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Honduras: Tochter von ermordeter Aktivistin beschuldigt Baufirma

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REUTERS

Aktivisten in Honduras

Bis zu ihrem Tod organisierte die Umweltschützerin Berta Cáceres Proteste gegen ein Staudammprojekt in Honduras. Ihre Tochter macht nun die zuständige Baufirma für den Mord an der Aktivistin verantwortlich.

Berta Cáceres sorgte mit ihrer Arbeit weltweit für Aufsehen: Mal setzte sich die Aktivistin für die Rechte der indigenen Bevölkerung in Honduras ein, mal kämpfte sie für Umweltschutz. Dafür bekam sie viel Anerkennung - und viele Drohungen. Am Ende bezahlte sie ihren Einsatz mit dem Leben: Unbekannte drangen vergangene Woche in ihr Haus in der Stadt La Esperanza ein und töteten sie.

Für Cácares' Tochter ist klar, wer hinter dem Mord steht: Sie erhebt nun schwere Vorwürfe gegen eine Baufirma namens Deza, die für ein Staudammprojekt am Fluss Gualcarque verantwortlich ist. Cácares hatte zuletzt den Protest gegen das "Agua Zarca" organisiert. "Desa hat sie immer wieder bedroht und Auftragskiller bezahlt, um sie zu töten", sagte Berta Isabel Cácares dem mexikanischen Nachrichtenportal "Desinformémonos".

"Wir wissen, dass es in Honduras sehr einfach ist, jemanden dafür zu bezahlen, einen Mord zu begehen", sagte die 25-jährige Studentin. "Aber die Drahtzieher sind mächtige Leute, mit Geld und einem Apparat, der es ihnen erlaubt, solche Verbrechen zu begehen." Auch die Regierung des mittelamerikanischen Landes trage eine Mitschuld an dem Mordanschlag vom Donnerstag, weil sie zahlreiche Konzessionen für Wasserkraft- und Bergbauprojekte auf Ländereien von Indigenen vergeben habe.

Mit ihrer Protestbewegung hatte Cáceres unter anderem den weltweit größten Dammbauer Sinohydro und die Weltbank zum Ausstieg aus dem Projekt zum Bau des Staudamms "Agua Zarca" gezwungen. Wegen ihres Engagements war sie immer wieder bedroht worden. "Berta hat Tausende Drohungen erhalten", sagte ihr Bruder Gustavo. "Sie war nie bewaffnet. Ihr Waffe war ihre Stimme." Die Polizei sei dafür verantwortlich gewesen, seine Schwester zu schützen: "Ihr Tod hätte verhindert werden können."

Nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wäre das Attentat zu verhindern gewesen. "Der feige Mord an Berta war eine angekündigte Tragödie", sagte die Regionaldirektorin Erika Guevara Rosas. "Über Jahre hinweg war Berta das Opfer einer Einschüchterungskampagne, um sie daran zu hindern, die Rechte der indigenen Gemeinschaften zu verteidigen."

Sicherheitsminister Julian Pacheco sagte jedoch, Cáceres habe Personenschutz abgelehnt. Vor ihrem Haus sei lediglich eine Polizeistreife stationiert worden. Allerdings habe sie offenbar zuletzt den Wohnsitz gewechselt, ohne die Behörden zu informieren.

Präsident Juan Orlando Hernández verurteilte den Mord: "Die Tat ist ein Angriff auf Honduras." Der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten, Luis Almagro, nannte die Tat ein fürchterliches Verbrechen und einen Schlag gegen die Menschenrechte.

Die Nichtregierungsorganisation Global Witness rief die Behörden zum Handeln auf. "Indigene werden häufig getötet, weil sie einfach nur ihr Land verteidigen. Der honduranische Staat muss Bertas Mörder finden und ihre Familie und Kollegen schützen", sagte Sprecher Billy Kyte.

brk/dpa

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