Entscheidung des Obersten Gerichts Sex von Homosexuellen in Indien nicht mehr strafbar

In Indien soll gleichgeschlechtlicher Sex nicht mehr bestraft werden. Das hat das Oberste Gericht des Landes entschieden - und damit ein mehr als 150 Jahre altes Gesetz gekippt.

Menschen feiern in Mumbai die Entscheidung
REUTERS

Menschen feiern in Mumbai die Entscheidung


Das Oberste Gericht in Indien hat nach jahrelangem Rechtsstreit das Verbot von homosexuellem Geschlechtsverkehr aufgehoben. Das Verbotsgesetz, das 1861 unter britischer Kolonialherrschaft in Kraft gesetzt worden war, sei ein "Instrument der Diskriminierung" von schwulen, lesbischen, bi- und transsexuellen Menschen geworden, sagte Richter Dipak Misra in Neu-Delhi.

Mit ihrer Entscheidung strichen die Richter den Paragrafen 377 teilweise aus dem indischen Strafgesetzbuch. Das darin ebenfalls geregelte Verbot von Sex mit Tieren bleibt den Angaben zufolge aber bestehen.

Menschenrechtsaktivisten feierten das Urteil, dem ein jahrelanges Hin und Her vor Indiens Gerichten vorausgegangen war. "Ich bin sprachlos", sagte der Student Rama Vij. "Es hat lange gedauert, aber nun kann ich endlich sagen, dass ich frei bin und die gleichen Rechte habe."

Bisher bis zu zehn Jahre Haft

Das Land ist gesellschaftspolitisch konservativ, Homosexualität galt lange als Tabu. Die Kriminalisierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen aus der britischen Kolonialzeit wurde nach der Unabhängigkeit des Landes 1947 beibehalten.

Das Gesetz von 1861 stellt "körperlichen Verkehr gegen die Ordnung der Natur" unter Strafe. Im Jahr 2016 wurden knapp 2200 Anzeigen unter diesem Tatbestand registriert, sieben Menschen wurden verurteilt. Nach Paragraf 377 konnten homosexuelle Akte mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden - auch wenn sie im Privaten und mit Einverständnis unter Erwachsenen stattfanden.

Seit den Neunzigern hatten Aktivisten in dem 1,3-Milliarden-Einwohner-Land versucht, Homosexualität auf dem Rechtsweg zu entkriminalisieren. Ein Gericht in Delhi gab 2009 dem Antrag statt. Das Oberste Gericht hob das Urteil 2013 allerdings auf und setzte die Strafandrohungen wieder in Kraft.

wit/dpa



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