Jahresbericht von Amnesty International Die schlimmsten Henker der Welt

Sie wurden erhängt, erschossen, enthauptet, starben durch Giftinjektion oder auf dem elektrischen Stuhl: Mindestens 778 Menschen wurden 2013 hingerichtet. Die tatsächliche Zahl liegt laut Amnesty International viel höher - dafür sind nur wenige Länder verantwortlich.

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Rizana Nafeek musste sterben, weil sie als 17-Jährige ein ihr anvertrautes Kind getötet haben soll. Die Frau aus Sri Lanka wurde im Januar 2013 in Saudi-Arabien geköpft. In ihrem Prozess hatte sie keinen Anwalt und schlechte Übersetzer. Das scherte die saudi-arabische Justiz nicht. Ein Gnadengesuch Sri Lankas wurde abgelehnt.

Muhammad Afzal Guru wurde im Februar 2013 aufgrund eines Gesetzes verurteilt und hingerichtet, das inzwischen außer Kraft ist. Er wurde geheim in einem Gefängnis in Neu-Delhi gehenkt, seine Familie wurde über den Zeitpunkt der Exekution nicht informiert, durfte seine Leiche nicht begraben.

Der Weißrusse Alyaksandr Haryunou wurde wegen Mordes zum Tode verurteilt, obwohl es im Prozess schwere Verfahrensfehler gegeben hatte und sein Geisteszustand Zweifel an seiner Schuldfähigkeit aufkommen ließ. Die Todesstrafe wurde zunächst aufgehoben, aber nach erneuter Verhandlung verhängt.

Die Fälle von Rizana Nafeek, Muhammad Afzal Guru und Alyaksandr Haryunou stehen stellvertretend für die Vielzahl an Hinrichtungen und Todesurteilen, die Amnesty International in seinem Jahresbericht 2013 dokumentiert.

"2013 war kein gutes Jahr. Es gab einige sehr negative Entwicklungen", sagt Jan Wetzel, Todesstrafen-Experte bei Amnesty. So hätten vier Länder - Indonesien, Kuwait, Vietnam und Nigeria - nach einer Pause wieder Menschen hingerichtet.

In vielen Ländern machen es fehlende Informationsquellen, fehlende staatliche Institutionen oder Bürgerkriege wie beispielsweise in Syrien unmöglich, umfassende Zahlen zu bekommen. Amnesty hat deshalb Mindestwerte ermittelt. Sie sind beklemmend genug:

  • Mindestens 22 Länder richteten 2013 Menschen hin.
  • Mindestens 778 Menschen wurden exekutiert - Dutzende mehr als die bestätigte Zahl 2012.
  • Mindestens 1925 Menschen wurden zum Tode verurteilt.
  • Mindestens 23.392 Menschen sitzen weltweit in Todeszellen.

Die tatsächlichen Zahlen - insbesondere für Hinrichtungen - dürften um ein Vielfaches höher liegen. Das liegt vor allem an China. Amnesty schätzt, dass in dem Land mehr Menschen exekutiert wurden als im Rest der Welt zusammen, die Organisation geht von Tausenden Fällen aus. Weil China Hinrichtungen aber als Staatsgeheimnis behandelt, fließen die Schätzungen nicht in die Amnesty-Zählung ein.

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Der Bericht zeigt, dass ein halbes Dutzend Staaten für einen Großteil der Hinrichtungen verantwortlich waren: China, Iran, Irak, Saudi-Arabien, die USA und Somalia. Vor allem im Irak, in Iran und Somalia sieht Wetzel den "harten Kern, der Hinrichtungen nicht nur fortführt, sondern steigert".

Überall Probleme mit dem Recht auf ein faires Verfahren

Einer größeren Öffentlichkeit bekannt werden nur wenige, oft besonders grausame oder kontroverse Fälle. Berichte wie der von Shin Dong-hyuk, der in einem nordkoreanischen Lager ansehen musste, wie sein Bruder und seine Mutter exekutiert wurden. Die Hinrichtung von Menschen mit geistiger Behinderung. Oder Fälle wie der von Glenn Ford, der Jahrzehnte in der Todeszelle saß, ehe sich seine Unschuld erwies. Das war kein Einzelfall. Allein in den USA gab es seit 1973 nach Angaben des "Death Penalty Information Center" 144 Fälle, in denen Personen aus der Todeszelle freikamen - weil die Anklage entsprechende Vorwürfe fallen ließ, sie begnadigt oder freigesprochen wurden.

