Doppelmord von Höfen Trio zu lebenslanger Haft verurteilt

Zwei Menschen wurden getötet, eine 77-Jährige überlebte nur knapp: Im Prozess um den Doppelmord von Höfen hat das Gericht drei Täter zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt.

Angeklagte vor dem Landgericht München II (Archivbild)
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Angeklagte vor dem Landgericht München II (Archivbild)


Im Prozess um den Doppel-Raubmord im oberbayerischen Höfen ist das Urteil gefallen. Das Landgericht München II sprach drei Männer des Mordes, des besonders schweren Raubes und der gefährlichen Körperverletzung schuldig - sie bekamen lebenslange Freiheitsstrafen. Eine Frau wurde zudem wegen Raubes zu acht Jahren Haft verurteilt.

Die 50-Jährige hatte mit ihrem Bruder, ihrem Sohn und einem Bekannten den Überfall auf eine wohlhabende Witwe geplant, bei der sie zuvor als Pflegerin beschäftigt war. Die drei Männer setzten den Plan im Februar 2017 um. Bei der Tat starben eine 76 Jahre alte Freundin und ein 81 Jahre alter Bekannter der Witwe, sie selbst überlebte schwer verletzt.

Für den 44-jährigen Bruder und den 25 Jahre alten Sohn der Ex-Pflegerin stellte das Gericht auch die besondere Schwere der Schuld fest. Damit wäre eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren rechtlich zwar möglich, in der Praxis aber so gut wie ausgeschlossen. Für den vorbestraften 44-Jährigen verhängte die Kammer zudem eine anschließende Sicherungsverwahrung.

Hintergrund
Lebenslange Freiheitsstrafe

Die höchste Strafe, die ein Gericht in Deutschland verhängen kann. Bei Mord ist sie zwingend vorgeschrieben. Aber auch bei anderen besonders schlimmen Verbrechen, etwa Vergewaltigung mit Todesfolge, kann das Urteil „lebenslang“ lauten. Im strengen Wortsinn wird der Täter damit endgültig eingesperrt. Mit Blick auf die Menschenwürde muss er aber eine konkrete Chance haben, später wieder freizukommen. Die lebenslange Freiheitsstrafe kann daher nach frühestens 15 Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden. Der Täter kommt aber nur frei, wenn man ihn dann als nicht mehr gefährlich ansieht. Dafür wird ein Gutachter hinzugezogen und das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung berücksichtigt.

Besondere Schwere der Schuld

Die vorzeitige Entlassung auf Bewährung nach 15 Jahren scheidet in der Regel aus, wenn das Gericht im Urteil die „besondere Schwere der Schuld“ festgestellt hat. Die Richter müssen hierzu Tat und Persönlichkeit des Täters würdigen. Sie prüfen, ob Umstände vorliegen, die das Aussetzen der lebenslangen Freiheitsstrafe nach 15 Jahren unangemessen erscheinen lassen. Das können etwa ein besonders brutales Vorgehen, sadistische Motive des Täters oder die Ermordung mehrerer Menschen durch eine Tat sein. Wird die besonders schwere Schuld festgestellt, muss die Strafvollstreckungskammer nach 15 Jahren die weitere Mindesthaftdauer festlegen. Auch in diesem Fall kommt der Verurteilte erst dann frei, wenn er nicht mehr als gefährlich gilt - vorausgesetzt, er selbst will freikommen.

Sicherungsverwahrung

Unter bestimmten Voraussetzungen kann das Gericht neben einer Freiheitsstrafe anschließende Sicherungsverwahrung anordnen. Sie kommt sowohl bei lebenslangem als auch bei kürzerem Freiheitsentzug in Betracht. Dies dient allein dem Schutz der Allgemeinheit vor gefährlichen Tätern. Sicherungsverwahrte müssen getrennt von den Gefangenen untergebracht werden. Sie haben bessere Alltagsbedingungen und werden intensiv betreut. Es wird regelmäßig geprüft, ob die Unterbringung noch erforderlich ist.

