Qualvolle Hinrichtung Wachen streckten Todeskandidat mit Elektroschocker nieder

43 Minuten dauerte der Todeskampf von Clayton Lockett - nun hat der Strafvollzugschef Details zu der qualvollen Hinrichtung in Oklahoma veröffentlicht. Demnach kämpfte der verurteilte Mörder vor seiner Exekution mit Wachleuten.

AP/Tulsa World

Oklahoma City - Die verpfuschte Hinrichtung des wegen Mordes verurteilten Clayton Lockett in Oklahoma soll Konsequenzen haben - wenn es nach dem Strafvollzugschef des US-Bundesstaates geht. Robert Patton hat sich dafür ausgesprochen, alle Exekutionen auf unbestimmte Zeit auszusetzen. Die Hinrichtungsprozeduren müssten vollständig überprüft werden, schrieb er in einem offenen Brief an Oklahomas Gouverneurin Mary Fallin, eine entschiedene Befürworterin der Todesstrafe. Zudem befürwortete Patton eine "externe Untersuchung" der Hinrichtung am Dienstag.

Patton zeichnet in dem Brief den zeitlichen Ablauf der Exekution im Detail nach. Lockett hatte sich demnach einen Tag vor der Hinrichtung eine Schnittwunde am rechten Arm zugefügt. Am Dienstagmorgen sei es in der Zelle des Todeskandidaten zu einem Kampf mit Wachleuten gekommen. Die Wachen schossen demnach mit einer Elektroschock-Pistole auf Lockett. Er sei gewaltsam aus seiner Zelle geholt und geröntgt worden. Eine letzte Mahlzeit habe Lockett abgelehnt.

Die Giftmischung bei der Hinrichtung bestand aus drei Substanzen: einem Beruhigungsmittel, einem Narkosemittel und einer tödlichen Dosis Kaliumchlorid. Patton schildert nun, dass es Probleme gab, eine Vene bei Lockett zu finden. 51 Minuten lang brauchten die Gefängnismitarbeiter demnach, um eine geeignete Stelle zu finden. Die Giftmischung sei Lockett über einen intravenösen Zugang in die Leistengegend verabreicht worden, da an Armen und Beinen keine geeignete Vene zu finden gewesen sei, so Patton. Die Vene platzte jedoch seinen Angaben zufolge. Daher gelangten die Mittel offenbar nicht in den Blutkreislauf. Dies sei jedoch erst bemerkt worden, als die gesamte Giftdosis bereits verabreicht worden war.

Qualvoller Todeskampf

Daraufhin stoppte Patton die Hinrichtung, zumal ein Arzt bei Lockett einen schwachen Herzschlag registrierte. Es wäre dem Strafvollzugschef zufolge ohnehin unmöglich gewesen, die Exekution fortzusetzen: Lockett habe keine andere geeignete Vene gehabt, und es sei kein weiterer Giftcocktail verfügbar gewesen.

Die US-Strafvollzugsbehörden haben bei den Mitteln für die tödlichen Giftspritzen seit längerem Nachschubprobleme, da sich die europäischen Hersteller der Mittel weigern, diese weiter für Hinrichtungen zur Verfügung zu stellen. Mehrere US-Bundesstaaten experimentieren daher mit nicht erprobten Giftmischungen von nicht bundesweit zertifizierten Herstellern, was auf scharfe Kritik stößt.

43 Minuten nach Verabreichung des ersten Mittels habe Lockett dann einen Herzinfarkt erlitten und sei gestorben, so Patton. In der Zwischenzeit rang der verurteilte Mörder nach Luft, bäumte sich auf und wand sich in einem grauenvollen Todeskampf vor Schmerz, wie Augenzeugen schilderten.

Die für etwa anderthalb Stunden später geplante Hinrichtung von Locketts Mitgefangenem Charles Warner wurde nach dem Vorfall verschoben. Warners Anwältin Cohen erhob schwere Vorwürfe: "Clayton Lockett wurde zu Tode gefoltert." Neben einer Untersuchung forderte sie eine Obduktion und "vollständige Informationen" über die Substanzen des Giftcocktails, "ihre Reinheit, Wirksamkeit, Herkunft und Testergebnisse".

Gouverneurin Fallin signalisierte ihre Bereitschaft, einen 60-tägigen Aufschub für Warners Hinrichtung zu genehmigen - der längste Zeitraum, den das Gesetz in Oklahoma zulässt.

Hinrichtungen seit 1976

wit/AFP/AP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 169 Beiträge
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Seite 1
minando 02.05.2014
1. Das wird....
...die Diskussion "Todesstrafe- ja oder nein" wieder anheizen. Ehrlich gesagt bin ich mir auch nach über vierzig Jahren nicht sicher, ob ich für oder gegen die Todesstrafe bin- es gibt Fälle, da schreit alles in einem danach dass der Täter sterben muss. Und dann so etwas...wirklich...ich weiss es nicht.
Spiegelleserin57 02.05.2014
2. Verletzung der Menschenrechte!
Abscheulich! Dieses Ereignis lässt sich durch nichts entschuldigen. Hoffentlich hat dies rechtliche Konsequenzen. Auch ein zum Tode Verurteilter hat wohl noch ein Recht auf ein qualloses Sterben.
cutestrabbitonearth 02.05.2014
3. Respekt vor den Unternehmen, die nicht mehr liefern
Das Ganze ist so barbarisch, das passt doch gar nicht mehr in die Moderne, aber die Unternehmen verdienen Respekt, wenn ihnen die Medikamente nicht mehr liefern wollen. Obwohl ich ein bisschen skeptisch bin, dass die USA das Zeug nicht herstellen können. So kompliziert hören sich die Lösungen nicht an.
mrotz 02.05.2014
4.
Zitat von minando...die Diskussion "Todesstrafe- ja oder nein" wieder anheizen. Ehrlich gesagt bin ich mir auch nach über vierzig Jahren nicht sicher, ob ich für oder gegen die Todesstrafe bin- es gibt Fälle, da schreit alles in einem danach dass der Täter sterben muss. Und dann so etwas...wirklich...ich weiss es nicht.
Schon aus dem Grund, daß es Fakt ist, daß die Wahrscheinlichkeit eines Justizirrtums echt größer 0 ist, und definitiv unschuldige bereits hingerichtet wurden, spricht eindeutig gegen die Todesstarfe. mfg
deklemens 02.05.2014
5. Armutszeugnis
Wenn die Medienberichte alle so stimmen, ist es für die Verantwortlichen in den USA ein Armutszeugnis. Zum einen, dass es überhaupt in einem "aufgeklärten" Land immer noch Hinrichtungen gibt. Zum zweiten, dass in einem so reichen und hochtechnisierten Land niemand in der Lage ist, eine Giftmischung herzustellen und zu besorgen, welche einen sanften und sicheren Tod bringt. In Ländern, wo die Sterbehilfe zugelassen ist, wie z.B. in der Schweiz, funktioniert es doch mit der Giftmischung scheinbar auch sehr sanft und sicher.
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