Die Todesstrafe in den USA sei gekennzeichnet durch Fehler, Ungereimtheiten, Rassendiskriminierung und - in manchen Fällen - die Verletzung internationaler Rechtstandards. Dabei verfügen die Vereinigten Staaten über ein vergleichsweise gutes Rechtssystem. "Wir finden kein Land, in dem es kein Problem mit dem Recht auf ein faires Verfahren gibt", sagt Wetzel. "Wenn wie in Ägypten 529 Todesurteile in einem Fall verhängt werden und der Prozess gerade einmal zwei Tage dauert, dann ist das weit weg von einem fairen Verfahren."

Amnesty kritisiert, dass in vielen Ländern zum Tode Verurteilten grundlegende Rechte vorenthalten wurden. Oft gibt es keine Gerichtsbarkeit, die diesen Namen verdient. Berichte über durch Folter erzwungene Geständnisse, fehlende Vertretung durch Anwälte oder unfaire Gerichtsverfahren sind keine Ausnahme.

Minderheit an Staaten hält an Todesstrafe fest

Dennoch sieht Wetzel auch positive Entwicklungen. "Der langfristige Trend geht Richtung Abschaffung der Todesstrafe", sagt er. 1899 gab es laut Amnesty mit Costa Rica, San Marino und Venezuela gerade einmal drei Staaten, die auf Hinrichtungen verzichteten. 1948 war dieser Kreis auf acht Länder angewachsen, 1978 umfasste er 19 Staaten. Inzwischen sind Staaten mit Todesstrafe deutlich in der Minderheit:

  • 98 Länder haben sie abgeschafft.
  • 35 Länder haben sie noch nicht abgeschafft, vollstrecken sie aber nicht mehr.
  • 7 Länder sehen sie für besondere Vergehen wie Kriegsverbrechen oder Verbrechen nach Militärrecht vor.
  • 58 Länder halten an ihr fest.

Auf den ersten Blick ergibt das ein Bild, das Amnesty gefallen müsste. Es werden weniger Todesstrafen verhängt. Aber nur ein Drittel der Weltbevölkerung lebt in Ländern, die sie abgeschafft haben.

Wetzel setzt deshalb darauf, dass weitere Staaten umdenken. Auch in Ländern, die Menschen hinrichten, würden Politiker sehen, dass die Todesstrafe nicht funktioniere oder abschrecke. Wetzel wertet das als gutes Zeichen. "Selbst in solchen Staaten gibt es Bewegungen, die Todesstrafe einzuschränken oder abzuschaffen."

Todestrafe weltweit: Urteile und Hinrichtungen 2013
Sie können auf die eingefärbten Länder klicken, um mehr über die Situation in den jeweiligen Staaten zu erfahren.

Anmerkung: Folgende Länder, die die Todesstrafe anwenden, werden nicht dargestellt: Antigua und Barbuda, Barbados, Dominica, die Malediven, die Komoren, St. Kitts und Nevis, St. Vincent und die Grenadinen, Singapur und Tonga. Auf Barbados wurde 2013 eine Person zum Tode verurteilt.

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insgesamt 147 Beiträge
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Seite 1
Pulmoll 27.03.2014
1. Singapur vergessen
Auf der Karte fehlt Singapur. Die sind dort auch nicht zimperlich. Todesurteile werden dort verhängt und zeitnah exekutiert (Mord, Drogenbesitz/Handel, Waffenbesitz/Handel... )
drough 27.03.2014
2. Kann es sein...
das hierbei so manches Drohnenopfer vergessen wurde?
sportlich-gesund 27.03.2014
3. Tzzz
von China ist das allseits bekannt, traurig genug, und einen Hehl machen die Chinesen auch nicht draus. Aber die USA mal wieder vorn dabei... Obama tourt durch Europa, schwingt die Moralkeule, predigt Russland was von Völkerrecht vor, während in Guantanamo hunderte misshandelt werden und in einigen seiner Bundesstaaten Menschen hingerichtet werden... Klasse! Touch your own nose, wäre mal angebracht!
clubmaster01 27.03.2014
4. Na
dann befindet sich die USA ja in der besten Gesellschaft der freiheitlichen, demokratischen Staaten der Welt. Hat Vorbildcharakter! /zynik ende
Jadama 27.03.2014
5. Endlich
sind die USA mal in der richtigen Liste vertreten. Das sind die wahren USA, skrupellose Mörder, die nicht nur im Ausland wahllos zivilisten ihren Zielen Opfern (Stichwort Drohnenangriffe) sondern selbst bei der eigenen Bevölkerung keine Ausnahme machen. In den USA scheint das Volk wirklich der größte Feind des Staates zu sein.
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