Nach Leichenfunden in Hille Trittbrettfahrer erpressten Opferfamilie

Jörg W. aus Hille wird verdächtigt, drei Menschen aus seinem Umfeld getötet zu haben. Die Ermittler gaben nun weitere Details zu den Ermittlungen bekannt.

Leichenfundort in Hille
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Leichenfundort in Hille


Im Zusammenhang mit den Leichenfunden im ostwestfälischen Hille wurde bekannt, dass Trittbrettfahrer die Familie eines Opfers erpresst haben. Anfang März hätten zwei Männer vorgetäuscht, den vermissten 30-Jährigen in ihrer Gewalt zu haben, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bückeburg.

Die Trittbrettfahrer hätten von der Familie des Mannes aus Stadthagen 45.000 Euro erpressen wollen. Am 4. März hatte die Familie den jungen Mann als vermisst gemeldet. Die beiden 22-Jährigen mutmaßlichen Erpresser hätten in sozialen Netzwerken von dem Verschwinden erfahren und das Lösegeld gefordert.

Am Mittwoch der vergangenen Woche hatten sich die Männer aus der Region um Bielefeld freiwillig der Polizei gestellt. Dabei gaben sie an, sie hätten aus Geldnot gehandelt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft weiter. Zwar sei es zu einem Treffen mit der Familie gekommen. Geld sei aber nicht geflossen.

Unterdessen erhoffen sich die Ermittler wichtige Hinweise von der Obduktion der zwei weiteren Toten, die am Mittwoch auf dem Grundstück des 51-jährigen Jörg W. gefunden wurden.

Der Tatverdächtige hatte nach dem Fund einer ersten Leiche in der vergangenen Woche bereits gestanden, den 30-Jährigen aus dem niedersächsischen Stadthagen mit einem Hammer erschlagen zu haben. Bei den Ermittlungen fanden die Beamten heraus, dass noch zwei weitere Bekannte von W. seit Monaten vermisst werden.

Die Obduktion am späten Donnerstagnachmittag soll nun klären, ob es sich bei den beiden nun gefundenen Toten um die verschwundenen 71 und 65 Jahre alten Männer aus Hille handelt. Hinweise auf mögliche weitere Todesopfer liegen den Behörden nach eigenen Angaben nicht vor.

Die Polizei habe nach dem Fund der ersten Leiche jeden Stein auf den beiden benachbarten Höfen umgedreht und dabei auch Hilfe von Spürhunden, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk in Anspruch genommen. "Es wurde viel umgegraben, es wurden Erdhügel abgetragen und Misthaufen", sagte eine Sprecherin der Bielefelder Polizei. Außerdem seien unter anderem ein Teich und Sickergruben abgepumpt worden.

Die Polizei hat laut der Sprecherin inzwischen die Suchmaßnahmen eingestellt. Sollte es neue Hinweise geben, würden die Ermittler zu den Höfen zurückkehren. Sie haben Gebäude versiegelt und auf Teilen der Grundstücke Absperrband befestigt.

W. ist nach seiner Festnahme im oberbayerischen Reit im Winkl noch nicht nach Nordrhein-Westfalen überstellt worden. Beamte der Bielefelder Mordkommission hätten ihn in Bayern vernommen, sagte die Sprecherin. Dabei hatte der Mann gestanden, den 30-Jährigen mit einem Hammer erschlagen zu haben. Der mutmaßliche Täter und das Opfer standen nach den bisherigen Erkenntnissen in einer Geschäftsbeziehung zueinander.

Die Ehefrau von Jörg W., die mit ihm auf dem Hof in Hille lebt, sei nicht tatverdächtig, teilten die Ermittler mit.

bbr/dpa



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