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Inzestfall Amstetten: Josef Fritzl und das Geheimnis der Faltencreme

Josef Fritzl ist der zurzeit bekannteste Straftäter Europas. Besonders britische Medien dürstet es nach Neuigkeiten über den Inzesttäter.

Hamburg/St. Pölten - Seit 80 Tagen sitzt Josef Fritzl in der Justizanstalt St. Pölten ein, ohne Frage der prominenteste Straftäter, den die Beamten dort jemals zu bewachen hatten.

Wie sich Fritzl hinter Gittern die Zeit vertreibt, ob er Anfeindungen seiner Mitinsassen ausgeliefert ist - die Gefängnisverwaltung zeigt sich bei Anfragen nach Details zum Knastalltag des 73-jährigen Inzesttäters wenig auskunftsfreudig.

Darum überraschte eine Meldung im britischen "Mirror", wonach Fritzl beim Gefängnisarzt um eine "Anti-Aging-Creme" nachgesucht habe. Das Blatt zitiert in der Sache den Gefängnissprecher Erich Huber-Günsthofer. Auch klage Fritzl über Schmerzen in der Brust und im Magen, zeichne sich ansonsten jedoch durch Pflegeleichtigkeit aus: "Um ehrlich zu sein, abgesehen von den Arztbesuchen und der Bitte nach Gesichtscreme macht Fritzl keine Probleme", wird Huber-Günsthofer im "Mirror" zitiert.

Fritzl habe sich zudem nicht über das Essen in der Anstalt beschwert. Man merke kaum, dass er da sei. Die Berichterstattung über "seinen Fall" verfolge er jedoch in Presse und Fernsehen sehr interessiert. Bei schönem Wetter unternehme der 73-Jährige Spaziergänge im Gefängnishof, heißt es weiter im "Daily Mirror".

Das Problem der "Mirror"-Geschichte: Der Gefängnissprecher weiß nichts davon. Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE sagte Huber-Günsthofer, er habe nie mit dem "Daily Mirror" gesprochen.

Er könne sich nicht erklären, wie die britische Zeitung dazu komme, ihn zu zitieren. "Der Häftling Fritzl macht einen ganz normalen Eindruck und es gibt nichts Besonderes über ihn zu berichten", so Huber-Günsthofer zu SPIEGEL ONLINE. Was Fritzl mit dem Gefängnisarzt bespreche, unterliege ohnehin der ärztlichen Schweigepflicht.

Mit dieser Aussage konfrontiert, teilt der "Daily Mirror" mit, man habe die Informationen "einer Agenturmeldung" entnommen.

Der weitgehend geständige Josef Fritzl hatte seine Tochter Elisabeth seit ihrem 18. Lebensjahr in einem versteckten Kellerverlies 24 Jahre lang eingesperrt und sexuell missbraucht. Die heute 42-Jährige gebar in dem Keller in den folgenden Jahren sieben Kinder, von denen sechs überlebten.

ayd

Anmerkung der Redaktion: SPIEGEL ONLINE hat eine zunächst in diesem Artikel publizierte Formulierung, "Neuigkeiten" über Fritzl würden "erfunden", entfernt.

Quelle der vom "Mirror" publizierten Agenturmeldung war offenbar ein Bericht in der österreichischen "Kronenzeitung", der gegenüber Erich Huber-Günsthofer angeblich bestätigte, Fritzl habe nach einer Hautcreme verlangt - was er SPIEGEL ONLINE gegenüber allerdings dementierte.

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Inszestfall Amstetten: Die Verbrechen des Josef F.

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