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Politiker in Indien: "Handys sind schuld an Vergewaltigungen"

Mit einem eigenwilligen Vorschlag wollen Politiker eines indischen Bundesstaates Übergriffe auf Frauen verhindern: In Schulen und Universitäten soll es keine Handys mehr geben, um zu verhindern, dass potenzielle Opfer in Hinterhalte gelockt werden.

Neu Delhi - Politiker eines indischen Regionalparlaments haben vorgeschlagen, Mobiltelefone in Schulen und Universitäten zu verbieten - um auf diese Weise Vergewaltigungen zu unterbinden. Über die Idee des Ausschusses für Frauen und Kinder im südindischen Bundesstaat Karnataka berichten indische Medien. Die 23 Mitglieder des Ausschusses hätten den kontroversen Vorstoß in einem Bericht an die beiden Kammern des Parlaments von Karnataka untergebracht.

"Wir haben in unseren Beratungen herausgefunden, dass Mobiltelefone schuld sind an Entführungen und Vergewaltigungen unter Schulmädchen und Studentinnen", sagte die Chefin des Ausschusses, Shakuntala Shetty, laut der Zeitung "Indian Express". Sie habe mit betroffenen jungen Frauen gesprochen. Diese hätten ihr in mehreren Fällen berichtet, dass sie einen unbeantworteten Anruf auf ihrem Handy registriert und anschließend zurückgerufen hätten. "So ist es dann losgegangen", so Shetty. Die Mädchen seien an abgeschiedene Plätze gelockt und dort vergewaltigt worden.

Mobiltelefone seien nicht zwingend wichtig für Schüler, daher habe man im Komitee dafür gestimmt, sie zu verbannen. Erst mit der Volljährigkeit könnten junge Frauen entscheiden, was richtig und was falsch sei, sagte Shetty der "Times of India".

Überwachungskameras in Polizeistationen

Andere Vorschläge der Politiker erscheinen weniger eigenwillig: So fordert das Komitee regelmäßige Seminare und Aufklärungsprogramme an Schulen und Universitäten, um Übergriffe gegen Frauen zu verhindern. In Polizeistationen solle eine Videoüberwachung installiert werden, um die Geschehnisse dort transparenter zu machen. Außerdem müsse zumindest ein Fünftel der Beamten weiblich sein. Zusätzliche solle es auch spezielle Polizeistationen für Frauen geben. Es sei wichtig, dass die Polizei Frauen mit Respekt begegne, wenn diese Übergriffe anzeigen wollten.

In Bezug auf den geforderten Handy-Bann sagte der Bildungsminister von Karnataka, Kimmane Ratnakar, er glaube nicht daran, dass so etwas durchsetzbar sei. Man könne aber Bereiche ausweisen, in denen die Mobiltelefone nicht benutzt werden dürften. Er gehe aber ohnehin nicht davon aus, dass Handys etwas mit Vergewaltigungen zu tun hätten. "Es gibt viele andere Gründe dafür."

Zuletzt hatte am Freitag eine Vergewaltigung im ostindischen Bundesstaat Jharkhand Empörung ausgelöst. Dort hatte das Oberhaupt eines Dorfes die Vergewaltigung einer 14-Jährigen angeordnet. Es ging darum, ihren Bruder zu bestrafen. Der soll eine andere Frau belästigt haben. Mittlerweile sollen der mutmaßliche Vergewaltiger, das Kasten-Oberhaupt und der Bruder des Mädchens festgenommen worden sein.

chs

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Frauenrechte in Indien: "Vergewaltigungen sind inakzeptabel"

Fläche: 3.166.414 km²

Bevölkerung: 1213,370 Mio.

Hauptstadt: Neu-Delhi

Staatsoberhaupt:
Pranab Mukherjee

Regierungschef: Narendra Modi

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