Höxter-Prozess Wilfried W. gesteht offenbar Teilschuld

Überraschung im Prozess um die Geschehnisse im "Horrorhaus von Höxter": Der Angeklagte Wilfried W. hat laut einem Gutachter eine Teilschuld eingeräumt. Bisher hatte er jede Verantwortung von sich gewiesen.

Der Angeklagte Wilfried W.
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Der Angeklagte Wilfried W.


Im Prozess um die tödlichen Misshandlungen im sogenannten Horrorhaus von Höxter hat der Angeklagte erstmals eine Mitschuld eingestanden. Das sagte der als Zeuge geladene Gutachter Michael Osterheider vor Gericht. Bislang hatte Wilfried W. alle Schuld von sich gewiesen.

Über Jahre hinweg sollen W. und seine Ex-Frau Angelika W. mehrere Frauen in ihr Haus nach Ostwestfalen gelockt und dort schwer misshandelt haben. Zwei Frauen aus Niedersachsen starben infolge der Quälereien. Wilfried W. und Angelika W. sind wegen Mordes durch Unterlassen angeklagt. Sie werfen sich gegenseitig vor, die treibende Kraft gewesen zu sein.

Detlev Binder, der Wilfried W. als Pflichtverteidiger vertritt, ließ Gutachter Osterheider überraschend als Zeugen aussagen. Der Experte sollte noch nicht sein Gutachten vorstellen, sondern schildern, wie sich der Angeklagte in Gesprächen von Mai bis Juni im Gefängnis und im Landgericht ihm gegenüber geäußert hatte.

Demnach hatte W. in diesen Gesprächen ein Teilgeständnis abgelegt. Der Angeklagte habe eingestanden, dass er die Gewaltexzesse in dem Haus hätte stoppen müssen. Auch habe er bei einem der zwei Todesfälle unterlasse Hilfeleistung eingeräumt. Er hätte zur Polizei gehen müssen, habe der Angeklagte ihm gesagt, so Osterheider.

Laut dem Gericht hat die Aussage über den Umweg des Gutachters den gleichen Wert wie eine Aussage in der Verhandlung - wenn die Richter überzeugt sind, dass die Worte so gefallen sind.

Wie bereits seit Mitte Juli bekannt ist, hält Osterheider seinem vorläufigen Gutachten zufolge den Angeklagten für voll schuldfähig. Der Professor der Universität Regensburg schätzt Wilfried W. zudem für die Allgemeinheit als gefährlich ein, die Voraussetzungen für eine anschließende Sicherungsverwahrung lägen vor.

Verteidiger Binder attackierte den Gutachter, den er selbst als Zeugen eingeführt hatte. Osterheider habe sich mit seinen Aussagen zu sexuellen Vorlieben des Angeklagten in Widersprüche verstrickt. "Ihm fehlt es an der Kompetenz, er widerspricht sich ständig und ist als Fachmann einfach nicht glaubwürdig", sagte der Anwalt. Kurz zuvor hatte er sich lautstark über die Vorgehensweise des Gutachters aufgeregt: "Nicht nur schlampig, sondern grob schlampig". Binder beantragte, Osterheider als Gutachter abzulehnen.

Über den Antrag wird das Gericht an einem der nächsten Prozesstage entscheiden. Dann will sich auch Osterheider dazu äußern. Auch der Angeklagte kritisierte den Psychiater: Wilfried W. warf Osterheider vor, ihm Dinge in den Mund gelegt zu haben.

jpz/dpa

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