Neustadt an der Weinstraße - Der wegen Zehntausender illegaler Nacktfotos von Patientinnen beschuldigte Frauenarzt aus der Pfalz will vorerst doch nicht weiter als Mediziner tätig sein. Der Gynäkologe hatte vor dem Verwaltungsgericht in Neustadt gegen eine Entscheidung der zuständigen Landesbehörde geklagt, nach der seine Approbation derzeit ruht. Kurz vor der für Donnerstag angesetzten Verhandlung zog der Mediziner seine Klage nun zurück. Betroffene Frauen hatten die Klage des Arztes scharf kritisiert.
Der Gynäkologe habe damit die Entscheidung des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung akzeptiert und könne nun nicht mehr gegen sie vorgehen, sagte eine Gerichtssprecherin. Das Landesamt hatte sich auf die Bundesärzteordnung berufen. Danach kann das Ruhen der Zulassung angeordnet werden, wenn gegen einen Arzt der Verdacht einer Straftat bestehe, aus der sich seine Unwürdigkeit oder Unzuverlässigkeit zur Ausübung des ärztlichen Berufs ergeben könne.
Der Staatsanwaltschaft liegt das Ergebnis eines Gutachtens zu den rund 35.000 Fotos und Videos vor, die der Arzt von seinen Patientinnen gemacht haben soll. Demnach gab es für die meisten Aufnahmen keine medizinischen Gründe, wie ein Sprecher der Frankenthaler Staatsanwaltschaft berichtete. Der Gutachter habe 500 Fotos und 30 Videos ausgewertet. Die Behörde prüft auch, ob der Mediziner seine Patientinnen während der Behandlung nicht nur ohne medizinischen Grund fotografiert, sondern auch berührt hat.
Der Gynäkologe hat sich noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Seit September hatte eine Ermittlungsgruppe der Polizei die Fotos ausgewertet und sie mehr als 1800 Patientinnen zugeordnet. Der größte Teil der Betroffenen hat Strafantrag gegen den Arzt gestellt, in einigen Fällen wurde Patientinnen bereits Schmerzensgeld zugesprochen. Wann Anklage erhoben werde, sei nicht absehbar, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft: "Es gibt hierfür keinen Präzedenzfall."
wit/dpa/dapd
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