Überlebte Hinrichtung Iraner soll offenbar nicht erneut exekutiert werden

Ein 37 Jahre alter Iraner, der seine Hinrichtung überlebt hat, kann nun auf Gnade hoffen. Justizminister Mustafa Pur Mohammadi sagte, es gebe "keinen Grund für eine erneute Exekution".


Teheran - Ein Kilo Crystal Meth hatte der junge Iraner besessen. Vor drei Jahren wurde er deshalb zum Tod durch den Galgen verurteilt. Anfang Oktober wurde der 37-Jährige gehängt und zwölf Minuten nach Vollzug der Strafe für tot erklärt. Der leblose Körper des Mannes wurde zur Beerdigung freigegeben und in eine Leichenhalle gebracht.

Doch am nächsten Tag entdeckte ein Mitarbeiter der Leichenhalle, dass der Mann überlebt hatte. Zunächst hieß es, er solle genesen und dann erneut hingerichtet werden. Doch nun kann der Iraner auf Gnade hoffen. Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur ISNA äußerte sich der Justizminister des Landes, Mustafa Pur Mohammadi, zum Fall. "Es gibt keinen Grund für eine erneute Exekution", sagte er. Im Gegenteil: Dies hätte negative Auswirkungen auf das Image Irans, so Pur Mohammadi. Der Minister kann allerdings nicht anordnen, auf die erneute Exekution zu verzichten. Die Entscheidung darüber liegt beim Gericht.

Menschenrechtler hatten das Urteil zuvor stark kritisiert. Dieser furchtbare Plan zeige einmal mehr "die Grausamkeit und Unmenschlichkeit der Todesstrafe", hieß es in einer Stellungnahme von Amnesty International. "Die iranischen Behörden müssen diese Exekution sofort stoppen." Einen Mann erneut zu hängen, der bereits zwölf Minuten am Galgen hing und für tot erklärt wurde, sei "einfach grauenhaft".

Der 37-Jährige war aus der Leichenhalle in ein Krankenhaus gebracht worden. Dort wird er von bewaffneten Sicherheitskräften bewacht. Über seinen Gesundheitszustand ist nur wenig bekannt. Die staatliche Nachrichtenagentur IRNA hatte am Montag berichtet, der Mann sei ins Koma gefallen.

Iran gehört zu den Ländern, in denen die Todesstrafe am häufigsten vollstreckt wird. Offiziellen Angaben zufolge wurden im vergangenen Jahr 314 Menschen in Iran exekutiert. Amnesty International geht jedoch davon aus, dass die Zahl fast doppelt so hoch ist. Allein in diesem Jahr seien 508 Hinrichtungen durchgeführt worden. Die Angeklagten haben oftmals keinen fairen Prozess zu erwarten.

kha/AP

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