Belgischer Politiker Holocaust-Leugner zu KZ-Besuchen verurteilt

Fünf Besuche von früheren Konzentrationslagern als Strafe: Das hat ein belgisches Gericht für einen Politiker und Holocaust-Leugner entschieden. Das ursprüngliche härtere Urteil wird dafür ausgesetzt.

Laurent Louis
AFP

Laurent Louis


Der belgische Politiker und Holocaust-Leugner Laurent Louis ist von einem Gericht zum Besuch von fünf früheren Konzentrationslagern der Nazis verurteilt worden. Über seine Erfahrungen müsse der ehemalige Abgeordnete dann jeweils einen Bericht anfertigen, entschied ein Berufungsgericht in Brüssel. Im Gegenzug werde eine Verurteilung aus der Vorinstanz zu sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung und 18.000 Euro Strafe für fünf Jahre ausgesetzt.

Im Jahr 2014 hatte Louis gesagt: "Der Holocaust ist von den Pionieren des Zionismus erfunden und finanziert worden." Den Schuldspruch von 2015 für diese Aussage ließ das Gericht aufrecht. Louis soll nun in fünf Jahren jedes Jahr ein anderes ehemaliges Konzentrationslager besichtigen, darunter Auschwitz und Dachau. Nach jedem Besuch solle er "einen Text von mindestens 50 Zeilen" über das Gesehene und seine Gefühle verfassen, heißt es laut der Nachrichtenagentur Belga in dem Urteil.

Seine Berichte muss Louis demnach auch innerhalb eines Monats auf seiner Facebook-Seite veröffentlichen. Der 37-jährige Verurteilte begrüßte das Urteil als "Sieg". Sein Anwalt Sébastien Courtoy sagte der Nachrichtenagentur AFP, mit ihrem Urteil seien die Richter "genau" dem gefolgt, "was wir vorgeschlagen haben". Sein Mandant bedauere aufrichtig seine "Entgleisungen".

Louis ist für seine antisemitische Einstellung bekannt. Zwischenzeitlich war er Chef der rechtsextremen Partei "Debout Les Belges". Von 2010 bis 2014 war er Abgeordneter im belgischen Repräsentantenhaus.

aev/AFP

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