Grusel-Clowns in Deutschland Schlechter Scherz

In Deutschland häufen sich Berichte über aggressive Grusel-Clowns. Die Auftritte sind wohl meist als Spaß gedacht, doch längst nicht mehr lustig. Kurz vor Halloween warnt die Polizei mögliche Nachahmer.

Clownsmasken in den USA
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Clownsmasken in den USA

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Eine Frau geht mit ihrem Hund Gassi, da tritt plötzlich ein Mann im Clownskostüm aus dem Gebüsch, in der Hand eine Kettensäge. Mehrfach versucht er sie zu starten, dann nimmt die 48-Jährige Reißaus.

Ein 15-Jähriger ist in den frühen Morgenstunden auf dem Weg zu seiner Ausbildungsstelle, da bemerkt er auf dem Fußweg einen Mann im Clownskostüm. Der Maskierte hat ein Messer in der Hand und geht auf den 15-Jährigen zu. Der Azubi flüchtet.

Eine Frau wartet auf den Bus, da kommt von der anderen Straßenseite ein weißgeschminkter Mann in einem gelben Kostüm mit roten Punkten auf sie zu, in der Hand vermutlich eine Säge. Er folgt dann einem vorbeifahrenden Radfahrer, die Frau alarmiert die Polizei. Der Clown habe ein "ekelhaftes, krankes Lachen" gehabt.

Drei Polizeimeldungen aus drei deutschen Städten: Wesel, Rostock, Greifswald. Die unheimlichen Zwischenfälle geschahen alle seit Donnerstagmorgen - und es sind längst nicht die einzigen. Die Grusel-Clowns gehen um. Ein schwer zu fassendes Phänomen, das seit einiger Zeit in den USA auftritt und sich seither immer weiter verbreitet.

Die Polizei beobachtet den Hype um die Unruhestifter mit Sorge. "Es ist traurig, dass es so eine Entwicklung gibt", sagt etwa Axel Falkenberg von der Polizeiinspektion Anklam. "Wir hoffen, dass die Welle nicht noch größer wird."

Stephen King und McDonald's reagierten

Meist wurden die Opfer nur erschreckt. Doch es ging nicht immer glimpflich aus: In Gelsenkirchen erlitt ein taubstummer Jugendlicher Schnittverletzungen, als er von zwei Unbekannten mit einem Messer bedroht wurde. In Rostock schlug ein Grusel-Clown einen Mann mit einem Baseballschläger.

Bei all diesen Fällen blieben die Täter unerkannt. Das Problem der Ermittler: Wenn nicht zufällig eine Streife in der Nähe ist oder Zeugen den Grusel-Clown ertappen, gibt es nur wenige Ansätze. "Wir sind auf Hilfe angewiesen", sagt Olaf Brauweiler, Pressesprecher der Polizei Gelsenkirchen.

Der Clown ist in der Horrorkultur ein altbekanntes Motiv. Die Figur, die eigentlich Kinder zum Lachen bringen soll, wird in ihr Gegenteil verkehrt. Die bekanntesten Beispiele sind der Erzschurke Joker aus dem Batman-Universum oder Stephen Kings Pennywise aus dem Roman "Es".

In den vergangenen Jahren traten vereinzelt immer wieder unheimliche Clowns in der Öffentlichkeit auf, beispielsweise in England. Seit sich Ende August in den USA die Meldung verbreitete, Clowns hätten im Bundesstaat South Carolina versucht, Kinder in einen Wald zu locken, nimmt das Phänomen ungeahnte Ausmaße an.

Im Web werden Videos von Grusel-Clown-Sichtungen gesammelt, Stephen King bittet um Mäßigung, McDonald's lässt sein Firmenmaskottchen Ronald McDonald kürzertreten.

Nun droht sich der Hype auch in Deutschland zu verselbstständigen: Immer mehr Fälle führen zu immer mehr Aufmerksamkeit - was wiederum den Grusel-Clowns Bestätigung verschafft und Nachahmer animieren kann. Auch für die Medien erwächst daraus eine besondere Verantwortung, sachlich und angemessen zu berichten. Gänzlich ignorieren lässt es sich jedoch nicht, wenn die Polizei in mehreren Städten Deutschlands mit dem Phänomen zu kämpfen hat.

Bald ist zudem Halloween - ein Fest, bei dem sich die Menschen traditionell unheimlich verkleiden und andere erschrecken. Die Beamten seien sensibilisiert und beobachteten die weitere Entwicklung genau, sagt der Gelsenkirchener Polizeisprecher Brauweiler. Er sieht die große Aufmerksamkeit für die jüngsten Angriffe zwiespältig. Die Berichte könnten zwar Nachahmer motivieren, aber auch abschrecken. "Wir warnen alle Neugierigen, die das ausprobieren wollen", sagt Brauweiler.

Je nach Vorgehen können sich die Clowns wegen Bedrohung, Nötigung oder Körperverletzung schuldig machen. Körperliche Übergriffe sind bisher zwar die Ausnahme. Doch auch wenn die meisten Grusel-Clowns nur Spaß im Sinn haben sollten - ihre Auftritte sind alles anderes als spaßig. Denn die Reaktion der Opfer ist unvorhersehbar.

In Gelsenkirchen verletzte sich ein Jugendlicher auf der Flucht so schwer an der Hand, dass er operiert werden musste. Der Grusel-Clown stellte sich wenig später der Polizei: Es war ein Bekannter des Jugendlichen, der seinem Kumpel nur ein bisschen Angst einjagen wollte.

Mit Material der dpa

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