Urteil Gericht lehnt "inter" als offizielle Geschlechtsangabe ab

Vanja, 25, wollte als Geschlechterangabe für sich "inter/divers" ins Geburtenregister eintragen lassen. Ein Gericht hat das jetzt abgelehnt.


Hannover - Das Amtsgericht Hannover hat einen Antrag auf Änderung der Geschlechtsangabe im Geburtenregister von "weiblich" in "inter/divers" abgelehnt. Nach dem Personenstandsgesetz seien die Angaben "inter" beziehungsweise "divers" gesetzlich nicht vorgesehen, begründete die zuständige Richterin in dem schriftlichen Verfahren. Das teilte das Gericht nun mit.

Antragsteller war ein 25-jähriger Mensch, der sich Vanja nennt und in Gehrden bei Hannover geboren wurde. Vanja wird von der Gruppe "Kampagne dritte Option" unterstützt. "Wir haben mit der Entscheidung gerechnet und werden auf jeden Fall Rechtsmittel einlegen", sagte ein Sprecher. Vanja strebe mit der beantragten Eintragung als "inter/divers" im Geburtenregister eine rechtliche Klärung an, hieß es auf der Homepage der Kampagne. Bisher stehe in der Geburtsurkunde, dass Vanja eine Frau sei.

Nach Schätzungen leben in Deutschland rund 80.000 Menschen ohne klar bestimmbares Geschlecht. Betroffenen-Verbände bemühen sich um Aufklärung und Gleichberechtigung. Sie lehnen frühe operative Eingriffe zur Geschlechterbestimmung als menschenrechtswidrig ab. Eine Gesetzesänderung auf Empfehlung des Deutschen Ethikrates ermöglicht es seit November, Kinder zunächst ohne Geschlechtsangabe ins Geburtenregister einzutragen.

Bereits vor mehr als zehn Jahren hatte eine intersexuelle Person in München vergeblich versucht, vor Gericht einen dritten Geschlechtseintrag im Ausweis durchzusetzen.

brk/dpa



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