Prozess um Steuerbetrug Haftstrafe für Schwager des Königs bestätigt

Iñaki Urdangarín, der Mann der spanischen Infantin Cristina, soll wegen Veruntreuung von Spendengeldern für knapp sechs Jahre ins Gefängnis. Das hat das Oberste Gericht in Spanien entschieden.

Iñaki Urdangarín
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Iñaki Urdangarín


Schlechte Nachricht für die spanischen Royals: Das Oberste Gericht in Madrid hat eine langjährige Gefängnisstrafe gegen Iñaki Urdangarín in leicht gemilderter Form bestätigt. Das Madrider "Tribunal Supremo" urteilte, dass der Schwager von König Felipe für fünf Jahre und zehn Monate hinter Gitter muss.

Der frühere Handballstar war im Februar 2017 von einem Gericht in Palma de Mallorca wegen Veruntreuung von sechs Millionen Euro Steuergeldern sowie wegen Geldwäsche, Urkundenfälschung und Betrugs zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Urdangaríns Anwälte hatten gegen das Urteil Berufung eingelegt.

In einer ersten Reaktion sagte ein Sprecher des Königshauses, man habe "absoluten Respekt" vor der Entscheidung der Justiz. Urdangarín hatte 1997 in die spanische Königsfamilie eingeheiratet. Der 50-Jährige ist verheiratet mit der Infantin Cristina, einer der beiden Schwestern von Felipe VI.

Urdangarín und sein damaliger Geschäftspartner Diego Torres sollen zwischen 2004 und 2006 sechs Millionen Euro Spendengelder für die Wohltätigkeitsorganisation Nóos veruntreut haben. Urdangarín hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und einen Freispruch verlangt. Die Staatsanwaltschaft forderte dagegen zehn Jahre Haft. In seinem Urteil blieb der Gerichtshof leicht unter der Vorinstanz, die Urdangarín zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt hatte.

Distanz zum Königshaus

Als die sogenannte Nóos-Affäre Ende 2011 öffentlich wurde, durchlebte Spanien eine seiner schwersten Wirtschaftskrisen seit Jahrzehnten. Das Land stand unter Schock, das Vertrauen in das Königshaus sank rapide. Im Juni 2014 dankte König Juan Carlos im Alter von 76 Jahren zugunsten seines Sohns Felipe VI. ab, um eine Erneuerung der Monarchie zu ermöglichen.

Seit der Aufdeckung des Skandals spielen Urdangarín und die einst beliebte Infantin Cristina in der Öffentlichkeit keine Rolle mehr. Auch der Krönung Felipes blieben beide fern. Die heute 52-jährige Infantin, die Co-Präsidentin einer der Firmen ihres Mannes war, war in dem Verfahren vom Vorwurf der Beihilfe zum Steuerbetrug freigesprochen worden.

Das Paar lebt mit seinen vier Kindern nicht mehr in Spanien, sondern in Genf. Cristina war 2013 auf dem Höhepunkt der Affäre von ihrem Arbeitgeber, einer spanischen Großbank, dorthin versetzt worden.

Das Oberlandesgericht der Balearen entscheidet nun, wann Urdangarín seine Strafe antreten muss - wenn es bei dem aktuellen Urteil bleiben sollte. Der Verurteilte kann noch vor das Verfassungsgericht ziehen.

bbr/dpa/AFP



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