Indischer Ozean: Piraten kapern italienischen Tanker

Erst nahmen sie das Schiff unter Beschuss, dann brachten sie es in ihre Gewalt: Piraten im Indischen Ozean haben den italienischen Tanker "Savina Caylyn" gekapert. Er war auf dem Weg nach Malaysia.

Rom - Nach Angaben der italienischen Marine griffen mindestens fünf Piraten den Öltanker "Savina Caylyn" am Dienstagmorgen in einem Schnellboot an. Die Piraten hätten das Schiff der neapolitanischen Reederei Fratelli D'Amato erst beschossen und dann in ihre Gewalt gebracht. Die Mitglieder der Besatzung - fünf Italiener und 17 Inder - seien unverletzt geblieben.

Die Seeräuber attackierten die "Savina Caylyn" auf hoher See etwa 880 Seemeilen von der somalischen und rund 500 Seemeilen von der indischen Küste entfernt. Das Schiff fährt unter italienischer Flagge und war auf dem Weg zum Pasir Gudang-Hafen in Malaysia. Nach offiziellen Angaben fährt der Tanker inzwischen nach Westen in Richtung Somalia. Laut der Schiffsdatenbank "Vesseltracker.com" ist die "Savina Caylyn" 266 Meter lang und 46 Meter breit.

Ein Schiff der italienischen Marine befinde sich unterwegs zu dem gekaperten Schiff und solle es innerhalb der kommenden 48 Stunden erreichen. Die "Zeffiro" gehört zur Operation "Atlanta", einer Marinemission der Europäischen Union gegen Piraten am Horn von Afrika.

Immer wieder fallen Schiffe in die Hände von Piraten. Erst Ende Januar hatten Piraten den deutschen Frachter "Beluga Nomination" in ihre Gewalt gebracht. Nach Angaben der Bremer Beluga-Reederei sind dabei mindestens drei Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen. Am vergangenen Sonntag hatten die Piraten Kontakt zu den Schiffseignern aufgenommen und Forderungen gestellt.

ulz/dpa/Reuters

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Fette Beute
susi_sonicht 08.02.2011
hat sich wieder einmal gelohnt. Na die Reedereien haben es ja - sonst würden sie endlich Sicherheitspersonal anheuern und den Piraten die Suppe versalzen - äh, sie in Grund und Boden bohren!
2. vom Horn von Afrika nichts Neues
Bernd Löhr 08.02.2011
Zitat von sysopErst nahmen sie das Schiff unter Beschuss, dann brachten sie es in ihre Gewalt: Piraten im Indischen Ozean haben den italienischen Tanker "Savina Caylyn" gekapert. Er war auf dem Weg nach Malaysia. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,744202,00.html
Da gibt es nichts mehr zu diskutieren. Alles ist bekannt. Man will es so. So sei es.
3. italalienische Piraten?
BonChauvi 08.02.2011
Zitat von susi_sonichthat sich wieder einmal gelohnt. Na die Reedereien haben es ja - sonst würden sie endlich Sicherheitspersonal anheuern und den Piraten die Suppe versalzen - äh, sie in Grund und Boden bohren!
Alles halb so wild. Die Reederei wird den Piraten ein Angebot machen, das sie nicht ablehnen können....
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Piraten vor Somalia: Neuer Seekrieg

"Atalanta" und Eufor
Die EU-Mission "Atalanta"
An dem Anti-Piraten-Einsatz der Europäischen Union am Horn von Afrika nehmen bis zu 1400 Bundeswehrsoldaten teil. Derzeit sind es rund 240 deutsche Soldaten und die Fregatte "Bremen". Sie sollen gemeinsam mit Soldaten aus anderen europäischen Ländern die Schiffe des Welternährungsprogramms, bei Bedarf auch zivile Schiffe, vor Übergriffen schützen sowie die Seewege überwachen. Der Einsatzbereich umfasst bis zu 500 Seemeilen.

Laut EU-Beschluss lautet das Ziel der Mission: "die Abschreckung, Verhütung und Bekämpfung von seeräuberischen Handlungen und bewaffneten Raubüberfällen". Dazu gehört explizit auch der "Einsatz von Gewalt". Der bislang geltende Einsatz war bis zum 15. Dezember 2009 befristet.
Der Bosnien-Einsatz
Unter den Kürzeln Ifor und Sfor lief bis Ende 2004 der Nato-geführte Bosnien-Einsatz. An der von der Europäischen Union weitergeführten Eufor-Mission "Althea" beteiligt sich die Bundeswehr aktuell mit 120 Soldaten.
Moderne Piraten - Gefahr am Horn von Afrika
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Maschinengewehre statt Enterhaken
Fernab aller Seeräuberromantik ist die moderne Piraterie eine Form der organisierten Kriminalität. Nach dem Seerechtsübereinkommen von 1982 gelten als Piraterie räuberische oder erpresserische Überfälle auf Schiffe auf hoher See. Angriffe innerhalb nationaler Hoheitsgewässer werden als Strandpiraterie bezeichnet.

