Diamantenhändler täuscht Bank Verhaftungswelle nach Milliardenbetrug

Es ist angeblich der größte Bankbetrug in der Geschichte Indiens. Mittendrin: ein Diamantenhändler der Hollywoodstars, der sich flott ins Ausland abgesetzt hat. In Indien häufen sich dagegen die Festnahmen.

Proteste in Indien nach dem angeblich größten Bankenbetrug der indischen Geschichte
AFP

Proteste in Indien nach dem angeblich größten Bankenbetrug der indischen Geschichte


Nach einem spektakulären Bankbetrug in Indien reagieren die Behörden mit scharfen Gesetzesänderungen und zahlreichen Festnahmen. Im Januar kam ans Licht, dass ein Diamantenhändler die zweitgrößte staatliche Bank um umgerechnet rund 1,43 Milliarden Dollar erleichtert haben soll. Der Schmuckunternehmer, Nirav Modi, befindet sich seither auf der Flucht.

Es ist angeblich der größte Bankenbetrug der Geschichte Indiens. In einer Bankfiliale der Punjab National Bank (PNB) in Mumbai sollen zwischen 2011 und 2017 nicht autorisierte Überweisungen getätigt worden sein. Bankangestellte stehen unter dem Verdacht ,mit Diamantenhändler Modi und seinem Onkel zusammengearbeitet zu haben, um unter anderem falsche Garantieschreiben, sogenannte Letters of Undertakings (LoU), zu erstellen.

Diese hätten es Modi ermöglicht, Kredite von Auslandsniederlassungen indischer Banken zu erhalten. Mit den Geldern aus eben jenen Krediten soll der Schmuckhändler, der auch bei Hollywoodgrößen beliebt ist, dann untergetaucht sein.

Diamantohrringe als Schmiermittel

Nicht aber ohne vorher seine Helfer entlohnt zu haben: Einem Manager der Devisenabteilung der Filiale, der mittlerweile im Zentrum der Ermittlungen steht, soll Modi zwei 60-Gramm-Goldmünzen und ein Paar Diamantohrringe gegeben haben. Mittlerweile sind die Gegenstände laut der indischen Bundespolizei beschlagnahmt worden.

Weshalb ein Betrug in dieser Größenordnung so lange unentdeckt bleiben konnte, ist noch ungeklärt. Frühere Angestellte der Bank sagten, niemand würde groß Acht geben, deshalb sei so ein Betrug leicht anzustellen. Der Bankensektor gilt allgemeinhin als eine der größten Schwachstellen der indischen Wirtschaft. Modis Betrug hat diesem Image nun weiteren Schaden zugefügt.

Modi und die Stars

Nirav Modi ist in der Schmuckszene durchaus bekannt. Hollywoodstars wie Kate Winslet und Dakota Johnson trugen in der Vergangenheit seine Diamanten zur Schau.

Gemeinsam mit seinem Onkel Mehul Choksi ist er Inhaber des Schmuckherstellers Gitanjali Gems. Das Unternehmen hat in Indien rund 4000 Geschäfte und zählt zu den größten Schmuckverkäufern der Welt. Keiner von beiden ist mit dem indischen Premierminister Narendra Modi verwandt.

Mehr als ein Dutzend Festnahmen

Die Polizei verhaftete indes über ein Dutzend Personen mit angeblichen Verbindungen zu dem Fall. Darunter Bankmitarbeiter, Angestellte und Juweliere von Modis Unternehmen Firestar international. Auch ein ehemaliger Direktor von Gili Jewelry, einem weiteren Unternehmen von Choksi wurde festgenommen. Er soll Papiere in Verbindung mit dem Betrug autorisiert haben.

Der indische Staat will als Reaktion auf den Betrug zudem mit einem neuen Gesetz mutmaßlichen Wirtschaftskriminellen die Flucht erschweren. Das Kabinett in Neu Dehli verabschiedete einen Gesetzentwurf, nach dem Behörden das komplette Vermögen eines Verdächtigen beschlagnahmen können, wenn er das Land verlassen hat und sich weigert, in Indien vor Gericht zu erscheinen. Das Gesetz muss noch vom Parlament beschlossen werden.

