor den Rufen absichtlich mit einem Getränk übergossen worden seien. Der Amateurkicker schreibt: "Ich hätte niemals in meinem Leben gedacht, dass es auch mich treffen könnte, doch es ist geschehen und noch nie habe ich mich auch nur annähernd so erniedrigt gefühlt wie an diesem Tag."

Die Fußballer werfen anderen Festbesuchern zudem vor, sie vom Festplatz zurück zum etwa 500 Meter entfernten Hotel gedrängt zu haben. Zu dem Zeitpunkt hatte gut die Hälfte der Dietesheimer Besucher das Fest allerdings schon verlasen.

Die "hessenschau" zitiert den Dietesheimer Trainer Giovanni Palermo mit den Worten, 30 bis 50 Personen hätten gegen 3.30 Uhr in der Nacht seine Spieler "wie eine Schafherde" Richtung Hotel getrieben; dabei seien ausländerfeindliche Parolen gerufen worden. Beschwichtigungsversuche seien erfolglos geblieben. Palermo verließ die Feier nach eigenen Angaben gegen zwei Uhr nachts. Bis dahin sei alles normal gewesen, sagte der dem SPIEGEL.

"Wir wollten erst mal nur eines - weg"

Vier seiner etwa 20 Spieler hätten einen Migrationshintergrund. "Nach wie vor sind wir total schockiert und sehr enttäuscht", sagt Palermo. Eigentlich sei geplant gewesen, am 15. Juli noch den Tag in Fischborn zu bleiben und dort das WM-Finale anzuschauen. Aber am Morgen seien die Vorfälle aus der Nacht zu präsent gewesen. "Wir wollten erst mal nur eines - weg."

Die Polizei ist derzeit damit beschäftigt, den Ablauf zu rekonstruieren. Insbesondere gehen die Ermittler der Frage nach, ob die Spieler tatsächlich wie beschrieben von dem Fest verjagt wurden.

Bei dem Vorfall nahm die Polizei die Personalien mehrerer Personen auf, die genaue Zahl wollte Sprecherin Vitasek nicht nennen. Es handle sich sowohl um Einwohner Fischborns als auch um Menschen von außerhalb.

Laut Trainer Palermo hielten die Dietesheimer Fußballer zum zweiten Mal ihr Trainingslager in Fischborn ab. Man müsse abwarten, wie sich die Sache entwickle, sagt Palermo. Aber grundsätzlich "würde ich weiter dorthin fahren" - zumal von der Gemeinde und dem Hotel, die ja gar nichts für die Sache könnten, aufrichtige Botschaften des Bedauerns gekommen seien.

ulz

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