Mordprozess in Hof Vergiftete Beziehung

Eine Frau ist auf den Partner ihrer Freundin eifersüchtig - und soll den Mann mit Gift ermordet haben. Vor Gericht gibt die 39-Jährige zu, den tödlichen Cocktail gemischt zu haben. Aber als Mörderin sieht sie sich nicht.

Angeklagte mit Anwalt Bernhard Löwenberg
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Angeklagte mit Anwalt Bernhard Löwenberg

Aus Hof berichtet Uta Eisenhardt


Das geht vorüber, dachte Angelika O. über die Gefühle ihrer Freundin Miriam P., verheiratet, gelernte Pflegerin. Die hatte ihr Nachrichten mit Herzchen geschrieben, ihr Blumen und Geschenke geschickt. Sie hatte auch versucht, die Hand von Angelika O. zu halten.

Das geht vorüber, glaubte auch Miriam P. Allerdings dachte sie nicht an ihre Gefühle für Angelika O., sondern an deren Zuneigung zu Manfred J. Angelika O. hatte sich im Januar 2017 in den Mann verliebt. Ein halbes Jahr später waren die 61-jährige Vertreterin und der 64-jährige Disponent zusammengezogen. Manfred J. sollte nur noch wenige Monate zu leben haben.

Wegen seines Todes wird Miriam P. nun vor dem Landgericht Hof der Prozess gemacht. Die Staatsanwaltschaft wirft der 39-Jährigen Mord vor, geht von Eifersucht als Tatmotiv aus. Demnach hatte Miriam P. einen Plan gefasst, um ihren Kontrahenten im Kampf um Angelika O.s Zuneigung aus dem Weg zu räumen.

Der Anklage zufolge setzte Miriam P. den Plan am 13. November 2017 um. An jenem Montag war sie bei Angelika O. und Manfred J. eingeladen. "Miriam sollte sehen, dass ich angekommen bin, dass ich einen lieben Mann habe", berichtet Angelika O. weinend im Zeugenstand. Ihre einstige Freundin muss auf der Anklagebank Platz nehmen: eine füllige Frau mit kurzen, rot gefärbten Haaren.

Das Gastgeschenk: Ethylenglykol, vermischt mit Fruchtsaft

Miriam P. ist angeklagt, Manfred J. mit Ethylenglykol vergiftet zu haben. An jenem 13. November aß sie gemeinsam mit dem Paar Abendbrot. Während Manfred J. die Küche aufräumte, gingen die beiden Frauen eine Runde mit Angelika O.s Hund spazieren. Miriam P. wollte mit der 61-jährigen über ihre Gefühle sprechen. "Das war mir sehr wichtig", schildert Verteidiger Bernhard Löwenberg aus Sicht der Angeklagten. "Ich wollte es nicht zwischen Tür und Angel besprechen."

Über ihren Anwalt gibt Miriam P. zu, dass sie nach dem Spaziergang ihr Gastgeschenk auspackte. Ihre Freundin befand sich gerade im Badezimmer, als sie den Hausherrn dazu animierte, die mitgebrachte Flüssigkeit zu sich zu nehmen: Ethylenglykol, vermischt mit Maracuja-, Orangen- und Kirschsaft.

"Ich wollte nicht, dass Manfred J. stirbt. Ich wollte ihn nur ein paar Tage aus dem Haus bringen", lässt die Angeklagte erklären. Ihr Opfer sollte im Krankenhaus mit Erbrechen und Kreislaufstörungen kämpfen. Derweil wollte sie mit ihrer Freundin Angelika O. darüber sprechen, mit wem diese ihren Lebensabend verbringen wolle - mit Manfred oder mit ihr?

Miriam P. glaubte ihrem Anwalt zufolge, dass die frische Liebe von Manfred J. und Angelika O. abgekühlt sein könnte. Das Paar habe sich in ihrer Gegenwart nie geküsst oder miteinander Händchen gehalten. Außerdem habe Angelika O. gesagt, dass sich Gefühle ändern könnten.

"Das war Alarmstufe"

In der Nacht vom 13. zum 14. November wachte Manfred J. auf. Ihm war übel. Er sei gegen die Wand gelaufen, berichtet seine Lebensgefährtin. Angelika O. fiel die verwaschene Aussprache des Mannes auf, sie alarmierte den Notarzt. Mit Verdacht auf einen Schlaganfall wurde Manfred J. ins Krankenhaus gebracht. Rasch stellte sich heraus, dass es sich um eine Vergiftung handelte.

Was hatte er zu sich genommen?

Angelika O. erkundigte sich beim Hausarzt ihres Lebensgefährten, sie durchsuchte das Haus, den Müll - ohne Erfolg. Miriam P. tröstete sie mit den Worten: "Komm, das wird schon wieder!" Das Bett ihrer Freundin schmückte sie mit Herzchen-Luftballons. Da bekam Angelika O. eine Nachricht von ihrer Tochter: Miriam P. habe ihr gesagt, sie könne warten, bis Angelika O. merke, dass Manfred J. nicht der Richtige für sie sei.

"Das war Alarmstufe", sagt Angelika O. im Zeugenstand. Ihr fiel das Gastgeschenk ein, dessen Reste sie auf dem Tisch erblickt hatte. Manfred J. hatte ihr gesagt, es habe ihm nicht geschmeckt, nur aus Höflichkeit habe er ausgetrunken.

"Was hast du ihm gegeben?", schrie Angelika O. nach eigener Aussage Miriam P. an. Deren Behauptung, das Getränk stamme von einer alten Nachbarin, erwies sich als falsch. Erst da habe Miriam P. zugegeben, die Flüssigkeit im Internet bestellt zu haben.

Miriam P. gefesselt auf der Anklagebank
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Miriam P. gefesselt auf der Anklagebank

Angelika O. raste los, um die Giftflasche zu holen. Die Ärzte sollten den Inhalt analysieren, sollten ihrem Manfred noch helfen. Als sie an jenem 17. November wieder zurückkam, wurde sie verhaftet und als Beschuldigte vernommen, genauso wie Miriam P. und deren Mann. Knapp zwei Wochen später, am 1. Dezember, war Manfred J. tot.

Miriam P. gestand ihre Tat, so wie sie es auch vor Gericht tut. Doch sie will keinen grausamen, heimtückischen Mord aus niederen Beweggründen verübt haben. "Mir wurde erst später bewusst, was ich angerichtet habe", heißt es in der Erklärung des Verteidigers. "Das hatte ich wirklich nicht gewollt."

Vielmehr habe es sich um eine Art Unfall gehandelt, machen Miriam P.s Anwälte geltend. Miriam P. habe möglicherweise nicht verstanden, was sie im Internet recherchiert habe. Möglicherweise habe sie Ethanol mit Ethylenglykol verwechselt.

In dem Verfahren dürfte viel davon abhängen, wie das Gericht Miriam P.s Persönlichkeit einschätzt. Es wird um die dominanten Eltern der Angeklagten gehen und das Selbstbewusstsein, das Miriam P. erst wenige Monate vor der Tat durch eine erfolgreiche Diät gewonnen hatte. Der psychiatrische Gutachter Thomas Wenske wird einiges zu erklären haben.



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