Mumbai Inderin zerrt Angreifer an den Haaren zur Polizei

Er belästigte sie an einem Bahnhof von Mumbai, da verprügelte die Studentin den Angreifer mit einer Tasche. Anschließend schleifte die 20-Jährige den Mann zur Polizei.

Pradnya Mandhare: Die indische Studentin wehrte sich gegen einen Angreifer und zerrte ihn zur Polizei
Facebook.com/ Pradnya Mandhare

Pradnya Mandhare: Die indische Studentin wehrte sich gegen einen Angreifer und zerrte ihn zur Polizei


Mumbai - In den Augen vieler indischer Frauen hat Pradnya Mandhare ein Exempel statuiert: Die Studentin wehrte sich gegen einen betrunkenen Mann, der sie am Bahnhof von Mumbai belästigte, überwältigte ihn - und zerrte ihn schließlich an den Haaren zur Polizei. "Pradnya, du hast großen Mut bewiesen und den Menschen in Indien gezeigt, wie man mit Angreifern umgeht", heißt es in einem Kommentar unter der Geschichte über den Vorfall beim indischen Sender NDTV.

Mandhare, 20-jährige Studentin für Medien am Sathaye College in Vile Parle, einem Stadtteil von Mumbai, war nach den Vorlesungen auf dem Heimweg im Zug und musste an der Station Kandivali umsteigen. "Als ich am Gleis auf den anderen Zug wartete", erzählte Mandhare dem Sender, "kam diese sichtlich betrunkene Person auf mich zu und begrapschte mich. Als ich versuchte, ihm auszuweichen, griff er nach mir. Einige Sekunden lang war ich schockiert. Aber dann begann ich, mit meiner Tasche nach ihm zu schlagen."

"Ich wollte ihn nicht davonkommen lassen"

Mandhare erzählt, der Mann habe versucht, sich zu wehren und sie zu schlagen. Doch sie konnte ihn überwältigen. "Die meisten Frauen scheuen sich davor, sich bei der Polizei zu melden." Anzeige zu erstatten sei ein langwieriger Prozess. Die Frauen müssten viele Befragungen über sich ergehen lassen, die Polizeibeamten seien zudem nicht immer kooperativ. "Aber ich war fest entschlossen, den Mann zur Polizei zu bringen", sagte sie. "Ich wollte ihn nicht davonkommen lassen."

Als sie mit ihrer Tasche auf ihn einprügelte, kam niemand, um der 20-Jährigen zu helfen. "Die Menschen standen um uns herum", sagte Mandhare, "aber keiner fragte, was los sei." Weil der Mann so dreckig gewesen sei, habe sie ihn nicht anfassen wollen. Deshalb habe sie ihn schließlich an den Haaren gepackt und ihn zur nächsten Polizeiwache gezerrt.

"Er versuchte zu fliehen. Und ich hatte Angst, er würde versuchen, mich anzugreifen." Aber die Studentin ließ nicht los, obwohl der Mann immer wieder beteuerte, er würde freiwillig mitkommen.

"Jede Frau sollte sich wehren"

Laut NDTV sagte ein Polizeibeamter, man habe den Mann verhaftet und angezeigt. Der 25-Jährige sei drogensüchtig und betrunken gewesen, als er die Studentin attackierte.

Sexuelle Gewalt gegen Frauen ist in Indien ein großes Problem. 2012 schockierte die Gruppenvergewaltigung einer jungen Frau in einem Bus die Welt und setzte das Land in Aufruhr. Die Ausstrahlung einer Dokumentation der britischen Filmerin Leslee Udwin über den Vorfall wurde vor Kurzem landesweit verboten. Im Rest der Welt darf sie gezeigt werden.

"Jede Frau sollte sich in solchen Fällen wehren und nicht schweigen", sagte Mandhare nun NDTV. Frauen seien keine Objekte, die nach Belieben begrapscht werden dürften. Sie sei froh, dass der Mann angeklagt werde. "Ich bat die Polizisten, ihm eine Lektion zu erteilen, damit er nie wieder eine Frau belästigt."

cib

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insgesamt 69 Beiträge
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Seite 1
Edelstoffl 22.03.2015
1. Einfach nur ....
klasse!
bssh 22.03.2015
2.
An sich ja toll von ihr, aber wenn der nicht betrunken gewesen wäre, hätte das sicher nicht so funktioniert. Vermutlich wird er auch nur deswegen belangt, wenn überhaupt, weil er betrunken und drogenabhängig ist. Ein normaler Mann würde höchstens ermahnt, wen man nicht sogar die Sache umdrehte und die Frau wegen Tätlichkeit belangen würde.
spon-facebook-10000110190 22.03.2015
3. Bravo!!
Toll es so mutige Frauen, wie Pradnya Mandhare in meinem Land gibt! Auch wenn es in den Medien anders dargestellt wird, Inder lieben und respektieren ihr Frauen wie überall auf der Welt auch. Übergriffe von wenigen auf wenige sind bei einem Volk von 1,3 Milliarden Menschen nicht auszuschließen, aber ein ganzes Volk pauschal als Täter/ Opfer hinzustellen ist sehr fragwürdig.
braman 22.03.2015
4. Das hat die junge
Frau sehr gut gemacht. Und es ist zu hoffen, das sie deswegen nicht noch büßen muss, hat sie doch den Frevel begangen, sich gegen ein gottgleiches Wesen, einen Mann, zur Wehr zu setzen. Wäre ich eine Frau, ich würde sehr früh in meinem Leben eine handfeste Kampfsportart lernen und in meiner Handtasche hätte ich immer etwas hartes und schweres. Egal wo auf dieser Welt! Mein beiden Töchter sind, auf mein betreiben, derart ausgerüstet. MfG: M.B.
usfriend 22.03.2015
5. Klasse
Aber zugleich schockierend, dass ihr niemand half... Ist wie bei uns!
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