"Idioten"-Strafe für Verkehrssünderin Am modernen Pranger

Shena Hardin fuhr mit ihrem Wagen über einen Bürgersteig und wurde dabei gefilmt, nun musste die Frau ihre Strafe antreten: Eine Stunde lang hielt sie in der Öffentlichkeit ein Schild, das sie als "Idiotin" brandmarkte. TV-Sender übertrugen live, wie die Frau an den Pranger gestellt wurde.

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Cleveland - Die Temperaturen lagen um den Gefrierpunkt, als sich Shena Hardin auf den Weg machte. Sie trug eine dicke Winterjacke, den Kragen hochgestellt, zudem Handschuhe, eine Mütze und eine Sonnenbrille. Ganz so, als sollte im Moment größter Scham so wenig wie möglich von ihr zu sehen sein.

Ein Gericht hatte die 32-Jährige dazu verurteilt, sich selbst in der Öffentlichkeit als "Idiotin" zu brandmarken. Damit sollte sie für ein Verkehrsvergehen bestraft werden: Zweimal war die Frau in Cleveland mit ihrem Wagen über einen Bürgersteig gefahren, vorbei am Eingang einer Kindertagesstätte. Hardin wollte offenbar nicht hinter einem stehenden Schulbus warten. Vor Gericht bekannte sie sich nicht schuldig, doch Videoaufnahmen belegten ihre verbotene Abkürzung. Neben der öffentlichen Demütigung wurde ihr für einen Monat der Führerschein entzogen, Hardin muss zudem die Gerichtskosten in Höhe von 250 Dollar tragen.

Am Dienstag und am Mittwoch musste Hardin nun Buße tun, jeweils von 7.45 Uhr bis 8.45 Uhr. Auf dem selbstgeschriebenen Schild stand für jedermann lesbar: "Nur ein Idiot würde auf dem Gehsteig einen Schulbus überholen." Zahlreiche Passanten machten Fotos von Hardin und beschimpften sie. Ein Fernsehsender übertrug live, wie die "Huffington Post" berichtet.

"Sie hätte einfach nur ein paar Sekunden auf den Bus warten müssen", zitiert der Sender "Fox 8 News" die Passantin Lisa Kelley. "Sie hätte auch eine andere Straße nehmen können. Jetzt schaut sie euch an, wie sie da als Idiot an der Ecke steht, gekleidet in Schwarz und mit Sonnebrille, damit niemand sie sieht."

Als ein Reporter des Senders Hardin das Mikrofon unter die Nase hält und ihr eine Entschuldigung entlocken will, dreht sie den Kopf weg. Auch Hardins Mutter, die in einem Auto in Sichtweite auf ihre Tochter wartete, wollte nichts sagen.

Hardin selbst versucht während der Stunde, ihre Umgebung zu ignorieren. In ihrer freien Hand hielt sie abwechselnd Zigaretten und ihr Handy, in die Ohren hatte sie sich Kopfhörer gesteckt.

aar/dapd

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