Die Anordnung der Sicherungsverwahrung neben einer lebenslangen Freiheitsstrafe wirkt eigentlich überflüssig. Denn solange der Täter gefährlich ist, muss er im Gefängnis bleiben. Und ist er nicht mehr gefährlich, kommt er nicht in Sicherungsverwahrung, sondern nach frühestens 15 Jahren auf Bewährung frei. Die Entscheidung ist trotzdem nicht sinnlos: Dem Täter muss dann schon im Gefängnis eine umfassende therapeutische Betreuung angeboten werden. Außerdem kann er nach seiner möglichen Entlassung länger und intensiver überwacht werden.

Sonderfall bei Heranwachsenden

Wer bei einer Straftat schon volljährig, aber noch nicht 21 Jahre alt war, muss sich als sogenannter Heranwachsender in einem Jugendstrafverfahren verantworten. Stellt das Gericht fest, dass der Täter in seiner Entwicklung einem Jugendlichen gleichstand, kann es höchstens zehn Jahre Jugendstrafe verhängen, bei einem Mord und besonders schwerer Schuld bis zu 15 Jahre. Wenn die Richter keine Reifeverzögerung sehen, wenden sie normales Erwachsenenstrafrecht an. Selbst dann dürfen sie den Täter bei Mord statt zu lebenslanger Freiheitsstrafe zu zehn bis fünfzehn Jahren verurteilen. Sicherungsverwahrung darf bei Heranwachsenden nicht neben der Strafe angeordnet werden, dass Gericht darf sich diese lediglich „vorbehalten“. Die eigentliche Entscheidung wird dann erst kurz vor Ende des Strafvollzugs getroffen.

In einer Februarnacht drang der 44-jährige Robert P. laut Anklage gemeinsam mit einem Kumpel und dem Sohn der Pflegerin in das Anwesen der Witwe ein. Was sie offenbar nicht wussten: Die Rentnerin hatte Besuch von Freunden - einer 76 Jahre alten Frau aus dem hessischen Eschborn und einem 81-Jährigen aus Hagen in Nordrhein-Westfalen.

"Einzigartiges Verbrechen"

Was dann geschehen sein soll, nannte die örtliche Polizei später ein in seiner Brutalität in der Region "einzigartiges Verbrechen". Die Täter drangen laut Ermittlern zunächst in das Schlafzimmer der Hausbesitzerin ein.

Einer der Räuber soll sich auf die alte Frau gesetzt haben. Dann schlugen sie laut Anklage mit den Fäusten auf den Kopf des Opfers ein, stießen mit dem Schraubenzieher durch die Kopfhaut. Dabei erlitt die Frau lebensgefährliche Verletzungen. Irgendwann sei sie bewusstlos geworden und verstummt, führte die Staatsanwältin vor Gericht aus.

Die Rentnerin wurde mit einem Abschleppseil gefesselt. Die beiden Gäste der Frau hatten sich aufgeschreckt durch den Lärm in ihrem Zimmer eingesperrt. Doch einer der Einbrecher, so die Staatsanwaltschaft, brach die Tür mit der Schulter auf. Mit einer schweren Taschenlampe und anderen Gegenständen soll das Trio auf die beiden Senioren eingeprügelt haben.

Den Ermittlern zufolge schleifte das Trio anschließend die blutüberströmten Körper über zwei Steintreppen ins Kellergeschoss, die Köpfe seien dabei mehrfach gegen die Stufen geschlagen.

Um an den Schlüssel für den Safe zu gelangen, sollen sie den 81-jährigen Hagener noch gequält haben. Letztlich mussten sie den Ermittlern zufolge den Safe aufbrechen, um an Gold und 60.000 Euro Bargeld zu gelangen.

Waltraud P. wurde einige Tage später lebensgefährlich verletzt aufgefunden, ein Nachbar hatte sich Sorgen gemacht. Für ihre Besucher kam jede Hilfe zu spät.

Der Verdacht fiel schnell auf die frühere Pflegekraft. Die polnische Polizei nahm sie Anfang März 2017 fest. In den darauffolgenden Wochen wurden auch ihre mutmaßlichen Komplizen nach Deutschland ausgeliefert.

jpz/dpa



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