Inzest-Fall Amstetten Paparazzo greift Wachmann in Fritzl-Klinik an

Gefährdetes Schutzprogramm: Erneut kam es auf dem Gelände der niederösterreichischen Klinik, in der Inzest-Opfer Elisabeth Fritzl und ihre Familie untergebracht sind, zu einem Zwischenfall. Ein Paparazzo drang ins Gebäude ein, schlug einen Wachmann nieder.


Amstetten - Die Opfer des Inzest-Falls von Amstetten kommen nicht zur Ruhe. Ein Paparazzo hat nach Angaben des Krankenhauses am Montag auf dem Gelände des Landesklinikums Amstetten-Mauer einen Wachmann niedergeschlagen.

Auf der Jagd nach einem Bild von den Opfern sei der Fotograf ins Klinikgelände eingedrungen. Als der 30 Jahre alte Wachmann den Eindringling verfolgt habe, sei er von diesem mit einem Schlagstock angegriffen worden. Der verletzte Wachmann konnte ambulant versorgt werden. Der Fotograf entkam unerkannt.

In der Nervenklinik bei Amstetten werden seit Ende April das Inzest-Opfer Elisabeth Fritzl, fünf von sechs Kindern der 42-Jährigen und ihre Mutter betreut. Elisabeth Fritzl war von ihrem Vater Josef 24 Jahre lang in einem Kellerverlies gefangen gehalten und immer wieder vergewaltigt worden. Die Klinik wird von Elitepolizisten und einem privaten Sicherheitsdienst rund um die Uhr bewacht.

Bisher hätte es etwa zwanzig solcher Zwischenfälle mit Paparazzi gegeben, berichtete Kliniksprecher Klaus Schwertner. "Dies war der bisher schlimmste." Ein Fotograf sei auch schon auf die Fassade des Krankenhauses geklettert, um einen Schnappschuss zu bekommen.

Nach österreichischen Medienberichten sollen für Fotos der Amstetten-Opfer mittlerweile eine Million Dollar (640.000 Euro) geboten werden. Die Ärzte haben wiederholt an die Öffentlichkeit appelliert, die Privatsphäre der Opfer zu respektieren.

Die Zeitung "Österreich" hatte am Wochenende gemeldet, Elisabeth Fritzl werde dem österreichischen Fernsehsender ORF ein Interview geben, in der Hoffnung, die Situation zu entschärfen.

Doch Opferanwalt Christoph Herbst, der Elisabeth Fritzl vertritt, dementierte den Bericht. Herbst sagte der österreichischen Nachrichtenagentur APA, es sei "nichts Derartiges" geplant.

pad/dpa



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