Übergriff in indischem Bus Schwestern wehren sich mit Gürtelschlägen gegen sexuelle Belästigung

Ein Handyvideo zeigt dramatische Szenen in einem indischen Bus: Zwei junge Frauen schlagen mit Gürteln auf mehrere Männer ein - und wehren so offenbar einen sexuellen Übergriff ab.

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Neu-Delhi - Arti K., 22, und ihre Schwester Pooja, 19, waren unterwegs in einem Bus im Bezirk Rohtak im nordindischen Bundesstaat Haryana, als es passierte. Drei junge Männer hätten sie während der Fahrt "bedroht und sexuell belästigt", sagte eine der Schwestern der Nachrichtenagentur Press Trust of India. "Einer von ihnen hat meine Schwester begrapscht." Nach einem hitzigen Wortgefecht habe der junge Mann zwei Freunde aufgefordert, die Schwestern zu verprügeln. "Während ich von zwei Männern festgehalten wurde, hat der Dritte meine Schwester geschlagen", sagte eine der jungen Frauen.

Von den übrigen Passagieren sei den Schwestern niemand zu Hilfe gekommen, lediglich eine schwangere Frau habe den Vorfall mit ihrem Handy gefilmt, berichtete die Zeitung "Times of India". Offenbar wussten sich die Schwestern dann selbst zu helfen. "Wir haben unsere Gürtel zur Selbstverteidigung eingesetzt", sagte eine der Frauen der BBC. In dem Video ist zu sehen, wie die Schwestern mit den Gürteln auf die Angreifer einschlagen.

Was dann passierte, schilderten die jungen Frauen so: Die Männer schubsten sie aus dem Bus und wurden erneut handgreiflich. Erst als die Schwestern einen Ziegelstein auf die Angreifer warfen, flüchteten sie. Laut "Times of India" brachte die schwangere Frau die beiden leicht verletzten Studentinnen zu einer Polizeiwache.

Busfahrer suspendiert

Polizeiangaben zufolge wurden die drei Männer am Sonntag verhaftet. Ihnen droht eine Anklage wegen Körperverletzung und sexueller Belästigung. Auch gegen den Busfahrer und einen Kontrolleur wird ermittelt - wegen unterlassener Hilfeleistung. Sie wurden am Montag vom Dienst suspendiert.

Im Dezember 2012 hatte die tödliche Gruppenvergewaltigung einer jungen Frau in einem Bus in Neu-Delhi Massenproteste gegen die alltägliche Gewalt gegen Frauen ausgelöst. Seitdem wurden die Strafen für Vergewaltigung zwar verschärft - so steht etwa auf Vergewaltigung mit Todesfolge die Todesstrafe.

Frauenrechtsaktivisten zufolge werden Sexualverbrechen jedoch in vielen Fällen bis heute nicht ernsthaft geahndet. Nach Angaben der Regierung wird in Indien alle 22 Minuten eine Frau vergewaltigt. Aktivisten gehen aber von einer weitaus höheren Dunkelziffer aus, da die Opfer sexueller Gewalt häufig sozial geächtet werden und die Übergriffe nicht melden.

Die Regierung des Bundesstaates Haryana forderte Polizei und Transportbehörde auf, mehr für die Sicherheit von weiblichen Fahrgästen zu tun. Zudem will die Regierung Arti und Pooja K. auszeichnen. Der Vater der Schwestern lobte seine Töchter: "Ich bin stolz auf sie und hoffe, dass andere Mädchen ihrem Beispiel in Zukunft folgen werden."

wit

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