Präventionsprojekt in Berlin Hilfsangebot für pädophile Jugendliche gestartet

Die Berliner Charité weitet ihr Therapieangebot für Pädophile aus. Ab sofort bietet ein Präventionsprojekt 100 Therapieplätze für Jugendliche, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen.

Berliner Charité: "Kein Täter werden"
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Berliner Charité: "Kein Täter werden"


Berlin - Unter dem Titel "Du träumst von ihnen" startet in Berlin ein Präventionsprojekt für pädophile Jugendliche. "Aus dem Projekt 'Kein Täter werden' für erwachsene pädophile Männer wissen wir, dass wir so früh wie möglich therapeutische Hilfe anbieten sollten", sagte Projektleiter Prof. Klaus Michael Beier von der Berliner Charité.

Das Projekt, das Therapieplätze für 100 Jugendliche bieten soll, wird über drei Jahre mit rund 700.000 Euro vom Bundesfamilienministerium gefördert. "Es ist ein wichtiger Baustein im Gesamtkonzept, sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche zu verhindern", sagte Ministerin Manuela Schwesig (SPD).

Das Charité-Institut für Sexualwissenschaft arbeitet dabei eng mit der Vivantes-Klinik für Jugendpsychiatrie zusammen. "Etwa ein Prozent aller Männer ist pädophil. Rechnet man das allein auf 80.000 männliche Jugendliche in Berlin um, gibt es hier 800 von ihnen. Und auch Jugendliche können Täter werden", sagte Beier. Deshalb soll frühzeitig geholfen werden, damit die Betroffenen ihre auf Kinder gerichteten Wünsche bewältigen und kontrollieren lernen, anstatt sie auszuleben.

"Wir hoffen natürlich auch, dass dies in der Pubertät, wo sich Hirnstrukturen noch verändern, für die Betroffenen einfacher ist", sagte Beier. Familiäre Unterstützung sei dabei äußerst wichtig. "Vielen Jugendlichen fällt geradezu ein Stein vom Herzen, wenn sie merken, dass die Eltern trotz allem hinter ihnen stehen."

Nach ausführlicher Diagnose ist eine etwa einjährige Behandlung, vor allem in Einzelgesprächen, vorgesehen. Anders als im Erwachsenenprojekt soll es Medikamente nur in Ausnahmefällen geben. "Oft kommen aber auch zusätzliche psychische Störungen hinzu, die eine psychiatrische Behandlung verlangen", sagte Vivantes-Arzt Tobias Hellenschmidt.

wit/dpa

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