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01. Januar 2013, 12:30 Uhr

Tod von Inderin

Polizei vereitelt Bombenanschlag auf Haus von mutmaßlichem Vergewaltiger

Der Tod der vergewaltigten Inderin löst offenbar radikale Reaktionen aus: In Neu-Delhi hat die Polizei einem Agenturbericht zufolge nahe der Wohnung eines der mutmaßlichen Täter einen Bombenanschlag verhindert. Ein Mann wurde festgenommen, zwei weitere hätten fliehen können.

Neu-Delhi - Die Wut nach dem Tod der brutal vergewaltigten Studentin in Indien scheint mit jedem Tag größer zu werden. In Neu-Delhi hat die Polizei offenbar einen Anschlag auf das Haus eines der Tatverdächtigen verhindert. Ein mutmaßlicher Bombenleger sei festgenommen worden, zwei weitere hätten fliehen können, berichtete die Nachrichtenagentur IANS am Dienstag unter Berufung auf die Polizei. Zwei selbstgebaute Sprengsätze seien sichergestellt worden. Anwohner des Slums im Süden Neu-Delhis hätten die Polizei alarmiert, als die drei Männer gedroht hätten, das Haus des Beschuldigten in die Luft zu sprengen.

Die Polizei griff den 37-Jährigen in der Nähe der Slumsiedlung Ravi Dass Camp auf, teilte die Behörde nach AFP-Angaben mit. Vier der sechs mutmaßlichen Täter sollen in der Siedlung beheimatet sein. Der Sprengsatz wurde aus Chemikalien gebastelt, die auch für Feuerwerkskörper verwendet werden.

In Indien lassen das Entsetzen und die Trauer über das Schicksal der 23-Jährigen nicht nach, die am 16. Dezember in einem Bus von sechs Männern vergewaltigt und misshandelt worden war und am vergangenen Samstag in einem Krankenhaus in Singapur ihren Verletzungen erlag. Auch der Freund der Vergewaltigten wurde bei dem Vorfall schwer verletzt. Freunden zufolge wollte die Studentin ihren 28-jährigen Freund im Februar heiraten. Der Bombenanschlag sollte dem Bericht zufolge dem Haus des Mannes gelten, der den Bus steuerte.

Fünf Männer und ein minderjähriger Jugendlicher sollen sich wegen der Tat wegen Mordes verantworten. In Indien gibt es die Todesstrafe, sie wird aber nur selten vollstreckt. Nach Polizeiangaben sind die Ermittlungen beinahe abgeschlossen. Die offizielle Anklageerhebung gegen die Tatverdächtigen soll am Donnerstag erfolgen.

Angesichts des Schocks über den Tod der Studentin wurden zum Jahresende zahlreiche Silvesterfeiern abgesagt. Auch Hotels und Bars fuhren ihr Silvesterprogramm zurück. Zudem erwägt die regierende Kongresspartei Medienberichten zufolge einen Gesetzesvorstoß zur chemischen Kastration von Sexualverbrechern. Das gehöre zu einem Katalog schärferer Strafen, die diskutiert würden, berichtete unter anderem die "Economic Times" am Montag unter Berufung auf Parteikreise. Die oppositionelle hindu-nationalistische BJP forderte Schnellverfahren und die Todesstrafe für Vergewaltiger. Auch der Bruder des Opfers forderte die Todesstrafe und sagte der Zeitung "Indian Express": "Wir wollen die Beschuldigten hängen sehen, und wir werden dafür bis zum Ende kämpfen."

yes/AFP/dpa

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