Hinrichtungen Peking will Giftspritze statt Erschießen

In China sollen zum Tode Verurteilte künftig vorwiegend per Giftspritze hingerichtet werden. Peking hält dies für eine "humanere" Art der Exekution. An der Todesstrafe selbst hält der Weltmeister in Sachen Hinrichtungen gleichwohl unbeirrt fest.


Peking - Die Hälfte der Mittleren Volksgerichte in China hätte in den vergangenen zehn Jahren bereits die tödliche Injektion als Exekutionsmethode bevorzugt, sagte der Vizepräsident des Obersten Gerichts in Peking, Jiang Xingchang, der Zeitung "China Daily": "Es wird als humaner angesehen und letztlich von allen Gerichten eingesetzt werden", so Jiang.

Die Menschenrechtsorganisation "Amnesty International" schreibt in ihrem Jahresbericht zu China, dass die Hinrichtung per Giftspritze vor allem einen Vorteil habe: Die Organe der Exekutierten blieben intakt und könnten für Transplantationen entnommen werden. Dies sei in China ein lukratives Geschäft, heißt es. Ein Regierungsvertreter hatte erst im November erklärt, dass die Mehrzahl der für Transplantationen genutzten Organe von exekutierten Gefangenen stamme. Im Juli erlassene neue Bestimmungen untersagten den Handel mit menschlichen Organen und verlangten eine vorab erteilte schriftliche Einwilligung von Organspendern, so der Bericht.

Die tatsächliche Zahl der Hinrichtungen gilt in China noch immer als Staatsgeheimnis. Internationale Menschenrechtsgruppen schätzen, dass jedes Jahr 7000 bis 8000 Menschen exekutiert werden - mehr als irgendwo sonst auf der Welt. Derzeit kann die Todesstrafe bei 68 Tatbeständen verhängt werden - unter anderem auch bei Korruption und Steuerhinterziehung.

Und das wird sich vermutlich auch in Zukunft nicht ändern. So sagte der Präsident des Obersten Gerichts, Xiao Yang, eine Abschaffung der Todesstrafe sei selbst für ohne Gewalt ausgeübte Verbrechen "nicht realistisch". Die Menschen in China seien fest vom Prinzip "Auge um Auge und Leben für Leben" überzeugt. Die Todesstrafe solle allerdings nur bei einer "äußerst kleinen Zahl schwerer Verbrecher" angewandt werden.

Dabei hat Xiao Yang den weltweiten Trend zur strengen Begrenzung oder Abschaffung der Todesstrafe wahrgenommen: "China arbeitet auch in diese Richtung", sagte der höchste chinesische Richter. Schon jetzt muss jedes Todesurteil vom Obersten Gericht überprüft werden.

ala/dpa/Reuters



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