Urteil in Ibbenbüren Brüder wegen Tod eines Streitschlichters zu Haftstrafen verurteilt 

Ein 73-Jähriger wollte einen Streit an einer Tankstelle schlichten und wurde von einem Auto überrollt. Jetzt wurden zwei junge Männer verurteilt - sie sollen den Fahrer in Panik versetzt haben.

Angeklagte neben ihrem Verteidiger Thomas Klein
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Angeklagte neben ihrem Verteidiger Thomas Klein


Im Prozess zum Tod eines 73-jährigen Streitschlichters an einer Tankstelle hat das Amtsgericht Ibbenbüren zwei Brüder zu Haftstrafen verurteilt. Die Angeklagten im Alter von 25 und 26 Jahren hätten sich neben Nötigung und gefährlicher Körperverletzung der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht.

Für den Jüngeren der beiden, laut Gericht der Haupttäter, bedeutet der Schuldspruch eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten. Der Ältere wurde zu einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung verurteilt.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Brüder mit ihrer Prügelattacke gegen einen Bekannten eine gefährliche Situation verursacht hatten, in der der Tod des älteren Mannes vorhersehbar gewesen sei.

An einem Abend im März 2017 hatten sie den seinerzeit 25 Jahre alten Bekannten an einer Tankstelle zur Rede stellen wollen. Hintergrund war ein schwelender Streit um angeblichen Verrat und Verunglimpfungen.

Der Senior hatte laut Gericht die eskalierte Auseinandersetzung schlichten wollen und sich immer wieder mit beruhigenden Worten eingemischt. Doch die Brüder ignorierten seine Vermittlungsversuche und setzten ihrem Opfer immer wieder nach. Als der angegriffene Autofahrer schließlich verängstigt mit seinem Wagen fliehen wollte und in Panik vor- und zurücksetzte, überfuhr er den Streitschlichter aus Versehen mehrfach.

Die Ermittlungen gegen den Fahrer hatte die Staatsanwaltschaft eingestellt, weil er nach Ansicht eines Sachverständigen den älteren Herren nicht hatte sehen können. Dem Fahrer sprach der Richter nun zudem noch ein Schmerzensgeld in Höhe von 1200 Euro zu, das die Verurteilten aufbringen müssen.

Der Richter zeigte sich in der Urteilsbegründung insbesondere von der Gefühlskälte des jüngeren Angeklagten abgestoßen. Dieser habe sich nach der Tat in einer Nachricht an einen Kumpel gerühmt, dem Autofahrer "die Fresse poliert" zu haben - und den Tod des Streitschlichters mit keinem Wort erwähnt.

Die Verteidiger kritisierten das Urteil und wollen in Berufung gehen. Aus ihrer Sicht sind ihre Mandanten für den Tod des Mannes nicht zur Rechenschaft zu ziehen.

bbr/dpa



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