Sobald ein Gericht einen Verdächtigen zum "flüchtigen Straftäter" erklärt hat, könnten Behörden nach dem neuen Gesetz sämtlichen Besitz und alle Anlagen von ihm einziehen. Es ist damit nicht nur auf Profite aus Verbrechen beschränkt. Finanzminister Arun Jaitley kündigte an, zudem internationale Kooperationen aufbauen zu wollen, mit denen auch ausländischer Besitz von Flüchtigen eingezogen werden soll.

Modi weiter auf der Flucht

Modi und Choksi befinden sich weiter auf der Flucht. Sie sollen Indien gemeinsam mit ihren Familien bereits verlassen haben, bevor der Betrug ans Licht kam. Die indische Strafverfolgungsbehörde sagte, dass sich Modi Berichten zufolge in Hongkong aufhalte.

Die Schmuckmilliardäre gaben über Briefe zu verstehen, dass sie unschuldig seien. In Indien kam es nach dem Bekanntwerden des Betrugs zu Protesten gegen Korruption im Bankensektor, bei denen Demonstranten das Konterfei Modis verbrannten.

Laut einer indischen Zeitung schrieb er an seine Angestellten: "Meine Läden konfisziert, die Bankkonten eingefroren, ich kann keine Löhne zahlen. Es wäre gut, würden Sie sich nach anderen Karrierechancen umsehen."

ans/Reuters/dpa

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
danido 04.03.2018
1.
Peanuts
hh-lover 05.03.2018
2. Force India Chef wird ebenfalls Unterschlagung unterstellt
Es ist irgendwie sehr komisch, dass der indische Staat seine erfolgreichen Unternehmer erst feiert und dann wegen Betrugs in Milliardenhöhe anklagt. Bei Hrn. Mallya ist die Pleite von dessen Kingfisher Airline der Auslöser gewesen. Erst hat man der Airline wie bei uns Air Berlin das Leben zur Hölle gemacht, in dem die Staatsairline ihn mit unfairen Mitteln bekämpft hat und dann nach der Pleite soll er mit seinem gesamten Privatvermögen haften. Na ja, es ist halt Indien und dort kommt es immer noch auf die Kastenzugehörigkeit an. Ist man in der Falschen, dann muss man mit Allem rechnen. Kapitän setzt einen A320 auf einem Golfplatz auf, da sich der Co-Pilot aus einer unteren Kaste nicht getraut hat, etwas zu sagen... Indien bleibt ein Schwellenland, in dem es für die unteren Kasten kein Recht gibt. Good old Empire sei dank.
tailspin 05.03.2018
3. Nutzen-Kosten Verhaeltnis
1.4 Mrd $ abgesahnt mit 2 Unzen Gold und en paar Ohrringen, sagen wir mal $ 5000 Einsatz. Wow! Die Rendite ist noch besser als bei Politikerbestechung. Dabei wollte MP Modi doch das Bargeld abschaffen zur Verbrechensbekaempfung. Jetzt hat er den Mist im eigenen Hause, sprich in der staatlichen Punjab National Bank. Die Intelligenz dieser Leute ist offenbar nur zweitklassig oder niedriger..
andysamak70 05.03.2018
4. Betrug und Klauerei
sind eher das Normale in Laendern wie Indien ich mach' schon seit etw 20 Jahren nichts mehr in Indien da man dort andauernd reingelegt wird.
fettbemmedesgrauens 05.03.2018
5. unverständlich
Der Artikel lässt offen, warum ein Schmuck-Milliardär überhaupt betrügen sollte, wenn er dadurch offensichtlich sein Geschäft verliert. Entweder hat er hohe Schulden und sein Unternehmen steht kurz vor der Insolvenz. Oder ihm soll irgendwas angehängt werden. Mit den im Artikel dargestellten informationen macht das Ganze jedenfalls wenig Sinn. Schwache Berichterstattung.
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