Angriffe auf Fahrzeuge Arizona fürchtet den Highway-Schützen

Im US-Bundesstaat Arizona wird an Highways auf fahrende Fahrzeuge geschossen. Ermittler haben innerhalb von zwei Wochen elf Angriffe registriert. Die Taten wecken böse Erinnerungen - und versetzen die Bevölkerung in Angst.

REUTERS/Arizona Department of Public Safety

Auf den Highways im Großraum Phoenix fürchten Fahrer unberechenbare Angriffe: In den vergangenen Tagen wurden immer wieder Fahrzeuge beschossen. Seit dem 29. August hat die Polizei elf Vorfälle registriert. Zuletzt wurde am Donnerstag die Ladefläche eines Lkw beschossen. Der Fahrer bemerkte dies aber erst Stunden später. Das macht es quasi unmöglich, Tatort und Tatzeit exakt zu bestimmen.

Bislang ist bei den Angriffen kein Muster zu erkennen. Die meisten ereigneten sich auf der Interstate 10, einer der Hauptrouten durch Phoenix. Die Schüsse wurden zu verschiedenen Tageszeiten abgegeben, auch die Auswahl der Ziele erscheint wahllos: Limousinen, ein leerer Bus, Geländewagen, Lieferwagen.

Noch wurde niemand lebensbedrohlich verletzt. Ein Mädchen erlitt Schnittwunden im Gesicht, nachdem ein Schuss die Scheibe eines Autos zertrümmert hatte. Dennoch ist die Angst groß, die Polizei berichtet von panischen Anrufern. Inzwischen sind viele Autofahrer dazu übergegangen, Highways zu meiden und Alternativrouten zu benutzen. Die Taten wecken Erinnerungen an zwei Verbrechensserien:

  • 2005 und 2006 schossen zwei Männer im Großraum Phoenix wahllos aus dem Auto heraus um sich. Acht Menschen starben, rund 30 wurden verletzt. Einer der Täter beging vor zwei Jahren im Gefängnis Suizid, der zweite wird lebenslang im Gefängnis bleiben.
  • 2002 terrorisierten zwei Männer den Großraum Washington und die umliegenden Bundesstaaten. Aus einem eigens umgebauten Auto heraus schossen sie mit einem Gewehr auf Zivilisten, die etwa ihr Auto volltankten oder einfach auf einer Parkbank saßen. Zehn Menschen starben. Nach der Festnahme wurde einer der Täter zum Tode verurteilt und 2009 hingerichtet. Der zweite Täter kam lebenslang in Haft.

Die Behörden nehmen die Schüsse in Arizona sehr ernst. Polizeihubschrauber kreisten am Donnerstag über der Interstate 10; auf einer Videowand beobachtete die Polizei Überwachungsaufnahmen aller Freeways im Großraum Phoenix. Die Behörde für öffentliche Sicherheit in Arizona wird vom FBI, der örtlichen Polizei und Undercover-Ermittlern unterstützt.

Behördenchef Frank Milstead sagte, wenn es weitere Taten gebe, sei es nur eine Frage der Zeit, bis sich auf den Straßen eine Tragödie ereignen werde. Er bezeichnete die Angriffe als Terrorismus. Wenn man auf den betroffenen Strecken unterwegs sei, solle man überaus wachsam sein.

Manche Bürger nehmen diesen Appell ein wenig zu wörtlich. Die Website "Daily Beast" berichtet über eine Gruppe selbsternannter Gesetzesschützer, die auf eigene Faust nach den Tätern suchen. Die Polizei sieht das skeptisch. Den Anführer der Gruppe hielten Ermittler kurzzeitig für den gesuchten Schützen.

Die Bevölkerung wird über Social Media, Pressekonferenzen, TV-Interviews und Plakate aufgefordert, den Behörden alles Verdächtige zu melden. Auch Gouverneur Douglas Ducey rief Bürger zur Mithilfe auf.

Bislang sind Tausende Hinweise eingegangen, fast alle erwiesen sich als falsch. Zum Beispiel wurden oft Fälle gemeldet, in denen von anderen Fahrzeugen aufgewirbelte Steine Autoscheiben beschädigten. Allein am Donnerstag kam das viermal vor.

Inzwischen sind 20.000 Dollar Belohnung für Hinweise ausgesetzt, die zur Festnahme des Täters oder der Täter führen. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit könnte den entscheidenden Hinweis bringen - birgt aber auch Gefahren. Zu viel Berichterstattung könnte Nachahmer zu ähnlichen Taten animieren, sagte ein Behördensprecher.

ulz/AP

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