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Qualvolle Hinrichtung in Arizona: Todeskandidat wurde 15-fache Dosis gespritzt

Hinrichtung von Joseph Wood: Arizona streitet über die Todesstrafe Fotos
REUTERS

Der Todeskampf von Joseph Wood dauerte fast zwei Stunden. Nun werden neue Details zu der qualvollen Hinrichtung in Arizona bekannt: Dem verurteilten Mörder wurden während der Exekution 15 Giftspritzen gesetzt.

Phoenix - Seine verpfuschte Hinrichtung hat in den USA erneut eine Debatte über die Todesstrafe ausgelöst. Joseph Wood schnappte während seiner Exekution am 23. Juli mehr als 600 Mal nach Luft, ehe er für tot erklärt wurde. Während des fast zwei Stunden andauernden Todeskampfes wurde ihm offenbar 15 Mal eine Spritze mit tödlicher Dosis gesetzt. Das geht aus offiziellen Dokumenten hervor, die Woods Anwälte einsehen konnten.

Die Behörden in Arizona behaupten, der verurteilte Doppelmörder Wood habe bei der Hinrichtung nicht gelitten und sei komplett "komatös" gewesen. Eine Autopsie habe außerdem ergeben, dass die Medikamentenmischung direkt in Woods Venen injiziert wurde. Dessen Anwälte sprechen hingegen von einer "schrecklich verpfuschten Exekution", die eigentlich nur zehn Minuten hätte dauern sollen.

Doch aus den nun veröffentlichten Dokumenten geht den Anwälten zufolge hervor, dass der tödliche Drogencocktail - das Beruhigungsmittel Midazolam und das Schmerzmittel Hydromorphon - in der 15-fachen Dosis gespritzt wurde. Insgesamt seien Wood jeweils 750 Milligramm der Mittel injiziert worden, bestätigte auch die Strafvollzugsbehörde des US-Bundesstaates. In den Anweisungen zu Hinrichtungen in Arizona sind laut Generalstaatsanwaltschaft jeweils 50 Milligramm Midazolam und Hydromorphon vorgeschrieben.

Die Dokumente zeigen offenbar auch: Der Leiter der Strafvollzugsbehörde, Charles Ryan, ordnete die zusätzlichen Dosen an. Dies habe sicherstellen sollen, dass Wood während der Hinrichtung sediert bleibe und keine Schmerzen spüre.

Toxikologische Untersuchung

Dale Baich, einer der Anwälte von Wood, forderte eine unabhängige Untersuchung der Vorfälle, diese sei "unbedingt nötig".

Ryan erklärte: "Ich bin einer gründlichen, umfassenden und transparenten Aufklärung verpflichtet." Jeder Aspekt der Hinrichtung solle bei der Untersuchung berücksichtigt werden. Anästhesisten hatten nach dem Debakel im Gefängnis von Pinal County erklärt, sie seien keineswegs überrascht, dass die Exekution so lange gedauert habe. Die Ergebnisse der toxikologischen Untersuchung sollen in vier bis sechs Wochen vorliegen.

Wood war nach dem Mord an seiner Ex-Freundin und deren Vater im Jahr 1991 zum Tode verurteilt worden. Seine Hinrichtung war die dritte Vollstreckung der Todesstrafe in diesem Jahr, die deutlich länger als die geplanten zehn Minuten dauerte. Im Januar war in Ohio der verurteilte Mörder Dennis McGuire erst nach 26 Minuten tot. Bei dem verurteilten Mörder und Vergewaltiger Clayton Lockett vergingen im Bundesstaat Oklahoma im April 43 Minuten, bis der Tod festgestellt wurde. Auch in Oklahoma wurden im Anschluss an den Vorfall weitere Hinrichtungen für ein halbes Jahr ausgesetzt.

Hinrichtungen seit 1976

wit/AP/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 119 Beiträge
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1. Unglaublich
metbaer 02.08.2014
Ich hatte immer gedacht, eine tödliche Injektion sei eine 'einfache Sache', statt dessen scheinen nur Stümper am Werk zu sein. Wenn man das betrachtet, frage ich mich, weshalb so ein Aufriss um Galgen oder Erschiessungskomando gemacht wurde...
2. Na und?
iealml 02.08.2014
Qualvollen Tod gestorben? Na und. Der Herr ist einer der Letzten, der einen solchen Tod nicht verdient haben. Schade nur um das viele Geld, was die amerikanische Justiz jährlich dafür ausgibt.
3. Ethisch und auch medizinisch unverständlich
erational99 02.08.2014
Zunächst einmal: Ich bin Gegner der Todesstrafe. Trotzdem frage ich mich: was machen die da eigentlich (medizinisch)? Mit jedem Muskelrelaxans und Kalium zusätzlich zu Midazolam und Hydromorphon wäre dieser grauenhafte Todeskampf nicht passiert. Früher haben die doch auch so etwas verwendet (Barbiturat + Curare + Kalium), wenn ich da nicht falsch liege. Hoffentlich führt das Ganze dazu, dass USA die Todesstrafe endlich abschafft. Allerdings ist die Meinung über die Todesstrafe so in der "DNA" der Menschen in USA (ähnlich Waffen oder Beschneidung von Jungs), dass sich über die nächsten 30 Jahre nichts ändern wird....
4. Schafft die Todessreafe ab!
gerd33 02.08.2014
Zitat von sysopREUTERSDer Todeskampf von Joseph Wood dauerte fast zwei Stunden. Nun wurden neue Details zu der qualvollen Hinrichtung in Arizona bekannt: Dem verurteilten Mörder wurden während der Exekution 15 Giftspritzen gesetzt. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/hinrichtung-in-arizona-giftspritze-fuer-wood-mit-15-facher-dosis-a-984147.html
Lebenslänglich -ohne Bewährung oder die Möglichkeit einer vorzeitigen Freilassung-sollte ausreichen. Und eine Hinrichtung ist niemals "human" sondern ein barbarischer Akt -egal ob per Injektion bzw. Infusion (sog. Giftspritze) oder per Guillotine, Garotte, Galgen, Gaskammer oder Elektrischem Stuhl. Peinlich für "God's own Country" sich einerseits als Weltpolizist und höchste moralische Autorität zu präsentieren und andererseits an absurden archaischen Traditionen festzuhalten. Noch peinlicher ist allerdings, dass unsere Regierung den USA gegenüber eine Unterwürfigkeit zeigt, die man wohl schon als Arschkriecherei bezeichnen kann.
5.
usatomorrow 02.08.2014
"Nun wurden neue Details zu der qualvollen Hinrichtung in Arizona bekannt" Woher weiß SPON, dass der Tod dieses Mörders "qualvoll" war? Laut dem anwesendem Arzt befand er sich über die gesamte Dauer der Hinrichtung in einem komatösen Zustand: "The IV team, which includes a licensed medical doctor, verified multiple times during the procedure that the inmate was comatose and never in pain," Charles Ryan, director of Arizona's Department of Corrections, said in a statement." http://www.chicagotribune.com/news/sns-rt-us-usa-execution-arizona-20140723,0,2505413.story
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