Inhaftierter Schüler Türkei lehnt Freilassung von Marco Weiss ab

Marco Weiss kommt vorerst nicht frei. Die türkische Regierung lehnt eine Freilassung des deutschen Schülers ab. Außenminister Steinmeier drängt weiterhin darauf, den 17-Jährigen bald nach Deutschland zu holen.


Istanbul - "Wir können und wollen uns nicht in das Rechtsverfahren einmischen", sagte der türkische EU-Chefunterhändler Ali Babacan nach einem Gespräch mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier in Brüssel. Seine Regierung werde aber "alles Notwendige tun, damit er ein faires Verfahren bekommt".

Inhaftierter Marco Weiss: Steinmeier respektiert die Unabhängigkeit der türkischen Justiz
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Inhaftierter Marco Weiss: Steinmeier respektiert die Unabhängigkeit der türkischen Justiz

Der Fall des 17-Jährigen sei ein "sehr unglücklicher Fall", räumte Babacan ein. Die Regierung in Ankara könne und wolle sich nicht in ein Rechtsverfahren einmischen. Die Staatsanwaltschaft von Antalya habe zugesichert, dass der Schüler mit seiner Familie zusammenkommen könne. Es solle alles getan werden, damit es zu einer fairen Verhandlung komme. Nach einer ersten Anhörung am 8. Juni sei eine zweite Anhörung am 6. Juli angesetzt.

Marco Weiss ist seit Wochen in der Türkei in Haft. Er wird des sexuellen Missbrauchs einer 13-jährigen Britin beschuldigt. Er selbst spricht von einem Urlaubsflirt. Bei einer Verurteilung drohen ihm acht Jahre Haft.

"Wir respektieren die Unabhängigkeit der türkischen Justiz", sagte Steinmeier. Zugleich drängte er aber alle türkischen Stellen "mitzuhelfen, dass eine Lösung gefunden wird, damit der Jugendliche möglichst bald wieder bei seinen Eltern in Deutschland sein kann". Er habe mit Babacan und in einem sehr ausführlichen Telefonat mit dem türkischen Außenminister Abdullah Gül in der Nacht "die humanitären Aspekte dieses Falls erörtert", sagte Steinmeier. Dabei habe er neben den heiklen Haftbedingungen auch auf die schwierige Situation der Eltern hingewiesen.

Der türkische Nachrichtensender NTV berichtete, Gül habe in dem Telefonat unter anderem darauf verwiesen, dass eine Haftentlassung für den deutschen Schüler kaum möglich sei, solange die Familie des mutmaßlichen Opfers des deutschen Teenagers ihre Strafanzeige nicht zurückziehe. Gül habe zudem gesagt, dass der 17-Jährige in der Untersuchungshaft versorgt werde und auch seine Eltern sehen dürfe.

10.000 Euro an Spenden gesammelt

Die Welle der Hilfsbereitschaft für den inhaftierten Uelzener hält an. Auf das vom Technischen Hilfswerk (THW) eingerichtete Spendenkonto sind bisher 10.000 Euro eingegangen, wie der Mitorganisator der Hilfsaktion, Patrick Friede, sagte. Der 17-jährige Schüler war in der THW-Ortsgruppe Uelzen aktiv.

Der größte Einzelspendenbetrag beläuft sich nach Aussage Friedes auf 1000 Euro, der kleinste auf 3 Euro. "Wir erhalten Spenden, E-Mails, SMS und Anrufe aus ganz Deutschland", sagte er. Mit dem Geld würden die Eltern unterstützt, die ihren Sohn nur einmal in der Woche für zehn Minuten durch eine Glasscheibe sprechen dürften. Die Reisen in die Türkei, aber auch der Aufenthalt ihres Sohnes im Gefängnis und die Anwaltskosten hätten sie in wirtschaftliche Schwierigkeiten gebracht, sagte Friede.

jjc/AFP/AP/dpa/Reuters/ddp

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