Bluttat in Flensburg Hunderte Menschen gedenken getöteter 17-Jähriger

Nach dem gewaltsamen Tod einer 17-Jährigen kamen etliche Trauernde in Flensburg zusammen. Während der Feier verurteilten afghanische Jugendliche die Tat - ein junger Afghane soll das Mädchen getötet haben.

Gedenkfeier in Flensburg
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Gedenkfeier in Flensburg


Bei einer Gedenkfeier in der Flensburger Nikolaikirche haben rund 200 Menschen der bei einem Gewaltverbrechen getöteten 17-Jährigen gedacht. Die Tat erschüttere und sei nicht zu begreifen, sagte Stadtpastor Johannes Ahrens in seiner Ansprache am Freitagabend. "Unsere Gedanken und Gefühle sind aufgewühlt und unterwegs." Da sei es gut zusammenzukommen - "gleich welcher Herkunft, Sprache und Religion. Um innezuhalten. Um zu trauern. Um zu beten", sagte Ahrens.

Überwiegend junge Menschen kamen in die Nikolaikirche, um an die junge Frau, die am Montag in Flensburg in ihrer Wohnung mit einem Messer erstochen worden war, zu erinnern. Viele brachten Blumen und Lichter mit, die sie vor dem Altar abstellten. Unter den Trauernden waren auch viele Afghanen. Ein 18 Jahre alter Asylbewerber aus Afghanistan sitzt wegen Verdachts des Totschlags in Untersuchungshaft. Das Opfer und der Tatverdächtige waren befreundet.

Die Sehnsucht nach Erklärungen, auch nach vorschnellen Schuldzuweisungen sei beinahe mit Händen zu greifen, sagte Ahrens. "Was uns heute verbindet, ihr Lieben, ist der gemeinsame Verzicht auf Erklärungsversuche. Der Versuchung zu widerstehen, mal eben eine Lösung zur Hand zu haben. Oder die physische Gewalt mit verbaler Gewalt zu beantworten."

Afghanischer Jugendlicher: Wer mordet muss bestraft werden

Einer der jungen Afghanen trat nach dem offiziellen Ende der Gedenkfeier ans Mikrofon und drückte die Trauer der Flüchtlinge aus. "Wir sind auch gegen Mord. Wer mordet muss bestraft werden und zurück in sein Heimatland", sagte er. Ein anderer junger Afghane sang anschließend ein islamisches Lied.

Die Kirche, die Grünen und Flüchtlings-Hilfsorganisationen hatten die Gedenkfeier initiiert. Die eigentliche Trauerfeier für die 17-Jährige ist laut Ahrens in ein bis zwei Wochen vorgesehen.

Der Leichnam war nach der Tat obduziert worden. Sicherheitskräfte hatten die junge Frau am Montagabend mit schweren Stichverletzungen in ihrer Wohnung gefunden. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Der Tatverdächtige hatte selbst den Notruf alarmiert.

Motiv für Gewalttat weiter ungeklärt

Das Motiv für die Gewalttat sei noch nicht geklärt, sagte die Leitende Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt. Ob das Mädchen ihren Freund mehrfach bei der Polizei angezeigt, aber mindestens eine Strafanzeige wieder zurückgezogen habe, werde derzeit untersucht.

"Wir prüfen zurzeit, ob es solche Vorfälle gegeben hat", sagte Stahlmann-Liebelt. Sie betonte, bei der Staatsanwaltschaft sei bislang kein Verfahren gegen den jungen Mann anhängig gewesen.

Das Mädchen und der mutmaßliche Täter waren beide bis zuletzt vor der Tat vom Jugendamt betreut worden. Es sei davon auszugehen, dass im Zuge der engmaschigen Betreuung alle zentralen Probleme besprochen worden seien, sagte Stadtsprecher Clemens Teschendorf.

Das Mädchen sei aufgrund seiner Familiensituation seit vielen Jahren betreut worden. Den jungen Afghanen, der 2015 als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen war, betreut das Jugendamt weiterhin.

Im Video: Altersschwindel bei Flüchtlingen

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ans/dpa



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