Kommunikation über Codes: Inhaftierte Neonazis bauten Geheimnetzwerk auf

Justizvollzugsanstalt (in NRW): Codes und Symbole, versteckte Botschaften Zur Großansicht
dapd

Justizvollzugsanstalt (in NRW): Codes und Symbole, versteckte Botschaften

Sie kommunizierten unter anderem mit versteckten Botschaften in Kleinanzeigen: Mehrere inhaftierte Rechtsradikale sollen aus dem Gefängnis heraus Kontakt zum Umfeld der Neonazi-Terrorzelle NSU aufgenommen haben. Auch mit anderen Rechtsextremen in Haft wurden laut Ermittlern Informationen ausgetauscht.

Berlin - Ein bundesweites rechtsradikales Netzwerk in deutschen Gefängnissen soll unentdeckt Kontakt zum Umfeld der Neonazi-Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) aufgenommen haben. Die Mitglieder des Hilfsvereins für rechtsradikale Gefangene pflegten offenbar schriftlichen Kontakt mit NSU-Kreisen. Das berichten die "Süddeutsche Zeitung" und die "Bild"-Zeitung übereinstimmend unter Berufung auf Ermittlerkreise. Dies habe eine Auswertung von Beweismaterial ergeben, das bei Zellendurchsuchungen in hessischen Strafanstalten in den vergangenen Wochen sichergestellt worden sei.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hatte die rechtsextreme "Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige" (HNG) im September 2011 verboten. Zur Begründung hieß es damals, der Verein lehne den demokratischen Rechtsstaat ab und verherrliche den Nationalsozialismus. Die HNG hatte rund 600 Mitglieder und das erklärte Ziel, inhaftierten Rechtsextremisten zu helfen.

Laut "Süddeutscher Zeitung" und "Bild"-Zeitung soll die Organisation außer mit dem NSU-Umfeld auch mit Rechtsextremen in anderen Gefängnissen regen Kontakt gehabt haben. Dabei lief die Kommunikation offenbar weitgehend über Briefe und versteckte Botschaften im Kleinanzeigenteil scheinbar unverdächtiger Magazine. Die Neonazis hätten Codes und Symbole benutzt, die offenbar selbst für Experten nur schwer als "rechtsradikal" zu erkennen seien. Innerhalb der Haftanstalten baute der Verein den Angaben zufolge streng hierarchische Organisationsstrukturen auf.

Hessens Justizminister Jörg-Uwe Hahn kündigte eine lückenlose Aufklärung der Vorgänge an. Er hatte am Dienstag bestätigt, in den vergangenen Wochen seien Zellen durchsucht und Postsendungen überprüft worden. "Wir wollen Fehler von Sicherheitsbehörden im Zusammenhang mit den Straftaten des NSU nicht im Strafvollzug wiederholen", sagte der FDP-Politiker. Polizei und Verfassungsschutz hatten sich während der NSU-Mordserie und bei den anschließenden Ermittlungen zahlreiche Pannen geleistet.

Dem NSU werden Morde an neun ausländischen Kleinunternehmern und einer deutschen Polizistin zur Last gelegt. In der kommenden Woche beginnt vor dem Oberlandesgericht München der Prozess gegen das mutmaßliche NSU-Mitglied Beate Zschäpe und vier mutmaßliche Unterstützer der rechtsextremen Terrorgruppe.

Die Angeklagten im NSU-Prozess
Foto Beate Zsch¿pe
Foto Ralf Wohlleben
Foto Holger G.
Foto Carsten S.
Foto Andr¿ E.

Fotos: BKA/DER SPIEGEL

ulz/AFP/dpa

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insgesamt 40 Beiträge
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1. Und der Verfassungsschutz ...
Rosa3000 10.04.2013
... hat wieder einmal von Tuten und Blasen keine Ahnung.
2. Blauäugigkeit
matzebb 10.04.2013
Wie arbeitet eigentlich diese Justizverwaltung? Glaubt sie ernsthaft, überzeugte Neonazis ließen sich durch Haft von ihrem schändlichen Treiben abhalten? Viel zu spät wurde dieses "Hilfswerk" verboten, viel zu spät ließ man Strukturen zu, die letztendlich die NSU möglich werden ließ.
3. Ganz schöner
blue.sky 10.04.2013
Quatsch - wers glaubt wird seelig. Keine Fakten, nur Vermutungen. Habe diese Stimmungsmache zum NSU Prozess satt. Bringt endlich Fakten und keine Visionen.
4. Gut diesen Sumpf auszutrocknen
mc6206 10.04.2013
Zitat von sysopSie kommunizierten offenbar mit versteckten Botschaften in Kleinanzeigen: Inhaftierte Rechtsradikale hatten offenbar Kontakt zum Umfeld der Neonazi-Terrorzelle NSU. Auch mit Rechtsextremen in anderen Gefängnissen sollen Informationen ausgetauscht worden sein. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/inhaftierte-rechtsradikale-sollen-kontakt-zum-nsu-gehabt-haben-a-893475.html
Es ist ja zu erwarten, daß Leute, die sich vor der Haft ideologisch organisiert haben, auch während der Haft weiter machen. Ich denke, für ideologisch verbohrte Leute ist es unwichtig, ob sie in einem Verein sind oder wo sie sind, um sich ihr gehirngewaschenes Gehirn frei zu spülen. Das braucht Jahre. Und das gilt für Nazis wie für Salafisten. Gleiche Problematik.
5. Staatliche Beteiligte!
horstbier 10.04.2013
Ich darf doch wohl auch anderer Meinung sein, da ich der festen Überzeugung bin, dass staatliche Stellen wußten was diese NSU-Verbrecher gerade machten und gemacht haben. Als diese Verbrecher für die staatlichen Stellen zu gefährlich wurden, wurden sie von Geheimdienstleuten lequidiert! Warum gibt es bis heute keine Aufklärung über DDR Verbrechen? Es wird bei den LINKEN gesucht obwohl es in anderen Parteien genug Leute gab, die plötzlich untergetaucht sind und heute in systemrelevaten Positionen ein gutes Leben führen.
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