Bielefeld Prozess um Dreifachmord von Hille gestartet

Wegen eines Dreifachmordes müssen sich zwei Männer vor dem Landgericht Bielefeld verantworten. Die Staatsanwaltschaft sieht als Motiv eine "finanziell angespannte Lage".

Angeklagter im Bielefelder Landgericht
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Angeklagter im Bielefelder Landgericht


Wegen dreifachen Mordes aus Habgier sind zwei Männer aus dem ostwestfälischen Hille vor dem Landgericht Bielefeld angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft Jörg W. und Kevin R. vor, zwischen August 2017 und März 2018 drei Menschen getötet und ihre Leichen versteckt zu haben.

Die drei Toten waren im März 2018 auf zwei Bauernhöfen in Hille gefunden worden. Der 51-jährige Jörg W. soll nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft der Initiator der Morde gewesen sein und seinen 24 Jahre alten Ziehsohn Kevin R. dazu angestiftet haben, ihm zu helfen.

Bei den Opfern handelt es sich um einen Nachbarn, einen Hilfsarbeiter und einen Geschäftspartner von Jörg W. Dieser habe sich "aufgrund seiner eigenen finanziell angespannten Lage" zu den Taten entschlossen, sagte Staatsanwaltschaft Christopher York bei der Verlesung der Anklageschrift. R. habe sich aber aktiv daran beteiligt.

Den Nachbarn töteten sie, so der Vorwurf, weil Jörg W. es auf die Rente des 72-Jährigen in Höhe von 1300 Euro abgesehen gehabt habe; Kevin R. hätte auf dem Hof des Opfers einziehen sollen. Vom Konto des zweiten Opfers, einem Hilfsarbeiter, sollen die Angeklagten ebenfalls mehrere hundert Euro an Sozialleistungen für sich selbst genutzt haben. Auch Bargeld sollen sie geplündert haben.

Massive "Vielfachverletzungen"

Im dritten Fall ging es demnach um 5000 Euro, die ein Geschäftspartner von Jörg W. zurückverlangte. W. hatte dem 30 Jahre alten Maurer laut Anklage in Aussicht gestellt, mit dem Geld eine gemeinsame Baufirma aufzubauen. Als der mutmaßliche Betrug auffiel, soll W. beschlossen haben, den 30-Jährigen umzubringen. Kevin R. soll nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft ebenfalls an dem Mord beteiligt gewesen sein.

In allen drei Fällen gingen die Angeklagten nach Angaben der Staatsanwaltschaft äußerst brutal vor. Ihre Opfer malträtierten sie demnach mit einem Messer und brutalen Schlägen; sie schlugen ihnen mit Steinen auf den Kopf oder stießen sie die Treppe hinunter. Die Männer starben an ihren massiven "Vielfachverletzungen", sagte York.

Ob sich die beiden Beschuldigten zu den Vorwürfen im Verlauf des Prozesses äußern werden, ist offen. Jörg W. hat sich nach Angaben des Richters in der Untersuchungshaft gegenüber einer Psychologin eingelassen. Kevin R. hatte bei der Polizei umfangreich ausgesagt und eine direkte Tatbeteiligung abgestritten. Im Prozess wolle er schweigen, hatte sein Anwalt angekündigt.

jpz/dpa/AFP



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