Am gefährlichsten sind die Gewässer vor Afrika. Somalia, Nigeria und Tansania sind Schwerpunkte der Angriffe. Vor der Küste Somalias operieren Piraten oft von Mutterschiffen aus, von denen sie auf pfeilschnellen Booten mit Maschinenpistolen und Panzerfäusten bewaffnet zu Raubzügen aufbrechen. Die gekaperten Schiffe werden dann vor die Küste gebracht.
Piratennest Puntland
Puntland ist eine Region am Horn von Afrika, rund 212.000 Quadratkilometern groß, 2,4 Millionen Einwohner. Vor zehn Jahren erklärte sich der trockene Landstrich zum autonomen Teilstaat von Somalia. Tonangebend sind die Stammesstrukturen der Darod, die dort ihr Hauptsiedlungsgebiet haben. Zwei Drittel der Menschen hier sind Nomaden, nahezu alle sunnitische Muslime. Einst lebten sie vom Fischfang vor der 1300 Kilometer langen Küste am Indischen Ozean sowie der Zucht von Kamelen, Schafen und Ziegen.

Gemessen an somalischen Verhältnissen galt die Region bisher als stabil, nach Selbstmordanschlägen auf Regierungsgebäude im Oktober wird aber befürchtet, islamistische Terroristen könnten auch im Puntland Fuß fassen. Inzwischen herrscht auch hier weitgehende Gesetzlosigkeit. Kriminelle Banden verdienten viel Geld mit dem Schmuggel von Flüchtlingen aus Somalia und Äthiopien auf die arabische Halbinsel. Dazu kommen Piratenüberfälle. Die Machthaber von Puntland wurden wiederholt beschuldigt, die Piraten zu unterstützen und einen Teil des Lösegeldes für Schiffe und Besatzungsmitglieder selbst zu kassieren.
Stützpunkte
Das berüchtigtste Piratennest ist Eyl. Gegenwärtig haben Piraten laut Amnesty International nahe der Küstenstadt mehr als 130 Menschen als Geiseln genommen. Insgesamt befinden sich in der Region noch knapp 250 Seeleute und Dutzende Schiffe in der Gewalt der Piraten. Verhandlungen über Lösegeld laufen vielfach.
Lukratives Geschäft
Piraterie in somalischen Gewässern hat sich in den vergangenen Jahren zu einem lukrativen Geschäftszweig ausgeweitet: Erfolgreiche Entführungen bringen nach Schätzungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Lösegelder in Höhe von einer bis fünf Millionen US-Dollar. Der fast 20 Jahren tobende Bürgerkrieg und die damit einhergehende Verarmung und Militarisierung Somalias haben den Angriffen den Nährboden bereitet.
Zunehmende Entführungen
Somalischen Piraten gelingt es immer häufiger, Schiffe in ihre Gewalt zu bringen. Einem Anfang November veröffentlichten Uno-Bericht zufolge wurden trotz des Einsatzes der internationalen Flotte vor der Küste Somalias in den ersten neun Monaten 2011 37 Schiffe gekapert - im Vorjahreszeitraum waren es noch 33.

Es sei "erschreckend", dass die Piraten mittlerweile 438 Besatzungsmitglieder und Passagiere sowie 20 Schiffe in ihrer Gewalt hätten, sagte der Uno-Untergeneralsekretär B. Lynn Pascoe. Es müsse mehr getan werden, um die Ursachen von Raubüberfälle und Entführungen zu beseitigen.

Doch noch ist von einer Lösung keine Spur, im Gegenteil: Die Angriffe werden brutaler. Am 7. November 2011 erschossen somalische Piraten einen Mann, der die von ihnen gekaperte Yacht nicht verlassen wollte. Die anderen Geiseln - darunter eine Frau und ein Junge - wurden Augenzeugen zufolge an Land gebracht. Bislang kam die Tötung von Geiseln selten vor.
Folgen für Reedereien
Die zunehmenden Angriffe haben die Einfahrt ins Rote Meer bereits so unsicher gemacht, dass erste Reedereien Schiffe nicht mehr von dort durch den Suez-Kanal, sondern auf die weit längere Route um das Kap der Guten Hoffnung schicken. So sollen extrem hohe Versicherungsprämien wegen des Piraten-Risikos oder Kosten für eigene Sicherheitsmannschaften an Bord vermieden werden.

Britische Reedereien und Versicherer haben die Idee einer Privatarmee erneut in die öffentliche Diskussion gebracht.
Anti-Piraten-Missionen
Internationale Streitkräfte versuchen im Rahmen der NATO-Mission "Ocean Shield" und der EU-Mission "Atalanta", die Piraterie zu bekämpfen. Doch während die Kriegsschiffe im besonders gefährdeten Golf von Aden zwischen Somalia und Jemen patrouillieren, haben die Seeräuber ihren Aktionsradius zunehmend auf den Indischen Ozean verlagert. Manchmal gelingen allerdings auch Erfolge: Im April 2010 konnte die niederländische Fregatte "Tromp" den deutschen Frachter "Taipan" aus der Hand von Piraten befreien.