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11. September 2018, 16:37 Uhr

Landgericht Paderborn

Verteidiger fordert im Höxter-Prozess Freispruch für Angelika W.

Der Prozess zum "Horrorhaus von Höxter" steht vor dem Abschluss. Angelika W.s Anwalt plädiert auf Freispruch. Der Angeklagten sei kein Mord nachzuweisen.

Im Mordprozess zum sogenannten Horrorhaus von Höxter hat der Verteidiger von Angelika W. Freispruch für die Angeklagte gefordert. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft - zweifacher Mord durch Unterlassen und versuchter Mord - seien nicht haltbar, sagte Anwalt Peter Wüller vor dem Landgericht Paderborn.

Im Fall einer der beiden toten Frauen seien sich die Gutachter nicht einig gewesen, ob der Tod zu verhindern gewesen wäre. Daher müsse im Zweifel zugunsten seiner Mandantin entschieden werden, sagte Wüller zum Abschluss der Plädoyers am 58. Prozesstag. Bei der zweiten Frau sei nicht klar, woran sie überhaupt gestorben sei. "Das Gericht müsste hier spekulieren", sagte Wüller. Die Leiche war laut Anklage zuerst eingefroren, dann zersägt und später in dem Haus in Höxter-Bosseborn verbrannt worden.

Die Staatsanwaltschaft hat lebenslange Haftstrafen für die beiden Angeklagten Wilfried W. und seine Ex-Frau Angelika W. beantragt. Über Jahre hinweg soll das Paar Frauen in ihr Haus nach Höxter gelockt und sie seelisch und körperlich schwer misshandelt haben. Zwei Frauen aus Niedersachsen starben.

Wilfried W.s Verteidiger hatte am Donnerstag siebeneinhalb Jahre Haft und die Einweisung in die Psychiatrie gefordert. W. müsse wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchten Mordes verurteilt werden.

Im Video: Die Morde von Höxter (SPIEGEL TV vom 08.05.2016)

Das Gericht will am 5. Oktober ein Urteil in dem Fall sprechen. Das teilte der Vorsitzende Richter Bernd Emminghaus mit. Nach dem Abschluss der Plädoyers haben die beiden Angeklagten an diesem Freitag noch die Möglichkeit des letzten Wortes. Die Angeklagte hatte im Vorfeld angekündigt, dafür einen ganzen Tag zu benötigen.

Anmerkung der Redaktion: Einer Berichtigung der Nachrichtenagentur dpa zufolge sagte Verteidiger Wüller wörtlich: "Im Zweifel für den Angeklagten". Da er demnach nur seine Mandantin meinte, haben wir die Stelle entsprechend angepasst.

bbr/dpa

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