Tod von Inderin: Polizei vereitelt Bombenanschlag auf Haus von mutmaßlichem Vergewaltiger

Der Tod der vergewaltigten Inderin löst offenbar radikale Reaktionen aus: In Neu-Delhi hat die Polizei einem Agenturbericht zufolge nahe der Wohnung eines der mutmaßlichen Täter einen Bombenanschlag verhindert. Ein Mann wurde festgenommen, zwei weitere hätten fliehen können.

Demonstrant in Indien: Offizielle Anklageerhebung soll am Donnerstag stattfinden Zur Großansicht
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Demonstrant in Indien: Offizielle Anklageerhebung soll am Donnerstag stattfinden

Neu-Delhi - Die Wut nach dem Tod der brutal vergewaltigten Studentin in Indien scheint mit jedem Tag größer zu werden. In Neu-Delhi hat die Polizei offenbar einen Anschlag auf das Haus eines der Tatverdächtigen verhindert. Ein mutmaßlicher Bombenleger sei festgenommen worden, zwei weitere hätten fliehen können, berichtete die Nachrichtenagentur IANS am Dienstag unter Berufung auf die Polizei. Zwei selbstgebaute Sprengsätze seien sichergestellt worden. Anwohner des Slums im Süden Neu-Delhis hätten die Polizei alarmiert, als die drei Männer gedroht hätten, das Haus des Beschuldigten in die Luft zu sprengen.

Die Polizei griff den 37-Jährigen in der Nähe der Slumsiedlung Ravi Dass Camp auf, teilte die Behörde nach AFP-Angaben mit. Vier der sechs mutmaßlichen Täter sollen in der Siedlung beheimatet sein. Der Sprengsatz wurde aus Chemikalien gebastelt, die auch für Feuerwerkskörper verwendet werden.

In Indien lassen das Entsetzen und die Trauer über das Schicksal der 23-Jährigen nicht nach, die am 16. Dezember in einem Bus von sechs Männern vergewaltigt und misshandelt worden war und am vergangenen Samstag in einem Krankenhaus in Singapur ihren Verletzungen erlag. Auch der Freund der Vergewaltigten wurde bei dem Vorfall schwer verletzt. Freunden zufolge wollte die Studentin ihren 28-jährigen Freund im Februar heiraten. Der Bombenanschlag sollte dem Bericht zufolge dem Haus des Mannes gelten, der den Bus steuerte.

Fünf Männer und ein minderjähriger Jugendlicher sollen sich wegen der Tat wegen Mordes verantworten. In Indien gibt es die Todesstrafe, sie wird aber nur selten vollstreckt. Nach Polizeiangaben sind die Ermittlungen beinahe abgeschlossen. Die offizielle Anklageerhebung gegen die Tatverdächtigen soll am Donnerstag erfolgen.

Angesichts des Schocks über den Tod der Studentin wurden zum Jahresende zahlreiche Silvesterfeiern abgesagt. Auch Hotels und Bars fuhren ihr Silvesterprogramm zurück. Zudem erwägt die regierende Kongresspartei Medienberichten zufolge einen Gesetzesvorstoß zur chemischen Kastration von Sexualverbrechern. Das gehöre zu einem Katalog schärferer Strafen, die diskutiert würden, berichtete unter anderem die "Economic Times" am Montag unter Berufung auf Parteikreise. Die oppositionelle hindu-nationalistische BJP forderte Schnellverfahren und die Todesstrafe für Vergewaltiger. Auch der Bruder des Opfers forderte die Todesstrafe und sagte der Zeitung "Indian Express": "Wir wollen die Beschuldigten hängen sehen, und wir werden dafür bis zum Ende kämpfen."

