Homosexualität in Ägypten Gericht verurteilt 14 Männer wegen "Unzucht"

Ägypten kriminalisiert Homosexuelle: Ein Gericht hat mehr als ein Dutzend Männer zu Gefängnisstrafen verurteilt - unter anderem weil sie die Regenbogenfahne schwenkten.

Regenbogenflagge bei Konzert von "Mashrou' Leila" im Libanon (Symbolbild)
REUTERS

Regenbogenflagge bei Konzert von "Mashrou' Leila" im Libanon (Symbolbild)


Ein Gericht in Kairo hat 14 Männer zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Der Richter habe das Urteil mit "anormalen" sexuellen Beziehungen begründet, teilte der Anwalt der Männer, Ischak Wadie, mit.

Die Männer traten die Haft demnach jedoch noch nicht an. Sie kamen nach Zahlung einer Kaution von umgerechnet 230 Euro bis zum Beginn der Berufungsverfahren frei. Die Verfahren gegen drei weitere Angeklagte seien aus verfahrenstechnischen Gründen vertagt worden.

Insgesamt hatten seit Anfang Oktober 17 Männer in dem Prozess auf der Anklagebank gesessen. Der Vorwurf: "Unzucht" und "Anstiftung zur Unzucht". Homosexualität als solche ist nach ägyptischem Recht zwar nicht strafbar, allerdings werden Homosexuelle zunehmend mit Vorwürfen wegen "Unzucht" oder auch "Beleidigung der Religion" unter Druck gesetzt. Die Behörden gehen dabei offenbar immer rigider vor.

Verhaftet wegen Schwenken der Regenbogenflagge

Ende September hatten Besucher eines Konzerts der bekannten libanesischen Popgruppe "Mashrou' Leila" in Kairo die Regenbogenflagge - ein internationales Symbol der Schwulen- und Lesbenbewegung - geschwenkt. Danach wurden nach Angaben der Behörden 31 Menschen festgenommen.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach hingegen von mehr als 70 Festnahmen. Einige der Festgenommenen hätten Analuntersuchungen über sich ergehen lassen müssen.

Anfang November verurteilte Amnesty einen im ägyptischen Parlament diskutierten Gesetzentwurf zur Kriminalisierung von Homosexualität scharf. Dieser sieht Strafen von ein bis drei Jahren Gefängnis für "Ersttäter" vor. Dabei spielt es keine Rolle, ob der gleichgeschlechtliche Sex in der Öffentlichkeit oder in privaten Räumen stattfindet. Für "Wiederholungstäter" ist eine fünfjährige Haftstrafe vorgesehen.

fok/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.