yes/AFP/dpa

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1.
carlaponti 01.01.2013
Zitat von sysopAPDer Tod der vergewaltigten Inderin löst offenbar radikale Reaktionen aus: In Neu-Delhi ist nahe der Wohnung eines der mutmaßlichen Täter ein Sprengsatz gefunden worden. Die Polizei nahm einen Mann fest. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/indien-sprengsatz-nahe-der-wohnung-von-mutmasslichem-vergewaltiger-a-875277.html
Der Hass auf den mutmaßlichen Täter ist verständlich. Richtig wäre aber, dass die gesamte indische Gesellschaft mit sich selbst ins Gericht ginge: Wieviel Frauenverachtung und Machismus steckt in ihr, nicht nur bei den Männern, sondern auch den Frauen, die ihre Söhne in genau dem Wahn erziehen, diese stünden über den Frauen, es stünden ihnen besondere Rechte zu und dergl.? Tatsächlich müssen sich alle Gesellschaften weltweit diese Fragen immer wieder stellen.
2.
Knighter 01.01.2013
Zitat von carlapontiDer Hass auf den mutmaßlichen Täter ist verständlich. Richtig wäre aber, dass die gesamte indische Gesellschaft mit sich selbst ins Gericht ginge: Wieviel Frauenverachtung und Machismus steckt in ihr, nicht nur bei den Männern, sondern auch den Frauen, die ihre Söhne in genau dem Wahn erziehen, diese stünden über den Frauen, es stünden ihnen besondere Rechte zu und dergl.? Tatsächlich müssen sich alle Gesellschaften weltweit diese Fragen immer wieder stellen.
Das ist genau mein Problem, meine Eltern sind Inder, ich stehe da zwischen den Stühlen, aber ich habe häusliche Gewalt bis zu meinem 14 Lebensjahr mit angesehen, bis ich meinem Vater die Stirn bot. Nachher hat er das nicht mehr gewagt. Aber bei einigen Familienmitgliedern sehe ich diese Züge noch immer und ich weiß nicht, ob der Turbokapitalismus dort die Probleme eher noch verstärkt, denn was ich dort so mitbekomme, ist darwinistischer Egoismus, der bei schwächeren/ärmeren anfängt und bei der eigenen Familie nicht aufhört. Für mich persönlich ist 2012 vor allem ein Abschied von einem Großteil meiner "Familie" und mit diesem Grotesken Verbrechen zum Schluß des Jahres ein gewisser Abschied vom Land Indien an sich, jedenfalls beabsichtige ich mich hier einbürgern zu lassen...
3. Der Hass auf die Täter ...
westerwäller 01.01.2013
Zitat von carlapontiDer Hass auf den mutmaßlichen Täter ist verständlich. Richtig wäre aber, dass die gesamte indische Gesellschaft mit sich selbst ins Gericht ginge: Wieviel Frauenverachtung und Machismus steckt in ihr, nicht nur bei den Männern, sondern auch den Frauen, die ihre Söhne in genau dem Wahn erziehen, diese stünden über den Frauen, es stünden ihnen besondere Rechte zu und dergl.? Tatsächlich müssen sich alle Gesellschaften weltweit diese Fragen immer wieder stellen.
... ist mir immer noch lieber, als der Hass, der in vielen (nicht allen!) muslimischen Ländern auf das Opfer losgebrochen wäre, weil es die "Familie entehrt" hat und sich "unislamisch" verhalten hat (ohne männliche Verwandte das Haus verlassen) ...
4. Ja, aber erst
kalim.karemi 01.01.2013
Zitat von carlapontiDer Hass auf den mutmaßlichen Täter ist verständlich. Richtig wäre aber, dass die gesamte indische Gesellschaft mit sich selbst ins Gericht ginge: Wieviel Frauenverachtung und Machismus steckt in ihr, nicht nur bei den Männern, sondern auch den Frauen, die ihre Söhne in genau dem Wahn erziehen, diese stünden über den Frauen, es stünden ihnen besondere Rechte zu und dergl.? Tatsächlich müssen sich alle Gesellschaften weltweit diese Fragen immer wieder stellen.
nach der öffentlichen Hinrichtung dieser Verbrecher. Das bringt die Frau leider nicht zurück, aber Genugtuung für alle anderen Betroffenen. Vielleicht rettet es durch eine mögliche Abschreckung und ein Zeichen, daß mit entsprechender Härte verfahren wird die nächsten potentiellen Opfer.
5. Abschreckung ? nein,
blurio 01.01.2013
auch die Todesstrafe wird leider nicht verhindern, dass es neue Vergewaltigungen gegen wird, es wird nur verhindert, dass diese 6 Männer wieder eine Frau vergewaltigen können. Die Todesstrafe hat noch nie Menschen abgeschreckt Verbrechen zu begehen. Die Einstellung der Menschen muss sich ändern.
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Gegen Vergewaltigung: Indiens Silvester-Protest

Fläche: 3.166.414 km²

Bevölkerung: 1213,370 Mio.

Hauptstadt: Neu-Delhi

Staatsoberhaupt:
Pranab Mukherjee

Regierungschef: Narendra Modi

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Vergewaltigung: "Sie kämpfte tapfer um ihr Leben"